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Schlusspunkt! Ich habe gerade die allererste Fassung dieses Buches beendet, als mich eine Tante auf die Kommode hinweist. Sie steht seit Jahren in einem ungenutzten Zimmer im Haus im Puschlav. Ich durchsuche die Schubladen mit den Schriften, die Attilio stapelweise hinterlassen hat, und stosse auf ein Manuskript: Autobiografia d’infanzia. Neugierig hebe ich den hellbraunen Heftdeckel. Die dünnen gelblichen Blätter sind dicht mit Maschine beschrieben und von Hand korrigiert. Ich überfliege den Text. Es sind über dreissig Seiten Kindheitserinnerungen. Ich kann mein Glück kaum fassen! Ich setze mich auf einen Stuhl, beginne zu lesen und finde mich mit Attilio mitten in einer Schar Kindergartenkinder in Rom wieder. Sie sitzen verkehrt herum auf ihren kleinen Stühlen, alle hintereinander, und spielen Zug und Lokomotive.
Attilio erwähnt, wie abweisend der Palazzo Brancaccio im oberen Teil der Via Merulana auf sie gewirkt habe, wie geheimnisvoll dagegen der riesige Park auf dessen Rückseite. Doch die Aufschüttung aus Lehmerde entlang der Via Mecenate, direkt gegenüber demforno, habe den Zugang zu diesem grünen Reich verwehrt. Sie sei wie ein Wall gewesen mit einem flachen Schuppen obenauf. Monte hätten sie das Ganze gennant – Berg. Ihr soziales Leben habe sich strassabwärts abgespielt.
Attilio erzählt auch von der Piazza Vittorio Emanuele II, die damals noch an der Peripherie Roms lag und von ihnen einfach die Piazza genannt wurde. Sie war der Dreh- und Angelpunkt des neuen Wohnquartiers, das nach der Einigung Italiens erbaut worden war. Einwanderer aus den ländlichen Gebieten Italiens und Emigranten aus verschiedensten europäischen Ländern hatten hier eine neue Heimat gefunden, darunter auch eine ansehnliche Puschlaver Kolonie.
Rom,
Piazza Vittorio Emanuele II, Trofei di Mario, ca. 1890.
Diese Schrift ist ein Juwel! Gerührt und voller Freude nehme ich das Heft an mich, studiere und transkribiere es. Die Beschreibungen bestätigen vieles von dem, was ich in stundenlangen Nachforschungen bereits herausgefunden habe. Und viel mehr noch: Sie öffnen mir tatsächlich das Zeitfenster, das ich mir so gewünscht habe. Sie schenken mir einen konkreten Einblick in den bunten Alltag der Via Merulana, in ein Stück römisches Leben. So beschrieben, wie es nur einer kann, der es selbst erlebt hat. Und so füge ich meiner Geschichte zahlreiche neue Puzzleteile hinzu wie leuchtende Farbtupfer auf ein etwas blass geratenes Bild.