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Alsop, Marin

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1956 am 16. Oktober in New York geboren, absolviert sie ihr Studium mit Hauptfach Violine in Yale und an der Juilliard School. Anschließend spielt sie als Geigerin in verschiedenen Orchestern in New York.

1979 beginnt sie ihre Ausbildung als Dirigentin bei Carl Bamberger und setzt diese dann fort bei Harold Farberman, Leonard Bernstein, Gustav Meier und Seiji Ozawa.

1981 gründet sie die Formation String Fever, eine Swingband für Streicher, die bis heute besteht.

1989 ist sie Preisträgerin des Stokowski-Wettbewerbs und gewinnt im selben Jahr den Koussevitzky-Preis. Daraufhin erhält sie ihre ersten Anstellungen als Dirigentin beim Eugene Symphony Orchestra (Oregon) und beim Long Island Philharmonic Orchestra.

1990 begleitet sie Leonard Bernstein nach Sapporo (Japan), als dieser das Pacific Music Festival gründet.

1993 gibt sie ihr Europa-Debüt beim Schleswig-Holstein Musik Festival.

1993–2005 ist sie Chefdirigentin des Colorado Symphony Orchestra.

2002–2008 leitet sie das britische Bournemouth Symphony Orchestra und seit

2007 das Baltimore Symphony Orchestra, wo ihr Vertrag bis mindestens 2021 verlängert wurde.

2012 tritt sie die Stelle der Chefdirigentin des São Paulo Symphony Orchestra an (mit Vertrag bis 2019).

Marin Alsop stammt aus einer New Yorker Musikerfamilie: Ihre Mutter Ruth arbeitete als Cellistin, der Vater LaMar als Konzertmeister im NYC Ballet Orchestra. Sie erlernte ebenfalls Violine, entschied sich aber nach dem Besuch von Leonard Bernsteins Young People’s Concerts dafür, Dirigentin zu werden. Von ihm wurde sie unterrichtet und gefördert, sie bezeichnet ihn als ihren Mentor (und ihre Körperhaltung, Schlagtechnik und Konzertmoderationen lassen ihn durchaus auch als Vorbild erkennen).

Alsops Karriereweg scheint geradlinig und zeigt wie im Fall Simone Youngs, dass es zu Beginn des 21. Jahrhunderts vereinzelt |63| Dirigentinnen möglich ist, die Spitze renommierter Orchester zu erreichen. Im Gegensatz zu Young spricht sie öffentlich über ihre Erfahrung, bei vielen Orchestern als »erste Frau« aufzutreten. Sie ist sich ihrer Rolle als Vorbild bewusst und setzt diese auch aktiv ein, wie im Rahmen des Taki Concordia Conducting Fellowship für junge Dirigentinnen. Im Jahr 2013 dirigiert sie die Last Night of the Proms (erneut 2015), womit erstmalig eine Frau eines der prestigeträchtigsten Dirigate des internationalen Konzertbetriebs übernimmt. In der für dieses Event verpflichtenden, aber von ihr bewusst eher ernsthaft als launig gehaltenen Ansprache kommentierte sie dies mit den Worten: »I am exceedingly proud to be ›the first‹ but I am also a bit shocked there can still be firsts for women in 2013!«

Bei den Proms erlebte man Alsop in ihrem Element: als unkonventionelle, unbefangene und enthusiastische Vermittlerin klassischer Musik an ein breites Publikum. Sie legt sich stilistisch dabei nicht fest, bedient den Kanon spätromantischer Sinfonien (Brahms, Dvořák) und hat mit dem São Paulo Symphony Orchestra einen Zyklus der Sinfonien Sergej Prokofjews begonnen. Sie widmet sich aber ebenso intensiv amerikanischen Komponistinnen und Komponisten des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart (u. a. Libby Larsen, Mark O’Connor, Philip Glass und Michael Daugherty). Ihren diskografischen Durchbruch erzielte sie mit der Einspielung der gesamten Orchesterwerke Samuel Barbers für Naxos (bis heute ihr »Hauslabel«, das in der Repertoire- und Cover-Auswahl Alsops wachsende Reputation dokumentiert).

Bereits 1984 erfolgte in New York auf ihre Initiative die Gründung des Concordia Orchestra, das »Crossover« zwischen Neuer Musik, Jazz und Pop spielt. Für dieses Orchester gab sie eine Jazz-Gospel-Version von Händels Messias in Auftrag, die unter dem Titel Too Hot to Handel auch auf CD erschienen ist. Das stilistische »Crossover« setzt sie ähnlich wie Leonard Bernstein auch dazu ein, ihre Tätigkeit als Dirigentin eng mit der Nachwuchsförderung und Musikvermittlung zu verknüpfen. Als Leiterin des Baltimore Symphony Orchestra rief sie 2008 das Education-Programm OrchKids ins Leben, das in Kooperation mit Schulen Kindern und Jugendlichen Musikunterricht und über mehrere Jahre intensiven Kontakt mit dem Orchester ermöglicht. Die Gründung der OrchKids war nicht zuletzt eine Reaktion auf die tiefgreifenden sozialen Probleme der Stadt, die vor allem durch die HBO-Serie The Wire in den Blick geraten waren. Die Suite der Filmmusik Leonard Bernsteins zum Film On the Waterfront (1954) zeigt konzentriert Alsops Qualitäten als Interpretin: Im Mittelbereich angesiedelte Tempi und eher kontrollierte als exaltierte Phrasierungen vertreten eine sachbezogene musikalische Ästhetik. Das starke Pathos der letzten Steigerung allerdings wirkt hier einmal ganz organisch mit dem Vorangehenden verbunden, ähnlich verliert der Choreinsatz nach dem Solo des Knabensoprans in den Chichester Psalms alles Kitschige. In Marin Alsops Einspielungen bleibt so auch ein Repertoire bedeutsam, das ein eher traditionell optimistisches Amerika-Bild zeichnet.

Tonträger

2000–2002 Barber: Klavierkonzert / Die Natali / Medea’s Meditation and Dance of Vengeance etc. (Stephen Prutsman, RSNO; Naxos) 2002 Daugherty: Philadelphia Stories / UFO (Evelyn Glennie, Colorado SO; Naxos) 2003 Bernstein: On the Waterfront [Suite] / Chichester Psalms / On the Town [Three Dance Episodes] (Thomas Kelly, Bournemouth Symphony Chorus & SO; Naxos) 2006/07 Turnage: Twice Through the Heart / Hidden Love Song / Torn Fields (Sarah Connolly, Martin Robertson, Gerald Finley, London PO; LPO) 2007 Dvořák: Sinfonie Nr. 9 »Aus der Neuen Welt« / Sinfonische Variationen (Baltimore SO; Naxos) 2008 Bernstein: Mass (Sykes, Wulfman, Morgan State University Choir, Peabody Children’s Chorus, Baltimore SO; Naxos) 2008 Adams: Nixon in China (Orth, Kanyova, Hammons, Heller, Dahl, Opera Colorado Chorus, Colorado SO; Naxos) 2010 Glass: Violinkonzert Nr. 2 »The American Four Seasons« (Robert McDuffie, London PO; OMM) 2012 Prokofjew: Sinfonie Nr. 4 [Version 1947] / The Prodigal Son (São Paulo SO; Naxos)

Webpräsenz

www.marinalsop.com

http://takiconcordia.org/ [Conducting Fellowship]

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