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Freitag, 11. September 2015 Kapitel 9

Selbst Erleuchtete sind vor Verblendung nicht gefeit

Die Sache lief seit kurzem nicht mehr so geschmiert, wie sich Xenia dies vorgestellt hatte. Sozusagen von einem Tag zum andern hatte die Begeisterung von Salomon S. Salomon für Xenia, seiner Zofe, abgenommen. Im Grunde war dieser Wechsel ähnlich schnell vollzogen worden, wie beim Gentleman einst der Enthusiasmus ausgebrochen war. Für Xenia war es ernüchternd. Denn sie war diszipliniert, verhielt sich zielbewusst, lebte zum Beispiel auf Diät, um ihr Gewicht zu reduzieren. Dies hatte ihr die Lady des Beautysalons sehr ans Herz gelegt. Und Xenia lernte intensiv Englisch. Weil heute jeder Mensch von Welt diese Sprache beherrschen müsse. Xenia lernte mit einem PC umzugehen, einerseits weil Salomon ihr ein ausgemustertes, aber voll funktionstüchtiges Gerät geschenkt hatte, andererseits weil ihre Kinder darauf gedrängt hatten, am meisten die Tochter Dana. Das Gerät würde der Schlüssel zu mehr Kommunikation zwischen Mutter und Tochter werden. Zugleich aber auch ein Schlüssel für Xenia den eigenen Horizont zu weiten.

Salomon S. Salomon hatte an diesem Tag Damenbesuch. Der Chef hatte eine dunkelhäutige Schönheit mit nachhause gebracht, die sehr jung schien. Xenia bekam von Salomon den Auftrag sie beide zu bekochen. Xenia kochte grundsätzlich ausgesprochen gern und gut, doch nicht in diesem Fall! Xenia wäre absolut dazu aufgelegt gewesen, diese junge Frau mit den üppigen Rundungen zu vergiften. Sofort und auf der Stelle. Sie konnte sich dies realistisch vorstellen, war jedoch unmittelbar nicht im Stande ihre Vision in die Tat umzusetzen. Für den Moment musste die Untat warten.

Nach dem Essen führte Salomon S. Salomon die Dame durch den Garten, tat so als wäre er der grosse Fachmann in Grün, weil er offensichtlich realisiert hatte, dass sein weiblicher Gast sich für die Natur interessierte. In Wirklichkeit verstand Salomon weniger als einen Dreck von Botanik. Er hatte sich nie um den Garten gekümmert, die Pflege schon immer zu fünf Prozent seiner Gattin Salomé und zu fünfundneunzig Prozent professionellen Gärtnern überlassen.

Später zog sich das Paar in die Gemächer der oberen Etage des Hauses zurück.

Xenia war sehr erpicht herauszufinden, um wen es sich bei dieser Dame handelte. Ihr war sehr bewusst, dass man einen Feind, oder eben in diesem Fall eine Feindin nur schlagen konnte, wenn man sie kennt. Xenia wagte einen Telefonanruf an Hans Huber, einem alten Freund Salomons. Huber und Salomon waren oft zusammen. Xenia war sicher, dass Hans gegenüber Salomon nicht plappern würde. Wenn Huber jeweils in Xenias Nähe war, flirtete er mit ihr und sie machte dabei auch mit, denn sie mochte den smarten Kerl gut leiden. Dabei schätzte sie an diesem Mann, dass er zwar ein Charmeur war, aber nie zudringlich wurde.

Xenia sprach nicht lange um den heissen Brei herum, sondern fragte direkt: „Salomon lässt sich mit einer jungen Dame blicken. Hans, hast du eine Ahnung, wer das ist und wie er an sie geraten ist? Könnte es Salomon ernst mit ihr meinen?“

Hans Huber lachte so wie Mensch höhnisch lachen, wenn Spott mitschwingt. „Wie du weisst, liebste Xenia, hatte Salomon kürzlich Geburtstag. Wir, seine Freunde, trafen uns wie jeden Montagnachmittag im Club mit dem Ziel nett zu feiern. Wie stets waren wir Herren unter uns, also nicht in Begleitung unserer Frauen. Unser Club ist eine reine Männergesellschaft, dir ist dies bekannt! Höhepunkt jener Zelebration war eine riesige Torte, aus der zur Feier des Tages ein nacktes Mädchen hüpfte. Sie ist eine Schönheitstänzerin aus einem Nachtclub der Stadt, die wir engagiert hatten für diesen Spass. Salomon verliebte sich auf der Stelle in das schöne Kind, das altersmässig seine Enkelin sein könnte. Kitty, wie sie sich nennt, findet nichts Negatives im gegebenen Altersunterschied. Im Gegenteil, sie sagt unverblümt auf reife Herren zu stehen. Wenn du mich frägst, Xenia, dieser Kitty dürfte vor allem gefallen, dass Salomon kein Habenichts ist und alles andere als eine knausrige Hand hat. Er scheint ihr alle Wünsche von den Lippen abzulesen! Seien wir ehrlich: Salomon ist Witwer und es steht ihm zu, eine neue Partnerin zu suchen! – Oder sollen wir es Spielgefährtin nennen?»

Vor allem der letzte Satz behagte Xenia nicht. Es schien definitiv so zu sein, als würde die Möglichkeit bestehen, dass ihr die Felle davon zu schwimmen drohten. Denn es brauchte keinen Hellseher, um die Gefahr zu erkennen: Wenn Kitty die ständige Begleiterin von Salomon würde, oder er diese Dame vielleicht gar heiraten sollte, würde der Zusatzverdienst, an den sich Xenia so gewöhnt hatte, für immer verloren sein. Und ihr gutes Leben lief Gefahr sich dabei in Luft aufzulösen.

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Die Zofe des Herrn Salomon

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