Читать книгу Die Welt der Hebräischen Bibel - Группа авторов - Страница 27
12. Aussicht
ОглавлениеWilliam Dever hat darauf hingewiesen, dass die Fragestellungen rund um Bibel und Archäologie, obwohl in den Medien und beim weiteren Publikum immer gut für verstärkte Aufmerksamkeit, in der praktischen Arbeit in Israel und Jordanien heute eine viel kleinere Rolle spielen. Er schätzt, dass mindestens 75 Prozent der archäologischen Arbeit und Publikationen nichts mit der biblischen Überlieferung zu tun haben.46 Anthropologische Ansätze sind Gemeingut geworden. Ethnische Fragestellungen können unbefangener angegangen werden als in früheren Jahrzehnten. Siedlungsarchäologische Untersuchungen sind frei von dem Zwang, eine bestimmte historische Rekonstruktion beweisen zu müssen. Neue Aufmerksamkeit für eine tribale Gesellschaft ist imstande, Kontinuität und Änderung in einer soziologischen Schichtung präziser zu beschreiben. Spezialisierte Datenbanken können Auskunft geben über Vergleichsmöglichkeiten in einem viel größeren Rahmen als vorher. Das alles trägt dazu bei, diese spezifische Landbrücke, ihre Struktur, ihr Hinterland, ihre Bewohner, ihre Kultur und ihre Religionsgeschichte viel genauer zu beschreiben, als es früher möglich war.
Es war dringend notwendig, dass die archäologischen Fragestellungen und die biblische Überlieferung erst einmal voneinander getrennt wurden. Wo jetzt methodische Selbstständigkeit auf beiden Seiten ausgereift ist, geht es aber auch um die Notwendigkeit, beide miteinander ins Gespräch zu bringen. Das setzt auf exegetischer Seite voraus, dass die behutsame Suche nach geschichtlichen Hintergründen offen bleibt für Ergänzung aus der ganzen Palette der archäologischen Feldforschung, aber auch, dass dieser geschichtliche Hintergrund nicht aus dem Fragenkatalog exegetischen Bemühens verschwindet. Auf archäologischer Seite setzt ein solcher Dialog voraus, dass nicht vorschnell nach einer historischen Umsetzung der archäologischen Daten mit fachfremden Argumenten gegriffen wird.