Читать книгу Privatdetektiv Tony Cantrell Sammelband #4 - Fünf Krimis in einem Band - A. F. Morland - Страница 43

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Silk landete im Krankenhaus.

Sein linker Arm war gebrochen. Elle und Speiche. Mit Halbheiten hatte sich Philby noch nie zufriedengegeben.

Weil die Blutergüsse an seinem Körper ziemlich böse aussahen und weil auch der Verdacht eines Beckenbruchs, jedenfalls aber einer Beckenprellung bestand, hatte man Silk gleich ein hübsches weißes Bett zugewiesen.

Es hatte Philby viel Mühe gekostet, dass man Tony Cantrell verständigte und herbestellte.

Die Ärzte hatten anfangs nichts davon wissen wollen, weil sie einhellig der Meinung waren, Silk solle sich jetzt schonen und auf keinen Fall aufregen.

Als sie aber dann sahen, dass sich Silk bereits deshalb schrecklich aufregte, willigten sie ein, Cantrell zu benachrichtigen.

Der Anwalt war zwanzig Minuten später bei dem bepflasterten und bandagierten Mitarbeiter.

Da auch Silks Brustkorb geprellt war, hatte er Schmerzen beim Atmen und auch beim Reden. Deshalb atmete er sehr flach und sprach sehr leise.

Cantrell hörte aufmerksam zu. Zuerst beschrieb Silk die vier Schläger so genau, als hätte er Fotos von ihnen gemacht. Und dann nannte er die Nummer des Cadillac, die er vom Boden aus gesehen und sich gemerkt hatte.

Cantrell konnte versprechen, dass er die vier Kerle und auch Charly Spock zur Rechenschaft ziehen würde.

Er wünschte Philby gute Besserung und versprach ihm, so bald wie möglich wieder nach ihm zu sehen.

Dann verließ er das Krankenhaus mit Siebenmeilenstiefeln.

Noch in derselben Stunde saß er bei Harry Rollins und berichtete ihm, was passiert war. Der Lieutenant ließ den Besitzer des schwarzen Cadillac ausfindig machen.

„Timothy Smith“, sagte Rollins. „Laflin Street 34.“

Cantrell war schon wieder unterwegs.

Nun gab es zwei Lädierte in seinem Team. Während der Fahrt telefonierte er mit seiner Frau. Carol erklärte ihre Bereitschaft, für Silk und Butch einzuspringen.

Der Anwalt lehnte sofort entschieden ab.

Carol sprach von Emanzipation und Gleichberechtigung.

Cantrell blieb bei seinem Standpunkt. Zwei Lädierte genügten vollauf. Er wollte nicht, dass in diesem Fall auch noch Carol zu Schaden kam.

Deshalb fuhr er allein zu Timothy Smith.

Carol wollte aufbegehren. Aber der Vorteil eines Telefons bestand darin, dass man einfach auflegen konnte, wenn man die Diskussion nicht mehr weiterführen wollte.

Das tat Cantrell. Er war sicher, dass das zu Hause noch ein Nachspiel haben würde, aber das war ihm egal. Irgendwann – vielleicht erst in zwei bis drei Jahren – würde Carol sicher einsehen, dass er nur zu ihrem Besten entschieden hatte.

Cantrell fuhr am Addams Park vorbei und erreichte die Laflin Street.

Nummer vierunddreißig war eine kleine Bretterbude. Sie war an manchen Stellen mit Blech geflickt, das nun allmählich durchrostete. Das Dach war flach und mit großen Steinen beschwert, damit Smith im Haus unbesorgt niesen konnte, ohne dass das Dach gleich davonflog.

Cantrell klopfte mit der Pistole an die scheppernde Tür.

„Ja?“, fragte eine hohle Stimme. Schritte stampften heran. Schwere Schritte. Dann wurde die Tür aufgemacht.

Cantrell sah sich einem Kerl gegenüber, der einen Brustkorb wie ein großes Fass hatte. Der Mann hatte schwarzes Haar, einen dunklen Teint, unstete Augen und ein kantiges Kinn. Seine Nasenflügel begannen zu beben, als ihm Cantrell die Pistole in den Bauch rammte und ihn zurück ins Haus drängte.

Smiths Augen weiteten sich.

Cantrell drängte den Schläger noch weiter zurück. In dem Raum, in den sie gelangten, befanden sich ein Bett, ein Schrank, ein Tisch und zwei Stühle.

„Hören Sie mal ...“, begehrte Timothy Smith auf.

„Setz dich!“, bellte Cantrell.

„Wer sind Sie?“, fragte Smith erschrocken, als er saß, ohne es zu wollen. Es hatte sich so ergeben.

„Ich bin mit Morton Philby befreundet“, sagte Cantrell.

„Wer ist Morton Philby?“

„Der Mann, den ihr krankenhausreif geschlagen habt. Das kann übrigens auch dir passieren, wenn du mich verschaukeln willst. Du hast ja keine Ahnung, wie scharf ich im Augenblick geladen bin.“

„Also wirklich ...“

„Wo ist Charly Spock?“

„Ich weiß es nicht.“

„Muss ich dir erst sämtliche Knochen im Leib brechen, damit du redest?“

„Bei ... einem ... Freund“, sagte Timothy Smith mit einem scheelen Blick auf Cantrells Waffe.

„Wie heißt der Freund?“

Smith zögerte. Er rutschte auf dem alten Stuhl hin und her. Der Stuhl ächzte unter seinem Gewicht.

„Nun?“

„Brett Stribling“, sagte Smith. „Wohnhaft?“

„Bosworth Street 75 A.“

Cantrell nickte.

„In Ordnung. Und jetzt zum nächsten Fragenkomplex. Wo ist Laurence Fulton?“

Smith sah Cantrell verzweifelt an. Die Pistole. Diese verdammte Pistole. Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte dieser verdammte Kerl etwas erleben können.

„Fulton ist kein kleiner Fisch“, sagte er, als ob er es schrecklich gut mit Cantrell meinen würde. „An dem verbrennen Sie sich die Finger. Lassen Sie lieber die Pfoten von ihm. Der ist heiß. Verdammt heiß.“

Cantrell war zu keinem Handel bereit.

„Wenn du mir seinen Schlupfwinkel verrätst, setze ich mich dafür ein, dass du mildernde Umstände kriegst.“

„Ich kenne seinen Schlupfwinkel nicht.“

„Gelogen.“

„Wirklich nicht.“

„Was weißt du über die Bombe?“

„Nichts.“

„Lüg nicht!“, knurrte Cantrell.

„So gut wie nichts“, schränkte Timothy Smith ein. „Denken Sie, Fulton weiht mich in alles ein?“

„Na schön. Wer hat Donald Remsberg umgelegt?“

„Weiß ich doch nicht.“

„Trotzdem ist er tot.“

„Da kann ich nichts dafür.“

„Aber Fulton kann etwas dafür. Denn alles ist auf seinem Mist gewachsen. Auch der Mord an Lenny Coburn – von dem du natürlich auch nichts weißt ...“

„Sehr richtig.“

„Die Bombe, die einen unschuldigen Musiker zerrissen hat. Die Briefe, mit denen Fulton hundertfünfzigtausend Dollar erpresst hat. Braucht er das Geld für einen bestimmten Zweck?“

Cantrell hatte die Frage gestellt, ohne zu ahnen, dass er damit den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

Timothy Smith sah ihn mit flatternden Augen an. „Sie würden mich nicht verraten?“

Cantrell nickte ernst. „Du hast mein Wort darauf. Wozu braucht Fulton das Geld?“

Smith rollte mit den Augen. Dann hatte er sich entschlossen zu reden.

„Er ist ins Waffengeschäft eingestiegen.“

Cantrell hob beeindruckt den Kopf. „Sieh mal einer an. Hat er Waffen gekauft?“

„Ja.“

„Wozu?“

„Um sie weiterzuverkaufen, nehme ich an. Mit Profit, versteht sich.“

„Versteht sich. Wo versteckt er die Waffen?“

„Er hat sie noch nicht“, sagte Smith.

„Wann kriegt er sie?“

„Heute Abend.“

„Wo?“

„Die Übergabe soll im Hafen stattfinden. Ein Schiff wird kommen ...“

„Und weiter?“

„Was ... weiter?“

„Wie heißt das Schiff?“

„Esmeralda.“

„Und Fultons Waffen sind an Bord?“

„Wenn ich richtig informiert bin, ja“, sagte Timothy Smith.

„Na, dann wollen wir hoffen, dass du richtig informiert bist. Denn wenn du mich belogen hast, sorge ich dafür, dass du im Gefängnis kalte Backen kriegst. Ich meine, vom langen Sitzen.“

Nach diesem äußerst aufschlussreichen Gespräch verließ der Anwalt mit Timothy Smith dessen Haus.

Smith führte sich mustergültig auf. Er versuchte kein einziges Mal zu türmen.

Cantrell lieferte den Gangster beim nächsten Polizeirevier ab. Er bat die Cops, Smith zu Harry Rollins zu bringen.

Dann fuhr er zum Hafen, um sich dort auf die Lauer zu legen.

Privatdetektiv Tony Cantrell Sammelband #4 - Fünf Krimis in einem Band

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