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ОглавлениеVIII
Unkundig und uferlos beginne ich mit den Recherchen. Beharrlich lese ich mich durch historische Sachbücher und Reiseberichte, Stadtführer und Enzyklopädien. Im Antiquariat finde ich ein rotes Büchlein, das zu meiner Rom-Bibel wird: «Baedekers Handbuch für Reisende, Mittelitalien und Rom, Jahrgang 1908, mit Stadtplan und Strassenbahnplan.» Fasziniert lerne ich die Stadt kennen, in- und auswendig. Ich lebe in ihr! Zumindest auf dem Papier und so weit, als sie noch nicht über den Ring der Aurelianischen Stadtmauern hinausgewachsen ist. Ich lese Werke von Schriftstellerinnen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und versuche, dem Denken, den gesellschaftlichen Normen und dem Lebensgefühl jener Zeit auf die Spur zu kommen. Neugierig sammle ich Familienfotos und nehme sie unter die Lupe. Ich entdecke die Gedichtbände von Pietro und Attilio und erfahre, dass Pietro, der Zurückgekehrte, zeitlebens die Berge besang, und Attilio, der Zurückgebliebene, sich stets nach der Familie als Hort der Wärme und Geborgenheit sehnte.
Trotz meiner akribischen Suche bleiben viele Fragen offen, und oft wünsche ich mir, ich könnte mich in jene Zeit hineinversetzen, ein Zeitfenster aufstossen und einen Blick erhaschen vom damaligen Leben in der Via Merulana.