Читать книгу Abhandlungen über die Psalmen, Band 1 - Hilarius von Poitiers - Страница 96
42.
ОглавлениеUnd weil der Prophet dieses Gut kannte, ermahnte er hierauf und sprach: „Und nun, ihr Könige, erkennet; lasset euch unterweisen, die ihr Richter seyd auf Erden. Dienet dem Herrn in Furcht, und frohlocket ihm mit Zittern! Erfasset die Lehre, daß nicht etwa zürne der Herr, und ihr zum Untergange gehet, hinweg von dem rechten Wege, wenn plötzlich sein Zorn aufstammt; selig sind alle, welche auf ihn vertrauen.“ Dieser Gang der Lehre ist sehr geeignet, um uns die erkannte Seligkeit dessen, wozu sie uns ermahnt, zu verschaffen; denn es ist schwer, den Geist und die Hoffnung auf unbekannte Dinge zu richten. Indem uns also der Prophet zur Erkenntniß dessen, was er oben angeführt hatte, ermahnen wollte, brachte er zuvor die Herrlichkeit der Erkenntniß selbst in Erinnerung mit den Worten: „Und nun, ihr Könige, erkennet!“ indem er nämlich erklärte, daß diejenigen, welche erkennen würden, Könige seyen. Aber man muß untersuchen, welche Könige er zur Erkenntniß dieser prophetischen Ermahnung ermahne, damit nicht etwa Jemand glaube, es seyen die gemeint, deren Herrschaft sich jetzt auf menschliche Leiber, auf Kriegsdienste und auf die Furcht der Völker erstreckt. Diese aber sind nicht die ewigen und seligen Könige bei Gott, weil sie selbst schon die Gebote Gottes übertreten, und dem Teufel zum Reiche bestimmt sind, wie es dieser, als er den Herrn versuchte, selbst sagte, denn es heißt:102 „Nun führte ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg, zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblicke, und sprach zu ihm: Dir will ich diese Macht geben, und ihre Herrlichkeit, weil sie mir verliehen sind.“ Die Evangelien aber stellen uns andere Könige dar, nämlich solche, denen sich das Reich Gottes genahet hat, und solche, die die in ihnen herrschende Sünde besiegt haben, die ihres eigenen Leibes Könige sind, und ihrer Herrschaft alle Lockungen der Sünden unterwerfen; denn dieses ist in uns das Reich Gottes. So herrschet wider Christus in uns,103 wenn wir durch ihn mit Herrschergewalt über uns herrschen, nach dem Ausspruche:104 „Das Reich Gottes kommt nicht mit der Erregung des Aufsehens. Man wird auch nicht sagen: Sieh, hier ist es! oder sieh, dort ist es! Denn sieh! das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Dieses Reich erwähnt der heil. Apostel in seinem Schreiben an die Korinther:105 „Ihr herrschet schon ohne uns; ja wollte Gott, daß ihr herrschen möchtet, damit auch wir mit euch herrschten.“ Dieses also ist das Reich Gottes, wo die Sünde überwunden, wo der Tod vernichtet wird, wo nicht der Feind herrscht.106 Denn der Tod hat geherrscht von Adam bis auf Moses. Und der Apostel sagt:107 „Es herrsche die Sünde nicht mehr in euch.“ Wenn nun durch dieses Reich Gottes das Reich der Sünde aufgelöset ist, und wir nach dem Sturze des Gegenreiches bereits selbst Könige sind, werden wir dieses Reich Gottes erhalten, indem alle Stacheln unserer Sünden abgestumpft, und der Flecken unserer körperlichen Schwachheit vertilgt seyn wird.