Читать книгу Roses of Love: Band 1 bis 4 der romantischen Young Adult Serie im Sammelband! - Ilka Hauck - Страница 31
26 SUMMER
ОглавлениеIch winke den Mädchen aus meiner Musikgruppe und mache mich auf den Weg zu meinem Wohnheim. Ich bin gleichzeitig erleichtert und geschockt, denn heute hat die Polizei den Vergewaltiger verhaftet. Wir sind alle froh, dass der Albtraum vorbei ist, aber erschrocken, dass der Angreifer sich als ein Mitstudent entpuppt hat. Irgendwie ist die Vorstellung gruselig, dass der Typ hier auf dem College Student war, dass er hier Freunde hatte, Kurse belegte. Gewohnt hat. Ich weiß nicht, ob Jessica die Neuigkeit mitbekommen hat, möchte ihr unbedingt davon erzählen, damit sie Bescheid weiß und sich wieder sicherer fühlen kann. Für uns Mädchen waren die letzten Wochen hier wirklich nicht toll, das Gefühl der unsichtbaren Bedrohung war immer dabei. Ich versuche, meine Freundin auf dem Handy zu erreichen, doch nur die Mailbox springt an. Ob sie schon schläft? So spät ist es doch noch nicht.
Danny hat offenbar von der Verhaftung gehört, sonst würde er sicher hier auf mich warten. Ich muss lächeln. Es war so süß von ihm, meinen Bodyguard zu spielen.
Als ich beim Wohnheim ankomme, gehe ich zuerst in mein Zimmer, lege den Rucksack ab und ziehe meine Jacke aus. Dann breite ich meine Unterlagen auf dem Schreibtisch aus. Ich muss noch eine dringende Hausarbeit erledigen, für die ich verdammt spät dran bin. Ich betrachte grübelnd den Wust von Papieren vor mir auf dem Tisch. Irgendetwas fehlt. Ich sehe alles durch, dann fällt es mir auf. Ich habe vergessen, mir von meinem Professor ein wichtiges Dokument aushändigen zu lassen. An dem Tag, an dem er es ausgegeben hat, war ich nicht in der Vorlesung, weil ich in der Nacht einen Albtraum hatte und kaum aus den Augen schauen konnte. Mist. Und jetzt sitze ich hier und mir fehlt dieses Papier, ohne das ich die Arbeit nicht erledigen kann. Ich greife nach dem Handy und versuche es erneut bei Jess. Sie muss diese Kopie haben, vielleicht hat sie ihre Arbeit bereits fertig und kann mir die Unterlagen leihen. Wieder die Mailbox. Wo steckt sie nur? Ich überlege kurz, dann beschließe ich, zu ihr hochzugehen und nachzusehen. Bei der Gelegenheit kann ich ihr auch erzählen, dass der Typ gefasst wurde, der die Mädchen überfallen hat. Wenn sie schon schläft oder nicht da ist, habe ich Pech. Ich sprinte die Treppe hoch, betrete das Stockwerk und überlege. Liegt Jessicas Zimmer auf der linken oder der rechten Seite? Ich war erst ein Mal hier und dank meines hervorragenden Orientierungssinnes kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich gehe langsam weiter und sehe mich um. Als ein merkwürdiges Geräusch zu mir durchdringt, bleibe ich irritiert stehen. Was war das? Kein Mensch ist auf dem Flur zu sehen, nur dieses eigenartige Geräusch ist erneut zu hören. Ich sehe mich um und bemerke eine Tür, die einen Spalt weit offen steht. Vorsichtig trete ich einen Schritt näher. Dann wird mir klar, was ich da gerade mitbekomme, und ich wende mich verlegen ab. Meine Güte, da hatten es zwei aber eilig. Ich will gerade hastig weitergehen, als ich eine Stimme höre. Mitten in der Bewegung halte ich erschrocken inne. Ob ich will oder nicht, ich muss wie gebannt auf diese Stimme lauschen, denn ich kenne sie. Obwohl ich mich so dagegen gewehrt habe, hat sich dieser Tonfall tief in mein Herz gebrannt. Samtig. Sexy.
Gott, nein! Nein, nein, nein! Nicht er. Ich schnappe nach Luft. Ohne nachzudenken drehe ich mich um, und drücke die Tür ein Stück auf. Ich spähe vorsichtig um die Ecke und mir schießt das Blut in die Wangen. Verdammter Scheißkerl! Ich merke, wie sich meine Hände zu Fäusten ballen. Und obwohl ich es nicht will, starre ich mit hämmerndem Herzen auf das Bild, das sich mir da bietet. Auf Danny und das Mädchen, das offensichtlich dieses Zimmer bewohnt. Ich kenne sie nicht, ist auch nicht nötig. Dafür höre ich sie. Beide. Und sehe sie. Danny liegt auf ihr, in mehr als eindeutiger Position. Sein Adoniskörper schimmert im fahlen Mondlicht, seine Haare sind verwuschelt. Ich fühle, wie mein Hals trocken wird. Das schwarzhaarige Mädchen windet sich unter ihm, krallt sich in seine Schultern. Stößt immer wieder kleine, spitze Schreie aus, während er sie nimmt. Gott, ich muss hier raus, bevor ich auch anfange zu schreien. Oder zu kotzen. Oder beides. Stattdessen bleibe ich wie angewurzelt stehen und starre wie gebannt auf Danny. Seine Bewegungen sind geschmeidig, voller Anmut. Mein Herz hämmert und ich möchte ihn schlagen. Ihn wegzerren von ihr. Dabei weiß ich genau, dass er machen kann, was er will. Dass es mich nichts angeht, weil wir kein Paar sind. Aber Gott, ich dachte …
Ich starre ihn an und es tut weh. Es tut so weh, dass mir übel wird. Ich blinzele, schlucke, versuche, meine zitternden Beine zu beherrschen. Ich atme tief durch, dann endlich schaffe ich es, mich umzudrehen und davonzulaufen. Wie von Teufeln gehetzt renne ich die Treppen hinunter. Knalle meine Zimmertür hinter mir zu und bleibe schwer atmend stehen.
Heiße Tränen schießen mir in die Augen.
„Arschloch.“
Ich drehe mich einmal um mich selbst, dann greife ich mir das nächstbeste Buch, schmeiße es quer durchs Zimmer, sodass es an die Wand knallt.
„Moreno, du dämliches Arschloch.“
Ich wische mir wütend über die Augen. So weit kommt es noch, dass ich wegen dem Wichser heulen werde. Der kann mir so was von den Buckel runterrutschen. Wenn ich jemals drauf und dran war, mich von ihm einwickeln zu lassen, dann ist das jetzt vorbei. Sein blödes Gelaber kann er sich in Zukunft sparen. Der soll mich bloß in Ruhe lassen und sich seinen Betthäschen widmen. Davon hat er ja schließlich mehr als genug. Mir ist das doch scheißegal.
Ich versuche, mir das alles einzureden, doch es klappt nicht. Die Tränen fließen ungehindert weiter und ich lasse mich aufs Bett fallen. Es fühlt sich so falsch an. Als ob er mich betrogen hätte. Dabei hat er das genau genommen gar nicht. Oder doch? Verdammt, Danny, warum? Du hast doch gesagt, du lässt mir die Zeit, die ich brauche. Konntest du echt nicht so lange warten, sondern musstest die nächstbeste Tussi vögeln?
Unruhig erhebe ich mich, trete ans Fenster und starre hinaus in die Dunkelheit. Sehe mein Spiegelbild in der Scheibe. Mein Gesicht sieht unglücklich, enttäuscht und unendlich traurig aus. Meine Augen schwimmen in Tränen und ich höre förmlich die Stimme in meinem Kopf, die flüstert: Habe ich dir nicht gleich gesagt, dass es genau so kommen wird? Was hast du erwartet? Dass dieser Typ sich ernsthaft für dich interessiert? Dich gernhat? Sich vielleicht sogar in dich verliebt? Hast du wirklich geglaubt, ihm vertrauen zu können? Tja, Kleine, du kannst niemandem vertrauen, das hast du doch in jahrelanger schmerzlicher Erfahrung gelernt. Und doch bist du so dumm und glaubst an ein Märchen mit Happy End. Selbst schuld.
Ich hebe die Hand und schlage gegen die Scheibe.
Tränen laufen über meine Wangen, und ich sehe Danny vor mir, wie er dieses Mädchen nimmt. Höre sein Stöhnen. Es vermischt sich mit dem Lächeln auf seinem Gesicht, wenn er mich ansieht. Es tut höllisch weh.
War alles nur eine Lüge? Alles, was er mir gesagt hat? Was wir zusammen erlebt haben? Dieses Wochenende mit ihm, es war so schön, dass ich wirklich dachte, wir könnten eine Chance haben. Ich bin so eine blöde, naive Kuh.
Ich lasse mich wieder aufs Bett fallen, ziehe mir die Decke über den Kopf und versuche, diese Bilder loszuwerden, die sich in meinen Kopf und mein Herz gebrannt haben. Irgendwann bin ich so erschöpft vom Weinen, dass ich einschlafe. Das Letzte, was ich vor mir sehe, sind dunkle Schokoladenaugen, die mich mit einem spöttischen Funkeln ansehen.