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|60| Albrecht, Gerd
Оглавление1935 am 19. Juli in Essen geboren als Sohn eines Musikwissenschaftlers und einer Pianistin, studiert er zunächst u. a. Musikwissenschaft an den Universitäten in Hamburg und Kiel. Früh macht er als Preisträger beim Dirigierwettbewerb in Besançon auf sich aufmerksam.
1963 wird er – nach ersten Anstellungen in Stuttgart und Mainz – Generalmusikdirektor in Lübeck.
1966–1972 arbeitet er in gleicher Position in Kassel.
1972 wird er Chefdirigent an der Deutschen Oper Berlin.
1975–1980 ist er Chefdirigent des Tonhalle Orchesters in Zürich.
1978 leitet er in München die Uraufführung von Aribert Reimanns Oper Lear.
1988–1997 wirkt er als Generalmusikdirektor an der Oper Hamburg (im Zusammenspiel mit dem Komponisten Peter Ruzicka, der als Intendant fungiert). Hier begründet er die Jugendmusikstiftung und das Klingende Museum, das Kinder mit Musikinstrumenten vertraut macht.
1993 übernimmt er als vom Orchester gewählter und erster nicht-tschechischer Chefdirigent die Tschechische Philharmonie in Prag, gibt aber angesichts anhaltender Intrigen und Kritik das Amt bereits im Jahr 1996 wieder auf. Im Jahr 2004 markiert eine gemeinsame Tournee die »Versöhnung« mit dem Orchester.
1996 dirigiert er die Uraufführung von Alexander Zemlinskys letzter Oper Der König Kandaules in Hamburg.
1998–2007 leitet er das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra, ebenso
2000–2004 das Danish National Symphony Orchestra (DNSO).
2014 stirbt er am 2. Februar in Berlin.
Gerd Albrecht hat als Dirigent alles richtig gemacht: Er hat sich früh und umfassend für Werke jenseits des traditionellen Repertoires eingesetzt, sodass die Wiederentdeckung von Franz Schreker und Alexander Zemlinsky an deutschen Opernhäusern ebenso wie die diskografische Präsenz wenig bekannter Werke von Hindemith und Dvořák eng mit seinem Namen verbunden bleibt. Er hat ebenfalls früh und umfassend die Notwendigkeit einer intensiven musikpädagogischen Arbeit erkannt und in verschiedensten Medien umgesetzt. Eine angemessene Würdigung Gerd Albrechts hingegen hat es nicht leicht, alles richtig zu machen: Aufgrund der oft eingeschränkten Klangqualität dürften Albrechts Pionierversionen gegen ihre zwar meist wenigen, aber doch vorhandenen neueren Konkurrenten oft einen eher schlechten Stand besitzen. Es besteht die Gefahr, solche äußeren Abnutzungen auf die Erinnerung an Albrecht als Dirigenten pauschal zu projizieren. Es besteht aber wohl auch das Problem, dass eine solche Einschätzung nicht in allen Fällen ganz falsch sein dürfte: Zemlinskys Ballett Triumph der Zeit belegt zwar beispielhaft, dass Albrecht die süß-schwelgerischen Klangbilder der von ihm so geschätzten spätromantischen Werke geradezu süffisant umzusetzen vermag. In Beethovens zweiter Leonore-Ouvertüre wirkt aber nicht nur das dynamische Spektrum der Aufnahme abgeflacht, auch die rhythmische Gestaltung lässt doch einiges an Eleganz und Energie vermissen. Albrechts beispiellose Beschäftigung mit Werken jenseits etablierter Traditionen gehorcht zugleich einer traditionalistisch durchsetzten Klangvorstellung: Als gerade darin dezidiert »deutscher« Dirigent interessieren ihn auch in Mendelssohns Violinkonzert eher die dunklen Farben als die spielerische Leichtigkeit. Daher scheint die Prognose kaum ganz verfehlt, dass viele Aufnahmen Gerd Albrechts bald derselben mühevollen Wiederentdeckung bedürfen werden wie die in diesen Aufnahmen dokumentierten, »zu Unrecht unterschätzten« Werke.
Tonträger
1978 Reimann: Lear (Fischer-Dieskau, Dernesch, Lorand, Varady, Boysen, Bayerische Staatsoper; DGG) 1985 Mendelssohn: Violinkonzerte e-Moll & d-Moll (Frank Peter Zimmermann, RSO Berlin; EMI) 1990 Schreker: Der ferne Klang (Moser, Schnaut, Nimsgern, RSO Berlin; Capriccio) 1991 Dvořák: Svatební košile [Die Geisterbraut] (Ághová, Protschka, Kusnjer, Prager Philharmonischer Chor, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg; Orfeo) 1992 Zemlinsky: Symphonische Gesänge / Triumph der Zeit [Drei Ballettstücke] / Der König Kandaules [Auszüge] (Franz Grundheber, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg; Capriccio) 2001/03 Brahms: Schicksalslied / Nänie / Triumphlied / Ave Maria (Bo Skovhus, DNSO & Choir; Chandos)
Schriften
Mein Opernbuch, Hamburg 1988 Musikinstrumente und wie man sie spielt, Zürich / Mainz 2003
Literatur
Herbert Glossner, Oper in Hamburg 1988–1997. Ein Rückblick auf die Amtszeit von Gerd Albrecht und Peter Ruzicka, Hamburg 1997
Webpräsenz
JCA