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Die oberägyptischen Kulturen des Neolithikums Die Badari-Kultur (ca. 5000–3700 v. Chr.)
ОглавлениеDie älteste prädynastische Gemeinschaft Oberägyptens ist die Badari-Kultur, die ihren Stammsitz in der Umgebung von Badari, nahe dem heutigen Assiut, hat. Die frühesten Anzeichen ihrer Existenz reichen weiter als 5000 v. Chr. zurück, womit sie ungefähr gleichzeitig mit Fajum A und Merimde in Unterägypten ist.
Viele Errungenschaften des frühen Ägypten haben ihre Ursprünge in der Badari-Kultur und finden zum Teil auch Eingang in die spätere pharaonische Zivilisation. Zum Beispiel ist der Totenkult Ägyptens maßgeblich dadurch geprägt worden, indem in Badari den Verstorbenen Beigaben in die Gräber gelegt werden. An dieser nicht selbstverständlichen Sitte ist zu erkennen, dass diese Gruppe Menschen an ein Weiterleben nach dem Tod bzw. an ein irgendwie geartetes Jenseits glaubt. Die Niederlegung von Grabbeigaben lässt sich durch die gesamte pharaonische Geschichte hindurch verfolgen und bildet eine wichtige Quelle, die einen Großteil unseres Wissens über die altägyptische Kultur speist. Die frühen Gräber sind einfache Sandgruben, in denen die Toten meist auf der linken Körperseite liegend und mit angewinkelten Beinen bestattet werden, sodass sie eine fötale Haltung einnehmen. Dabei weist der Kopf nach Süden und ihr Blick ist nach Westen gerichtet, der untergehenden, »sterbenden« Sonne entgegen. Um die Beigesetzten vor dem Sand zu schützen, werden sie häufig in Matten oder Tierfelle gehüllt.
Die Häuser sind aus vergänglichen, pflanzlichen Materialien gebaut, die sich nicht erhalten haben. Siedlungen sind heute nur noch durch Abfallgruben, Kochstellen und mit Flechtwerk ausgekleideten Getreidegruben gekennzeichnet.
Die frühesten Anzeichen eines oberägyptischen Fernhandels lässt ebenfalls die Badari-Kultur erkennen. Ihre Träger haben Zugang zum Roten Meer und zum Sinai, der vermutlich, zumindest im Gebiet von Serabit el-Chadim, unter südpalästinischer Oberhoheit steht.7
Um 4000 v. Chr. erwächst im Süden des Badari-Gebietes eine neue Kultur, deren Stammgebiet beim modernen Dorf Naqada zu lokalisieren ist. Diese ist sehr dominant, dynamisch und sich ihrer Überlegenheit gegenüber der Nachbarkulturen durchaus bewusst, woraus sich ein deutliches Interesse daran entwickelt, ihr weiteres Umfeld kulturell zu missionieren.
Um 3700 v. Chr., nach einer Periode der parallelen Existenz, überlagert Naqada ihren nördlichen Nachbarn.