Читать книгу Negomi - Iracema Engel - Страница 10

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Ein Jahr später

Nelli kramte in ihrer Tasche, »Ich finde ihn nicht!«

Sophie lachte: »Komm, das gibt’s ja nicht!«

»Doch! Er ist nicht da!«, Nelli leerte den Inhalt ihrer Tasche auf den Gehsteig: Bücher, Notizblock, Kalender, Handy, Socken, Schminkbeutel, Sonnencreme, Badeanzug purzelten übereinander. Sie durchwühlte den Haufen, blickte auf und schüttelte den Kopf, »Scheißeee! Was mach ich jetzt?«

»Du kannst bei mir schlafen.«

»Nein, das geht nicht! Morgen kommt meine Vermieterin, sich die Wohnung anschauen, ob alles passt für den Umzug und die Renovierung.«

»Nein, Nelli, komm! Was ist das jetzt? Wir wollten fortgehen!«

»Ja, aber das geht jetzt nicht. Ich brauche den Schlüssel!«

»Wo könnte er sein? Kannst du ihn verloren haben?«, fragte ich.

Nelli stöhnte, »Ich weiß nicht! Ich glaube nicht! Er ist wahrscheinlich noch in der Garderobe auf der Burg. Ja, da muss er sein!«

»Na super, Nelli! Wie willst du jetzt noch auf die Burg kommen?«, Sophie fasste sich an die Stirn.

»Ich rufe den Andi an!«, Nelli fischte ihr Handy aus dem Haufen.

»Den Andi?!«

»Ich mach das jetzt!«, sie hielt sich das Handy ans Ohr, »Hallo, Andi, da ist die Nelli, du, ich hab ein Problem…«

»Nelli! Nelli! Du bist echt so eine Schlampe! Und mit dir soll ich zusammenziehen – mit euch! Du bist hoffentlich vernünftiger, Negomi. Ja, bist du sicher!«, sie kniff mich in die Wange.

»Der Andi kommt und holt mich ab!«, Nelli küsste ihr Handy, »Ihr könnt ja schon losziehen, ich komm dann nach.«

»Bist du blöd?! Wir kommen mit! Sechs Augen sehen mehr!«, bestimmte Sophie.

»Okay!«, Nelli sammelte ihre Sachen auf, wir halfen ihr, alles wieder in ihre Tasche zu stopfen.

Andis Wagen fuhr vor, ein alter VW, der rote Lack war stark ausgebleicht. Sophie sprang auf den Beifahrersitz. Nelli und ich setzten uns auf die Rückbank.

Andi grinste: »Na Nelli, da hast du dir was eingebrockt!«

»Jaa!«, Nelli zog die Mundwinkel zur Seite.

»Also, auf geht’s!«, Andi trat aufs Gaspedal. Der Wagen brummte los. Es drückte mich nach hinten. Nelli und ich saßen auf Wolldecken, die nach Hund rochen. Nelli tastete hinter sich nach dem Gurt und wollte ihn einklinken, aber die Wolldecken waren zwischen Sitzfläche und Rückenlehne gestopft und verdeckten die Schnapper für die Gurte. Nelli zog an der Decke, doch sie steckte fest, ich packte auch zu, aber wir schafften es nicht, sie zu lösen. Nelli ließ den Gurt los und sah mich missmutig an.

»Geht’s für euch da hinten?«, Andi schaute in den Rückspiegel.

»Ja, ja, es geht schon!«, log Nelli, »Ist super von dir, dass du uns fährst!«

»Weil du’s bist, Nelli!«

»Du fährst aber schön vorsichtig, gelt!«, tönte Sophie.

»Ja, sicher, ich habe ja wertvolle Fracht!«

»Das kannst du wohl sagen!«

»Dafür laden wir dich nachher auf ein Bier ein«, sagte Nelli.

»Ich trinke keinen Alkohol. Bin seit fünf Jahren trocken.«

»Na, dann auf einen Saft!«, Sophie klopfte ihm auf die Schulter.

»Ich soll mit euch fortgehen nachher?«, fragte Andi erstaunt.

»Ja, sicher!«

Wir fuhren auf die Autobahn.

»Mach die Klappe da auf, da ist was Gutes drin«, sagte Andi zu Sophie. Nelli und ich sahen einander fragend an. Sie lehnte sich nach vorne und schaute gespannt. Ich hörte, wie Sophie die Klappe öffnete, nahm den Schein einer orangen Lampe wahr und hörte Blech quietschen. Nelli packte mich am Arm und deutete mit dem Kopf zu Sophie. Die hielt eine Blechdose in ihren Händen, holte ein langes, dünnes Etwas heraus und kicherte, »Also Alkohol nicht, aber Gras schon!«

»Man tauscht eine Sucht nur gegen eine andere!«

»Ich zünd’s an!«

»Bist du blöd!? Jetzt im Auto!? Was, wenn uns die Polizei aufhält?«

»Geh Nelli!«

Ich sah eine kleine Flamme, Rauch stieg auf, ein stechender Geruch nahm mir den Atem. Nelli rückte dicht an mich heran und hielt uns beiden ihren Schal vor Mund und Nase. Andi kurbelte sein Fenster herunter, Sophie tat es ihm gleich. Der Fahrtwind brauste um meine Ohren, ich hörte Sophie und Andi lachen, ich sah, wie sie ihm den Joint reichte. – Jetzt und hier sterben, auf Hundedecken in einem alten Volkswagen, umwölkt von Marihuana! – Wir fuhren von der Autobahn ab und bogen ein in die kurvigen Straßen Richtung Burg. Ich betete, dass das Auto bald anhielt und ich endlich wieder festen Boden unter den Füßen spürte. Die Autoreifen rollten über Schotter. Ich sah die Burg schwarz in den sternenklaren Himmel ragen. Das Auto bremste, wir standen. Nelli stieß die Tür auf und riss mich mit nach draußen. Frische, kühle Luft strömte in meine Lungen. Wir liefen den Weg hinauf zu den Garderoben. Nelli fummelte an dem Eisenschloss herum, die Containertür sprang auf. Im Schein der Taschenlampen unserer Handys tasteten wir uns vorwärts, vorbei an den Spiegeln, zwischen den Kleiderständern hindurch, über die am staubigen Boden verteilten Requisiten, nach hinten zu Nellis Platz. Nelli bückte sich, ich hörte es rascheln, ich hörte sie murmeln, sie kreischte: »Da ist er! Er ist da, er ist da, er ist da!« Sie sprang auf und nieder, der Schein ihrer Taschenlampe zuckte an der Wand hin und her. Sophie stimmte in das Kreischen ein. Die beiden fassten mich an den Händen, wir sprangen im Kreis und lachten. Sophie lief hinaus auf die Bühne und blieb in der Mitte stehen. Ich sah ihre schwarze Silhouette im Mondlicht, sie breitete die Arme aus und tönte: »Habe ich, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin durchaus studiert mit heißem Bemühen…«, sie verstummte, stand regungslos und ließ ihren Oberkörper nach vorne fallen ins Dunkel der Zuschauertribüne.

Wir stiegen wieder zu Andi ins Auto.

»Alles klar bei euch?«

»Wir haben was zu feiern!«, schrillte Sophie.

Andi gab Gas – die kurvigen Straßen zurück zur Autobahn.

»Wie viele Sommer arbeitest du schon hier?«, fragte ich.

»Das ist der fünfte.«

»Wirst du so gut bezahlt?«, fragte Sophie.

»Nein, überhaupt nicht! Aber ich muss das machen, sonst komm ich nicht über die Runden. – Das ist ein verlogenes Pack hier!«

»Was? Wieso?«

»Mamas Liebling zahlt an sich selbst doppelte und dreifache Gagen – er hat ja so viel zu tun! Und wir Bühnenarbeiter kriegen von Jahr zu Jahr weniger. Bis zum Schluss wissen wir oft nicht, ob wir überhaupt korrekt ausgezahlt werden.«

»Du schmierst mich an!«

»Nein, gar nicht! Die sind mir noch vom letzten Jahr was schuldig.«

»Und da arbeitest du noch für sie?«

»Ja, du weißt ja, wie es ist: die machen einen auf Gut-Freund und vertrösten dich. Und wie gesagt, ich hab nur das im Sommer, und das wissen die. Die entschuldigen sich immer damit, dass sie ja so wenig einnehmen. Aber ich kann zuschauen, wie der Herr Arian einmal mit dem Mercedes Cabrio und einmal mit dem BMW-Geländewagen angefahren kommt, und heuer hat er sich einen neuen Mini gekauft. Woher kommt denn das Geld bitte? Aber ich lasse mir das diesmal nicht mehr gefallen. Ich gebe ihnen nur Zeit, bis das Sommertheater vorbei ist, wenn sie dann nicht zahlen, zeige ich sie an.«

Mir stand der Mund offen. Ich suchte Nellis Blick. Sie zog die Brauen hoch und hob die Arme.

»Wo soll’s denn hingehen?«, fragte Andi, als wir in die Stadt einfuhren.

»In den Hammer!«, befahl Sophie.

»Da ist doch nie was los!«

»Nelli, Schätzchen, das ist ja nur zum Vorglühen. Ich muss erst auf meine Höhe kommen!«

»Okaay!«

Auf dem Schild über dem Eingang leuchtete uns »amme« entgegen.

»Dann schauen wir mal, ob die Amme uns an ihrem fetten Busen saufen lässt!«

»Sophie! Bitte!«, zeterte Nelli.

Sophie ging in die Knie und bewegte ihre Arme wie ein Rapper: »Das ist Hammer, Nelli, Hammer!«

Nelli verdrehte die Augen und lachte. Sophie schürzte die Lippen, sah Nelli fest an, machte eine geschmeidige Drehung und ging mit schwingenden Schritten auf den Eingang zu. Wir folgten ihr.

Von außen erinnerte mich das Lokal an die versiffte Kleintierhandlung aus einem Horrorfilm, in dem die Tiere nachts aus ihren Käfigen ausbrechen und auf Menschenjagd gehen. Die schmale Front des Lokals war verglast, die Scheiben waren angelaufen, rote und grüne Lichtblitze vermischten sich mit dem Kondenswasser. Wir tauchten ein in den rotgrünen Nebel. Der Bass brummte unter meinen Füßen, schwere Gitarrenmusik kreiste im Raum. Wir gingen an die Bar. Sophie schrie dem Barmann was ins Ohr. Der nickte und stellte uns kurz darauf drei große Gläser mit brauner Flüssigkeit auf die Theke. Meine Frage »Was ist das?« wurde von der Musik übertönt. Sophie hob das Glas, riss den Mund auf, ich versuchte zu hören, von ihren Lippen las ich »Auf ex!«, wir stießen an. Ich schluckte: Cola-Rum brannte mir auf der Zunge, ich schluckte, ich schluckte, es stach in meinem Magen, ich schloss die Augen, ich schluckte, ich schluckte, ich schluckte: das Glas war leer. Schwarze Silhouetten zuckten im Takt der Lichtblitze. Ich hielt mich an der Theke fest. Sophie lief kreischend auf die Tanzfläche. Nelli sprang ihr hinterher. Andis tiefes, kehliges Lachen dröhnte in meinen Ohren, er zwinkerte mir zu. Ich wollte fliehen, taumelte in die Menge, wurde aufgeschluckt, hochgerissen, davongetragen von dem dumpfen Vibrieren des rotgrünen Musiknebels. Alles drehte sich. Mein Kopf schlug wie das Pendel in einer schweren Glocke hin und her.

»Komm, Negomi, wir gehen woanders hin!«, Sophie riss mich am Ärmel. Ich stolperte hinter ihr her. Wieder ins Auto und ab durch die Stadt. Vor meinen Augen flimmerte es, Sophies lautes Lachen jagte durch meinen Kopf, ein greller Pfeifton bohrte sich in mein Trommelfell, ich presste meine Hände auf die Ohren, eine kalte Faust schlug in meinen Magen, ich stieß die Autotür auf, Andi bremste scharf, »Bist du wahnsinnig!?«, ich stolperte auf die Straße, riss den Mund auf, würgte und kotzte. Sophie schlug mir auf die Schulter, ich schwankte, ihr Lachen waberte kreischend und brennend in der Luft, ich fiel nach hinten und schlug hart auf: Dunkelheit.

Sophies große, schwarz umrandete Augen tauchten verschwommen vor mir auf. Ihr roter Mund feixte. Sie steckte mir einen Joint zwischen die Lippen. Ich atmete ein und spürte beißenden Geschmack auf der Zunge. Ich hustete und spuckte den Joint aus. Andi lachte, Sophie krähte. Nelli beugte sich zu mir herunter, »Kannst du aufstehen?«, sie zog mich hoch.

Zwei Türsteher vor dem »Video« musterten uns. Sophie betörte sie mit ihrem Augenaufschlag. Wir stiegen eine steile Treppe nach unten in ein Kellergewölbe. Gelbe, grüne, rote, blaue Lichtblitze zuckten im Nebel, alles war Musik, auf der Tanzfläche drängten sich die Menschen.

»Da vorne ist der Arian!«, Sophie deutete mit dem Kopf zum Rand der Tanzfläche und verzog das Gesicht: da stand Mamas Liebling, mittelgroß, braungebrannt, breit gebaut, sehr muskulös, seine kurzen, dunklen Haare aufgegelt.

»Das da ist, glaub ich, sein Freund!«, schrie Nelli: neben Arian stand ein Typ gleicher Größe, ebenso braungebrannt, muskulös und mit Gelfrisur. Die beiden tranken aus Flaschen und unterhielten sich.

»Scheiße, wir müssen Hallo sagen, irgendwann sieht er uns sowieso!«, Sophie packte mich an der Hand und schob unsanft die Leute beiseite, um uns einen Weg zu Arian und seinem Begleiter zu bahnen. Als Arian uns erblickte, lächelte er aufgesetzt, begrüßte uns mit »Hi, Mädels!« und schmatzenden Küsschen. »Das ist David!«, Arian strich seinem Begleiter über die Wange. Dieser grinste, sagte »Hi!« und gab uns ebenfalls schmatzende Begrüßungsküsschen – dabei legte er mir seine Hand auf den Po.

»Geht’s euch gut?«, schrie Arian, »Wollt ihr was trinken? Ich lade euch ein!«, er verschwand kurz zur Bar und kam mit drei Flaschen Eristoff Ice zurück. Wir stießen an.

»Ich bin froh, dass wir uns endlich an einem anderen Ort sehen, bei den Proben ist immer so viel Stress, da bin ich auch manchmal schwer zu ertragen.«

Ich hob die Schultern, Nelli schüttelte den Kopf, Sophie winkte ab.

»Mit wem seid ihr hier?«, fragte Arian.

»Mit dem Andi!«, antwortete Nelli.

»Wo ist er?«

Wir schauten uns um: Andi saß hinten an der Bar. Arian lächelte und winkte ihm zu. Andi hob die Hand.

»Der ist nicht gut auf dich zu sprechen, weißt du das eh?«, schrie Sophie.

»Ja, der Andi ist ein bisschen ein Muffel, aber an sich ist er ein guter Kerl. Ich werd mit ihm reden.«

Nelli sah mich groß an, ich musste schmunzeln.

Wir tranken aus und gingen auf die Tanzfläche. Es war heiß. Mir klebte die Wäsche an der Haut. Die bunten Lichter zuckten, drehten sich, schnitten Strahlen in den Nebel. David war dicht hinter mir. Er legte seinen Arm um meine Hüften, seine Hand auf meinen Venushügel, drückte meinen Hintern an sein Geschlecht, ließ seine Hüften kreisen und nahm mich in der Bewegung mit. Seine weichen, vollen Lippen berührten meinen Nacken. Ich legte den Kopf zurück, er leckte über meinen Hals, fuhr mit der Hand über meine Kehle, mein Dekolleté, er streichelte meine Brüste, meinen Bauch, schob seine Hand zwischen meine Beine und drückte gegen meine Klitoris. Ich spürte, wie ich feucht wurde. Ich drehte mich zu ihm, unsere Münder öffneten sich, seine große, feste Zunge umschlang meine. Wir küssten uns lange. Irgendwann nahm David mein Gesicht in seine Hände. Ich sah berauscht in seine dunklen Augen. Er drückte seine Lippen an mein Ohr: »Ich gehe auf die Toilette. Komm nach!« Er biss sanft in mein Ohrläppchen, ließ von mir ab, ging einen Schritt zurück, zwinkerte mir zu und verschwand zwischen den Tanzenden. Jemand packte mich am Arm und drehte mich herum. »Negomi! Du bist ja total daneben! Das ist Arians Lover!!«, kreischte Sophie mir ins Ohr. Ich wollte sie nicht hören und drehte mich weg. Wieder wurde ich am Arm herumgerissen. Diesmal stand Nelli vor mir. »Negomi! Du gehst ihm jetzt nicht nach! Sei froh, dass der Arian nichts gesehen hat! Lass es dabei, bitte!«

»Lasst mich in Ruhe, ihr Spaßverderber! Seid wohl neidisch!«, ich wollte mich losreißen, aber Nelli und Sophie zerrten mich von der Tanzfläche und drängten mich zu einem Barhocker.

»Setz dich!«, befahl Sophie.

»Seid ihr jetzt meine Aufpasser!?«

»Negomi, bitte, mach keinen Blödsinn! Wenn du jetzt echt zu ihm gehst-«, Sophie schnitt Nelli das Wort ab: »Ja, wir sind deine Aufpasser, verdammt! Was glaubst du, was der Arian mit dir macht, wenn er das mitkriegt – und mit uns! Wir haften da mit, das weißt du schon!«

Ich schnaubte.

»Negomi, was ist! Es gibt genug andere zum Ficken, muss ja nicht ausgerechnet der Typ sein!«, schrie Sophie.

Ich wand mich, »Okay, okay! Ich lass es!«, ich setzte mich auf den Barhocker. Nelli griff sich an die Brust, Sophie fasste sich an den Kopf, dann lachte sie: »Du bist vielleicht eine geile Sau, Negomi! So würde man dich gar nicht einschätzen! Aber bitte das nächste Mal nicht mit dem Lover vom Kronprinzen, Schatzi!«

Ich musste lachen, Nelli grinste, Sophie schnitt eine Grimasse und schrie: »Darauf trinken wir!«, zum Barkeeper: »Drei Tequila!«, wir stießen an, »Auf ex!«, Schluck, Brennen: Ah!

»Kommt, wir ziehen weiter!«, schlug Sophie vor.

»Und wohin gehen wir?«, fragte Nelli.

»Na ins Rabenstein! Da ist heute Seventies-Abend!«

Wir bahnten uns einen Weg durch das Gedränge in Richtung Ausgang. Am Ende der Bar schlüpften wir aus dem dichten Menschenknäuel. Gerade als wir auf die Treppe zugingen, öffnete sich uns gegenüber die Tür zum Männerklo, und David stand vor uns. Nelli und Sophie erstarrten. Bevor jemand etwas sagen konnte, erschien Arian oben auf der Treppe, »Hey, Mädels! Geht ihr schon?«, er setzte einen halbtraurigen Dackelblick auf.

»Ja, es steigt noch woanders eine Party«, grinste Sophie.

»Okay, wir sind hier noch mit Freunden verabredet. Also, euch viel Spaß, treibt es nicht zu bunt, und bis Montag!«, Arian näherte sich uns zum Abschiedsküsschen, dann ging er zu David, der vor der Toilettentür stehengeblieben war.

»Tschau!«, sagte Sophie in Davids Richtung.

David lächelte und hob die Hand.

»Na komm, Mausebär, verabschiede dich doch richtig von meinen Mitspielerinnen!«, Arian warf sich in die Brust.

David zuckte mit den Schultern, lächelte und kam auf uns zu. Er küsste erst Nelli, dann Sophie, stellte sich vor mich hin, zwinkerte mich an, drückte seine Lippen an meine Wange – ich roch seinen Schweiß und sein After-Shave – und ging zurück zu seinem Lover. Von der Treppe aus winkten wir ihnen noch mal und stiegen hinaus zum Ausgang.

Draußen brüllte Sophie: »Wah! Fuck! Ich scheiß mich an! Negomi, mach das nie wieder!«, sie lachte und schlug mir auf die Schulter. Ich grinste sie an.

»Leute mir ist-«, Nelli kotzte auf die Straße.

»Geh bitte, Nelli! Was ist los mit dir!? Zuerst Negomi, jetzt du. Ihr seid vielleicht zwei Schlappschwänze!«

Ich reichte Nelli ein Taschentuch, sie brach zusammen und landete mit dem Hintern voll auf der Bordsteinkante, »Auaaa!«

Ich packte sie am Arm, »Kannst du aufstehen?«

Nelli stöhnte, »Ich glaub, ich hab mir was gebrochen!«

»Ach, Quatsch!«, Sophie schlug ihr auf den Hintern.

»Auaaa!«, Nelli knallte ihr eine.

Sophie brach in schallendes Lachen aus, »Ich bring dich nach Hause, du Heulsuse.«

»Danke«, Nelli legte ihren Arm um Sophies Schulter und humpelte neben ihr her.

»Wegen dir krieg ich heute keinen Fick ab! Dafür zahlst du morgen beim Pop-Fest eine Runde.«

»Ich geh in die andere Richtung!«, sagte ich.

»Okay, Süße, tschau!«, die beiden knutschten mich ab und wankten um die nächste Straßenecke.

Negomi

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