Читать книгу Abhandlungen über die Psalmen, Band 1 - Hilarius von Poitiers - Страница 71
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ОглавлениеEs wird also die für diejenigen, welchen der Freiheit des Willens zu Folge die Bosheit mehr gefiel, bestimmte Strafe für den Zorn Gottes gehalten, nicht als wenn jene unveränderliche und ruhige Natur Gottes durch die Regung einer stürmischen Leidenschaft aufwallte, sondern weil der, welcher der Strafbestimmung zu Folge gestraft wird, es fühlt, daß der Urheber dieser Bestimmung über ihn zürne. Denn die Strafe des Leidenden hält man für den Zorn dessen, welcher sie verhängt. Und auf diese Weise zürnet Gott, da durch den Schmerz der Strafe die Gestraften den durch die Verhängung derselben kund gegebenen Zorn in sich fühlen, welcher nicht durch Stimmung der Natur von der Sanftmuth zum Zorne erregt worden ist, sondern in Folge der Bestimmung der Strafe denen, welche gestraft werden sollten, als Zorn erscheint. Daß aber diese Bestimmung der Strafe Zorn genannt werde und sey, gibt Johannes in dem Evangelium zu erkennen, indem er spricht:61 „Ihr Natterngezüchte! Wer hat euch gezeigt, wie ihr dem bevorstehenden Zorne entfliehen könnet?“ Denn obwohl es ihnen gebührt hätte, wegen ihrer Gottlosigkeit mit der bestimmten Strafe belegt zu werden, entgingen sie doch diesem bevorstehenden Zorne durch ein reumüthiges Bekenntniß. Auch der Apostel erwähnt dieses Zornes auf folgende Weise, indem er spricht:62 „Denn ist zur Zeit, da wir noch Sünder waren, Christus für uns gestorben, so werden wir um so viel mehr jetzt, da wir durch sein Blut gerecht gemacht sind, durch ihn von dem Zorne errettet werden;“ unter dem Zorne versteht er nämlich die bevorstehende bestimmte Strafe.