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Die Worte aber, welche beigefügt sind: „Und zu deinem Eigenthume die Grenzen der Erde“, darf man nicht so verstehen, daß der wiederholte Ausdruck nur eines und dasselbe bedeute, als wäre ihm bloß das Eigenthum der die Erden bewohnenden Heiden geschenkt worden. Denn er sagt nicht: „Und zu deinem Eigenthume“ bis an die Grenzen der Erde, sondern „die Grenzen der Erde.“ Von dem aber, was begrenzt wird, ist das, was begrenzt, verschieden. Und es ist nicht einerlei, begrenzt seyn, und begrenzen; noch ist es Eines, sich begrenzen lassen, und begrenzen; denn das Eine erhält innerhalb ein Maß, das Andere hingegen beschränkt es gleichsam durch seine Umfassung und seine Schranken ausserhalb. Denn nicht so ist die Erde in die Tiefe versenkt, oder in die Breite ausgedehnt, oder in die Höhe erhoben, daß sie nicht von allen Seiten durch den Umfang einer sie umgebenden oder unter ihr liegenden Natur eingeschlossen wäre. Denn der versenkte und endlose Abgrund der unterirdischen Oede trägt sie; das Wehen der rings ausgegossenen und oben verbreiteten Luft bedeckt und umgibt sie. Daß sie aber über einem unter ihr liegenden Abgrunde schwebe, bezeugt der Prophet, indem er spricht:89 Er hat „sie auf Meere gegründet, und über Strömen sie bereitet.“ Und wiederum:90 „Der die Erde befestiget hat über den Gewässern.“ Und diesen unermeßlichen und endlosen Raum pflegt die Schrift Abgrund zu nennen, indem es, da Ionas im Seefische betete, heißt:91 „Vieler Abgrund hat mich umgeben.“ Und diese unermeßliche Endlosigkeit, welche nach der wörtlichen Bedeutung, wie man sieht, durch den Abgrund bezeichnet wird, ist durch die geistige Macht der göttlichen Wesenheit umgeben, nach jenem Ausspruche des Apostels:92 „Denn in ihm, und durch ihn sind alle Dinge; ihm sey Ehre in Ewigkeit.“ Daß es aber mehrere Bewohner dieses unterirdischen Reiches und weiten Abgrundes gebe, erfahren wir durch die geheime Offenbarung des heiligen Johannes; da keiner, weder im Himmel noch ober der Erde, noch unter der Erde würdig befunden wurde, das versiegelte Buch zu öffnen. Man sieht allerdings, daß er nicht von Todten und in die Erde Begrabenen rede, da bei der Erwähnung einer dritten Bewohnerschaft nicht die, welche innerhalb der Erde, sondern die, welche unter der Erde sind; nicht die, welche gestorben sind, sondern die, welche leben, keinen unter sich hatten, der im Stande war, das Buch zu entsiegeln. Da also dem Herrn der Besitz der Grenzen der Erde geschenkt wird, so wird ihm nicht so fast die Erde, als das, wovon die Erde begrenzt ist, gegeben. Denn er erhielt die Grenzen der Erde, von welchen die Erde selbst umgeben ist.

Abhandlungen über die Psalmen, Band 1

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