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Der Handel als treibende Kraft

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Der Handel ist der Motor Ägyptens. Handel bringt den ersten interkulturellen Austausch und weckt vielleicht schließlich auch den Wunsch nach einem gesamtägyptischen Reich unter einheitlicher Führung.

Seit der Naqada-Stufe IIb kommen wertvolle Rohstoffe wie Lapislazuli aus dem Gebiet des heutigen Afghanistans und Produkte aus syrisch-palästinischem und sogar aus dem mesopotamischen Raum nach Ägypten, die auf den Routen über den Sinai und das Rote Meer zu ihren Zielorten gelangen und zunächst auf Naqada-Gräber in Mittelägypten beschränkt bleiben. Die Träger der Naqada-Kultur haben die alten Badari-Handelsrouten und -verbindungen wieder aufleben lassen.


Abb. 3 Ausschnitt von der Hauptwand des Bemalten Grabes von Hierakonpolis (Naqada II, um 3300 v. Chr.). Zu erkennen ist vermutlich immer der Grabbesitzer, teilweise mit einem Krummstab ähnlichen Zepter ausgestattet, der Gefangene, Feinde und wilde Tiere besiegt bzw. bändigt.

Seit dem Beginn der frühen Naqada-II-Zeit treten auch Schalen aus Nubien in Ägypten auf. Zudem kommen in dieser Zeit, zwischen 3400 und 3300 v. Chr., Siegel in Gebrauch, die Waren kennzeichnen. Sie sind frühe Entwicklungsstufen der Schrift und nötig, um Herkunftsorte und Abgaben zu kennzeichnen. Das deutet auf eine frühe Anfangsphase einer Verwaltung hin, die den Güterverkehr regelt.

In der mittleren Stufe II, etwa um 3300 v. Chr., hat sich die Naqada-Kultur bereits bis ins nördliche Mittelägypten hinein ausgedehnt. In dieser Zeit entsteht das früheste dekorierte Grab Ägyptens, das als Bemaltes Grab von Hierakonpolis bekannt ist. Die Wände sind mit Ziegeln verkleidet, verputzt und auf gelbem Hintergrund bemalt, wie zuvor nur die Keramik. Die Zeichnungen werden von Schiffen dominiert – den damaligen Wahrzeichen des modernen Handelsverkehrs – und den mehrmaligen Darstellungen wahrscheinlich des Grabinhabers in größerem Maßstab, dem Zepter gebracht werden, der Löwen bändigt und der Menschen züchtigt (Abb. 3). Das sind Motive, wie sie später vom Pharao benutzt werden sollen. Ein zeitgenössisches Fragment aus Stein, das den abgebildeten Herrscherstäben ähnelt, stammt aus dem Friedhof von Abydos.8 Ähnliche Gräber, allerdings ohne Bemalung, finden sich zur selben Zeit neben Hierakonpolis auch in Naqada/Ombos, Thinis (oder This)/Abydos und in Diospolis parva und lassen auf mehrere lokale Eliten dieser Kultur schließen, die etwa 300 Jahre vor dem Beginn der 1. Dynastie die Kontrolle über administrative Vorgänge des Handels haben.

Mit wachsender Größe des Machtbereiches der Naqada-Fürsten fällt eine Steuerpflicht der Bevölkerung an, die der Herrscher alle zwei Jahre persönlich mit seinem Gefolge eintreibt. Er reist zu Schiff durch das Land, nimmt die Abgaben entgegen und spricht Recht, d.h. er verurteilt auffällig gewordene Untertanen und lässt sie gegebenenfalls hinrichten. Die Verhängung von Todesurteilen ist auch in der geschichtlichen Zeit Ägyptens einzig die Aufgabe des Königs.

Ein altes Ritual, das aus der tiefsten Vorgeschichte stammt, sieht die magischen Erneuerungen des Herrschers vor, wenn dieser alt geworden und seine Kräfte geschwunden sind. In viel früherer Zeit scheinen betagte Häuptlinge nach einer bestimmten Anzahl Regierungsjahren umgebracht und durch einen jüngeren ersetzt worden zu sein. Dieser Brauch wird – aus verständlichen Gründen – bald umgewandelt: Während eines Thronjubiläums, dem Sedfest, bei dem u.a. eine Statue des gealterten Oberhauptes beigesetzt wird, erfolgt die Regeneration des Herrschers.9 Dieses Sedfest wird ein wichtiger Bestandteil der pharaonischen Regierungen, die später großzügig um das 30. Jahr herum begangen werden.

Etwa um 3250 v. Chr. ist die Naqada-Kultur bereits im gesamten Delta vertreten. Offensichtlich werden bestimmte lokale Eliten gewaltsam beseitigt, um die handelspolitisch wichtigen Lagen einiger Ortschaften zu übernehmen. Spätestens um 3200 v. Chr. muss Ägypten ein weitestgehend einheitliches Bild geboten haben. Ägypten ist »naqadisiert«, aber nicht politisch geeint.

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