Читать книгу Abhandlungen über die Psalmen, Band 1 - Hilarius von Poitiers - Страница 67
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ОглавлениеDeßhalb folgt auf gebührende Weise dieses: „Dann redet er zu ihnen in seinem Zorne und verwirrt sie in seinem Grimme.“ Denn nach dem bei der Auferstehung des Sohnes Gottes, welchen in Folge der Gestalt des Leibes, den er angenommen hatte, der Tod traf, die Thorheit der Gottlosigkeit verlacht worden ist, redet Gott zu denen, welcher er gespottet hat, und verwirrt sie in seinem Grimme. Und ehe wir zeigen, was dieses für eine Zornrede, und was dieses für eine Verwirrung im Grimme sey, müssen wir die Leser und Zuhörer darauf aufmerksam machen, daß sie nicht etwa glauben, bei Gott fänden abwechselnde Leidenschaften und verwirrende Gemüthsbewegungen Statt. Denn jene ewige und vollkommene Natur ist keiner Veränderung fähig; und der, welcher so ist, daß er, wie er ist, so auch immer ist, so daß nie der Fall eintritt, daß er nicht ebenderselbe wäre, kann nicht etwas anders werden, als was er immer ist. Nur irdische und unvollkommene Dinge sind von der Art, daß sie sich umgestalten durch Veränderung der Natur, indem Trauer die Freude, Zorn die Sanftmuth, Erbitterung das Wohlwollen, Neid die Gleichmüthigkeit, und Kümmemiß die Ruhe stört, und wir hiedurch einmal etwas anders sind, als wir gewesen sind, weil eine sich einschleichende Regung einer andern Begierde den gegenwärtigen Gemüthszustand in Folge unserer Unbeständigkeit und Schwachheit beunruhiget, und uns eine plötzliche Veränderung aus dem, was wir gewesen, zu dem, was wir sind, umwandelt. Gott aber, der Selige und Vollkommene, bedarf keines Zuwachses, weil ihm nichts mangelt; der wird durch Veränderung nicht neu, welcher ohne Ursprung ist. Er ist es, welcher das, was er ist, nicht anderswoher ist; er ist in sich selbst, er ist mit sich, er ist bei sich, er ist sich selbst sein, und er ist sich selbst alles, ohne alle neue Veränderung; indem er nichts anders, was bei ihm eintreten könnte, dadurch, daß er, selbst sich ein Ganzes, ganz ist, übrig gelassen hat.