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Antonini, Giovanni

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1965 am 13. Juli in Mailand geboren, besucht er dort die öffentliche Musikschule, bevor er ein Studium am Centre de la Musique Ancienne der Musikhochschule in Genf aufnimmt.

1985 gehört er als Flötist neben dem Lautenisten Luca Pianca und dem Geiger Enrico Onofri zu den Gründern des anfangs eher kammermusikalisch ausgerichteten Mailänder Ensembles Il Giardino Armonico.

1989 wird er offiziell dessen Leiter bzw. Dirigent bei Auftritten in größeren Formationen.

1991 debütiert Il Giardino Armonico mit vier Folgen »Concerti da camera« im Rahmen der zuvor vor allem von Nikolaus Harnoncourt bestimmten Serie »Das Alte Werk« des Labels Teldec und nimmt im folgenden Jahrzehnt überwiegend italienische Barockmusik des 16. bis 18. Jahrhunderts auf.

1999 beginnt mit einem Vivaldi-Album die dauerhaft fruchtbare Zusammenarbeit mit der Sängerin Cecilia Bartoli und deren Hauslabel Decca (später folgt u. a. eine Kastraten-Hommage unter dem Titel »Sacrificium«).

2005 erscheint die erste Folge einer chronologisch angelegten Gesamtaufnahme der Sinfonien Ludwig van Beethovens mit dem Kammerorchester Basel. Antonini wird in den folgenden Jahren regelmäßig von den Berliner Philharmonikern und weiteren europäischen Sinfonieorchestern als historisch orientierender Gastdirigent eingeladen und dirigiert auch Opernproduktionen (u. a. an der Mailänder Scala).

2012 debütiert er mit Händels Giulio Cesare bei den in diesem Jahr erstmals von Cecilia Bartoli künstlerisch geleiteten Salzburger Pfingstfestspielen und kehrt ein Jahr später für Bellinis Norma nach Salzburg zurück.

2013 übernimmt er die künstlerische Leitung des polnischen Musikfestivals Wratislavia Cantans.

Der zunehmende internationale Erfolg von Il Giardino Armonico während des CD-Booms der 1990er-Jahre hat maßgeblich dazu beigetragen, in der Alte-Musik-Szene, die zuvor für mehr als ein Jahrzehnt durch die eher |69| rhythmisch-motorische Ausrichtung britischer Musiker dominiert wurde, auch einmal eine Phase national authentischer »Italian Jobs« zu initiieren: Mit den in den Jahren ab 1960 geborenen Ensembleleitern – neben Giovanni Antonini (von Hause aus wie Frans Brüggen Flötist) die Cembalisten Rinaldo Alessandrini, Ottavio Dantone (zugleich auch Mitglied in Antoninis »harmonischem Gärtchen«) und Alessandro De Marchi – etablieren sich Spezialisten vor allem italienischer Barockmusik, die mit grelleren, mitunter sogar gezielt derben Orchesterfarben der Alte-Musik-Bewegung einen neuen, volkstümlicher anmutenden Anstrich verleihen. Wieder bildet – wie schon bei Harnoncourts Concentus Musicus oder bei The English Concert – eine Kammermusikformation den Ausgangspunkt für einen jeweils ensembleeigenen Stil der Phrasierung: Zu Antoninis mal spitzem, mal kantabel schluchzendem Flötenspiel treten vor allem Enrico Onofris virtuos-effektreiches Geigen- und Luca Piancas vollgriffig-pralles Lautenspiel; und zu den in ihrer Spielfreude bestechenden Sichtungen von tänzerischen Kammersonaten und Kammerkonzerten treten schließlich auch Bachs Brandenburgische Konzerte in »großer« Besetzung mit breiterem Streicher- und vor allem Bläser-Ripieno (die ungewohnte Spielweise vermittelt mitunter den Eindruck, als hätte ein Nachfahre der Fürsten aus Mantua bei Bach entspannte Ballettmusik à la Trabaci oder Zanetti bestellt). Hier vollzieht sich auch der Wandel Antoninis zu einem den Gesamtklang eigenwillig austarierenden »Dirigenten«, der sogar in Beethovens Sinfonien einen luziden, die Klangphantasie jedes einzelnen Bläsersolisten einfordernden und herausstellenden Kammermusikgestus anstrebt: Während der Anteil der Streicher am Klangbild in vibratoreduzierter Sehnigkeit stark zurücktritt (bis hin zu in der Eroica fast verstörender Magersucht), dominieren die Bläser als ausdrucksstarke und anpassungsfähige »Banda« die in Szene gesetzten Trauermärsche, Dorffeste und militanten Kämpfe (in der Fünften haben sich die Streicher dann doch hörbar erholt). Die von Beginn der italienischen Welle in der Aufführungspraxis an nachzulesenden Vorbehalte der deutschen Musikkritik und deren Vorwürfe der Effekthascherei sind da ebenso zu verstehen wie der seit Antoninis lebendigen und originellen Vivaldi-Aufnahmen bis heute ungebrochene Erfolg beim breiten Publikum.

Tonträger

1993 Vivaldi: Le quattro stagioni op. 8 Nr. 1–4 / Concerti op. 8 Nr. 8–9 RV 454 & 332 (Enrico Onofri, Paolo Grazzi, Il Giardino Armonico; Teldec / Warner) 1996/97 Bach: Brandenburgische Konzerte Nr. 1–6 (Il Giardino Armonico; Teldec) 1999 Vivaldi: »The Vivaldi Album« [Opern-Auszüge] (Cecilia Bartoli, Il Giardino Armonico; Decca) 2008/09 Beethoven: Sinfonien Nr. 5 & 6 »Pastorale« (KO Basel; Sony) 2010 Vivaldi: Ottone in villa (Prina, Invernizzi, Cangemi, Lezhneva, Il Giardino Armonico; Naïve) 2011/13 Bellini: Norma (Bartoli, Jo, Osborn, Pertusi, Orchestra La Scintilla; Decca)

Bildmedien

1999 »Viva Vivaldi! Arias and Concertos« (Cecilia Bartoli, Il Giardino Armonico; Arthaus / EMI) 2008 Cimarosa: Il matrimonio segreto (Forte, Pinti, Caputo, Rinaldi, Opéra Royal de Wallonie; Dynamic)

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