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ОглавлениеMontag, 10. März 2014 Kapitel 2
Geschäft ist Geschäft und Geschäft bleibt Geschäft
Die Firma Salomon & Salomon Swiss Medical Devices AG (kurz S&S SMD) existierte seit über 25 Jahren, wurde einst vom Ehepaar Dipl. Ing. ETH Salomon S. Salomon und seiner Gattin Dr. med. Salomé Salomon, geborene Salathé, gegründet. Die Chirurgin Salomé lieferte die Ideen, wie medizinische Werkzeuge und Geräte zu verbessern oder neu zu konzeptionieren wären, ihr Gatte setzte diese Ideen in die Praxis um. Das Resultat dieser Verbindung war eine schnell prosperierende Firma. Anfänglich liess Salomon S. Salomon die Bestandteile für seine Geräte und Vorrichtungen extern nach seinen Zeichnungen fertigen. Doch schon nach kurzer Zeit wurde eine eigene Produktionsstätte eingerichtet, wodurch das Unternehmen unabhängiger und auch leistungsfähiger wurde. Die Firma beschäftigte aktuell gegen 300 Mitarbeiter. In den letzten Jahren hatte sich die S&S SMD AG vornehmlich zum Spezialisten von technisch komplexen automatischen Analysegeräten und -Systemen entwickelt. Die Nachfrage nach solchen Systemen bei medizinischen Labors insbesondere von Spitälern war weltweit gross und noch stetig zunehmen. Der Bedarf an Installationen zur Bestimmung von Virenarten oder DNA-Analysen war unbestritten, nicht nur im medizinischen Bereich, sondern zum Beispiel auch in der Kriminalistik.
Wie immer verliess Salomon S. Salomon sein Haus auch diesen Morgen um Punkt Siebenuhrdreissig mit seinem Auto Marke Cadillac. Seit Salomons USA-Aufenthalt vor Jahrzehnten liebte er amerikanische Autos. Nie war in dieser Zeit ein anderes Auto in seinem Besitz, kein europäisches, kein asiatisches. Wie immer trug er einen massgeschneiderten schwarzen Anzug, dieses Mal nicht mit einer roten oder blauen Krawatte wie sonst bevorzugt, sondern mit einer schwarzen.
Noch am Sonntag hatte er allen Mitarbeitern eine Nachricht per E-Mail zukommen lassen, um über das tragische Ereignis am Vortag zu informieren. Die Belegschaft war somit vorbereitet. Dennoch war Salomon unruhig. Nie je in seinem bisherigen Leben war er mit einer auch nur annähernd ähnlichen Situation konfrontiert gewesen.
Salomon befahl seiner Sekretärin alle Mitarbeiter in leitender Stellung zu einer Sitzung um 9 Uhr zu zitieren. Um 11 Uhr wünschte Salomon seinen Anwalt zu sprechen.
Die Kadersitzung verlief kaum anders als üblich, mit einem Unterschied: Die Herren und Damen sprachen ihrem Chef einerseits ihr Beileid aus, andererseits versprachen sie ihm ihre bedingungslose Solidarität. Dr. med. Thomas Sauter, der bisherige Stellvertreter von Salomé, wurde zum Direktor befördert. Salomon befahl, dass Sauter per sofort jenes Büro zu übernehmen habe, das bislang von Salomé besetzt war. Damit wollte der Chef verhindern, dass sich eine Lücke in der Führungsetage auftat. Kontinuität war ihm wichtig und er wollte diese auch entsprechend nach aussen darstellen.
Bei der Sitzung mit seinem Anwalt ging es um zwei Themen:
A) Abklärung der künftigen Besitzverhältnisse nach dem Ausscheiden von Salomé, insbesondere auch in Bezug der Erbansprüche der Kinder. Man müsse insbesondere zwischen dem Privatvermögen und der Firma unterscheiden, wurde angeführt.
B) Wie konnte man Malaysia Airlines belangen, zum Beispiel mit einer Schadenersatzklage?
In beiden Fällen empfahl der Anwalt seinem Klienten Salomon Geduld und Ruhe zu bewahren. Das Thema Erben würde erst auf den Tisch kommen, wenn eine Bescheinigung von Salomés Tod vorliegen werde. Zuerst müsse man aber das Flugzeug finden, wenn möglich auch die Leichen identifizieren. Nur auf der Basis einer amtlichen Todesoder Verschollenheits-Erklärung würde es möglich sein, einen Erbgang initiieren zu können. Der Anwalt war der Ansicht, dass ein solcher Vorgang Jahre in Anspruch nehmen könne.
Salomon war über diese Antwort seines Anwalts beruhigt. Eine Schadenersatzklage gegen die Airline würde er – der Anwalt – zu gegebener Zeit anstreben. Es sei schon klar, hier gehe es um Zig-Millionen, bemerkte der Jurist. An einer Sammelklage würden sie sich ohnehin nicht beteiligen, betonte der Anwalt. Der Klagewert für Madame Salomé würde wohl viel höher ausfallen als für die meisten der anderen zu Tode gekommenen Passagiere. Man müsse in diesem Fall wohl etwas egoistisch sein und die Ellbogen ausfahren. Salomon nickte. Der Anwalt befand sich mit seiner Lagebeurteilung exakt auf der Linie seines Klienten.
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