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|61| Albrecht, Marc
Оглавление1964 in Hannover geboren. Auf ein Studium in seiner Heimatstadt folgen Tätigkeiten als Assistent an der Hamburger Staatsoper und bei Claudio Abbados Gustav Mahler Jugendorchester. Sein Vater ist der Dirigent George Alexander Albrecht (dieser wiederum ist ein Bruder des Politikers Ernst Albrecht), der für mehrere Jahrzehnte Leiter der Niedersächsischen Staatsoper gewesen ist.
1995–2001 ist er Generalmusikdirektor am Staatstheater Darmstadt.
2001–2004 arbeitet er als Erster Gastdirigent an der Deutschen Oper Berlin.
2003–2006 Dirigate von Der fliegende Holländer in Bayreuth.
2006–2011 hat er die Position des Chefdirigenten beim Orchestre Philharmonique de Strasbourg inne.
2011 tritt er die Leitung der Nederlandse Opera und des Netherlands Philharmonic Orchestra an.
Der musikalische Klang lässt sich nach Konsonanten sortieren: Im Fall von Marc Albrecht drängen sich Wagner’sche Wortgebilde wie »wallen« oder »wogen« zur Beschreibung der besonderen Qualität seiner Aufnahmen und Konzerte auf. Das analytisch präzise Dirigieren verwirklicht sich bei ihm eher mit gehöriger Attacke als mit vorsichtiger Askese. Korngolds späte Sinfonie in Fis beispielsweise prescht mit den ersten dissonanten Akkorden ungestüm vorwärts, als ob das Image des Hollywood-Filmkomponisten mit allen Mitteln zertrümmert werden soll. In Richard Strauss’ Elektra zeichnet das Orchester ebenso vom ersten Moment an jede noch so kleine bildliche Qualität des Textes nach. Ein »konsonantisch« zugespitzter Klang entfaltet das Hündische, Wühlende, Züngelnde, das im Libretto beständig aufgerufen wird, derart plastisch, dass selbst der »vokale« Moment des Orchesters, die Erkennungsszene mit ihren »Orest«-Rufen im Streicher-Legato, von brodelnd tiefen Klängen beinahe überlagert bleibt. Nicht zuletzt einzelne »Sorgenkinder« des CD-Markts profitieren von einer solchen wie Gischt aufgewühlten Klangoberfläche. In Mahlers Lied von der Erde überschattet der Nimbus legendärer Sänger die meisten Neuaufnahmen, sodass in Albrechts (mit mehr als akzeptablen Sängern besetzter) Version schon die Schärfe des digitalen Klangs überrascht: Zu Beginn des »Abschieds« dominiert nicht das metaphysische Todessymbol dumpfer Tamtam-Schläge, sondern das barock-obszöne des Kontrafagotts (und tatsächlich hat Mahler nur für dieses Instrument ein Sforzato notiert). Zugleich vermittelt die Aufnahme trotz aller Wachheit im Detail den Eindruck, dass die Musik gleichsam zauberisch verträumt vom anderen Seeufer herübergeweht wird (ein Grund, warum gerade in diesem Stück ältere Aufnahmen durch die schlechtere Klangtechnik ihre Aura entfalten). Man möchte diesem Dirigenten dringend eine Wunschliste zukommen lassen, was er als nächstes aufnehmen könnte.
Tonträger
2010 Korngold: Sinfonie in Fis / Much Ado About Nothing op. 11 [Suite] (OP de Strasbourg; Pentatone) 2011 Strauss: Elektra (Herlitzius, Schuster, Nylund, Grochowski, Netherlands PO; Challenge) 2012 Mahler: Das Lied von der Erde (Alice Coote, Burkhard Fritz, Netherlands PO; Pentatone)
Bildmedien
2011 Berg: Lulu (Petibon, Baumgartner, Volle, Grundheber, WPh; EuroArts)
JCA