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ОглавлениеMittwoch, 18. November 2015 Kapitel 14
Kompromisslosigkeit ist das Gegenteil von Pudding
Die kurzfristig einberufene Generalversammlung der Salomon & Salomon Swiss Medical Devices AG, in Kurzform S&S SMD AG, begann mit einem Knalleffekt. Der Treuhänder wollte sein Mandat fristlos niederlegen. Er argumentierte, ohne das ausdrückliche Einverständnis des Chefs Salomon S. Salomon die Verantwortung für so weitreichende Veränderungen nicht mittragen zu können. Anscheinend hatte der Mann Respekt vor einer möglichen oder noch eher zu erwartenden Reaktion, nämlich Salomons Zorn mit allen Konsequenzen. Aber dann war es Cintia mit viel Überredungskunst gelungen, den Widerstand des Juristen zu brechen. Man sei in einer Zwangssituation, die ungewöhnliche und schnelle Entscheidungen dringend notwendig mache. Wie man wisse, sei die Firma aktuell weitgehend führungslos. Dies müsse sich schnellstens ändern. Selbst Dr. Thomas Sauter, der Direktor, deckte diese Sichtweise. Und aus ihm sprach die Praxis des Alltags, welche hart fordernd war. Überdies winkte Cintia mit einer Erhöhung des Treuhänderhonorars, einem Ansporn, der die Wirkung nicht verfehlte.
Der Treuhänder stellte eine gemeinsame Aktienmehrheit der beiden Töchter des Firmengründers fest. Ihnen stand unter diesen Umständen gemäss Firmenstatuten das Bestimmungsrecht legal zu.
Sarah und ihr Gatte konnten sich umständehalber kurzfristig nicht für eine Funktion in der S&S SMD AG zur Verfügung stellen, denn die Familie hatte 3 Kleinkinder und die Frau sah der Geburt des vierten Kindes entgegen. Sarahs Ehemann Toni war Regierungsrat, ein Mitglied der kantonalen Exekutive, in dieser Anstellung einst vom Volk gewählt und somit gebunden. In den Statuten wurde neu vermerkt, dass es Sarah und ihrem Gatten freistehe, sich gegebenenfalls später einmal aktiv in der Firma zu engagieren.
Aufgrund dieser Situation übernahm Cintia vorläufig allein als Direktorin und Verwaltungsratspräsidentin das Ruder der Firma. Sie hatte ihren Geschlechtsnamen Salomon trotz Heirat beibehalten. Für Cintias Gatte Ralph kam eine Funktion in der Firma nicht in Frage. Er war Pilot bei der Swiss, er liebte seinen Beruf. Der Mann war angefressen von allem, was mit Fliegen zu tun hatte. In seiner Freizeit schraubte er an Oldtimer-Flugzeugen herum, die er nach einer Restaurierung auch gerne selbst pilotierte.
Der Lunch im Anschluss an die Versammlung fiel dieses Mal der Terminnot zum Opfer, was der Treuhänder schmerzlich empfand. Der Jurist hatte den Eindruck, dass das Leben in dieser Zeit hart und immer noch härter werde. Er meinte, dass dies niemand abstreiten könne.
Zwei Stunden später wurden die Kaderangestellten der Firma Salomon & Salomon Swiss Medical Devices AG zu einer Sitzung zusammengerufen. Direktor Thomas Sauter stellte Cintia Salomon als Vertreterin der Aktienmehrheit und neue operative Chefin vor. Beiläufig wurde erwähnt, dass Salomon S. Salomon Opfer eines Anschlags in Paris wurde und verletzt sei, wahrscheinlich für eine längere Zeit ausfallen werde.
Diese Neuigkeit haute keinen und keine der Belegschaft unmittelbar aus den Socken. Denn der Chef hatte in den letzten Wochen mehrheitlich durch Abwesenheit geglänzt, was von der Belegschaft negativ vermerkt worden war.
Einer flüsterte zum Kollegen daneben: «Was hatte Salomon in Paris zu suchen?»
Gegenseitiges Lächeln und Achselzucken. Man hatte sich in der jüngsten Vergangenheit so einiges über Salomon erzählt, was sein persönliches Ansehen nicht eben mehrte.
Cintia nützte ihr rhetorisches Talent und hielt eine flammende Ansprache, rief alle Mitarbeiter zur Solidarität auf. Ihr Thema war: Es kommt auf jeden einzelnen an, damit wir uns als Firma weiterentwickeln können. Gemeinsam sind wir stark! Ihre Worte, die Argumente, die sie vorbrachte, überzeugten die Angestellten. Sie heimste warmen Applaus ein. Die Mitarbeiter waren offensichtlich mehrheitlich der Meinung, dass es mit der Neuen wieder aufwärts gehen könnte in der Firma. Und dieser Ruck vorwärts war auch notwendig, dessen waren sich die Leute der S&S SMD einig.
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