Читать книгу Negomi - Iracema Engel - Страница 22
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Auf dem Couchtisch stand das Frühstücksgeschirr, der Brotkorb war geleert, über den Tellern und auf der Tischdecke lagen Brösel verstreut, die Eier standen aufgebrochen und ausgelöffelt in den Bechern, auf ihren breiten Rändern lagen Schalensplitter und die eingedellten und angeknacksten Eierkappen, an den Messern klebte Butter und Marmelade, in den Tassen ein dünner Film Milchkaffee, an den Eierlöffeln Dotter, der Aschenbecher war voll mit Zigarettenstummeln. Regen klatschte gegen die Fensterscheiben, das graue Licht von draußen mischte sich mit dem warmen Gelb der alten Schirmlampe neben dem Sofa. Meine Beine lagen auf Felix’ Schoß. Er strich mit der Hand über meinen Venushügel, rieb meinen Kitzler, leckte ihn, lutschte und knabberte an ihm. Ich stöhnte, spreizte die Beine und wand mich in den Sofakissen. Es brauste in meiner Vagina, sie wurde heiß und schwoll, die Hitze strömte in meinen ganzen Körper, ich konnte nicht mehr klar denken, war besoffen vor Lust, lachte und schrie und krallte meine Finger in den Sofaüberzug. Ich beugte mich zu Felix und zog ihm die Hose runter, sein Penis sprang hoch, ich berührte ihn mit der Zungenspitze, steckte ihn in den Mund, lutschte und saugte an ihm. Felix stöhnte, lehnte sich zurück und streichelte mein Haar. Ich zog ihn rüber auf die Matratze. Er steckte zwei Finger in meine Muschi, fuhr rein und raus, sie war dick und weich und feucht. »Fick’ mich!« Er schaute auf, grinste und schob sich über mich, berührte mit der Spitze seines Penis‘ meine Schamlippen, glitt rein und raus, bewegte seine Hüften sanft gegen mein Becken, blieb mit dem Penis vorne an den Schamlippen und kitzelte sie. Ich lachte und schrie. Er drang wieder in mich ein. Seine Stöße trieben Kribbeln und Brennen von meiner Vagina in alle meine Glieder, bis in mein Gesicht: meine Wangen und Lippen knisterten und sprühten. »Beine hoch!« Ich legte meine Knie über seine Schultern, er kam ganz tief in mich: jeder Stoß hatte doppelte Kraft: ich glaubte zu bersten! Seine Bernsteinaugen verwandelten sich in Katzenaugen, die mich wild anfunkelten, sein Penis wurde noch spitzer und härter, er stöhnte und schrie, stieß heftiger und schneller, ich schrie in sein Schreien hinein, er riss die Augen auf, schrie laut und lang und ergoss sich mit starken Zuckungen in mir. Seine Stöße wurden weicher, langsamer und ließen nach, bis sein Becken an meinem Becken ruhte. Er starrte mich ungläubig, fast erschrocken an, und ein Lachen brach aus seinem glühenden Gesicht. Es vibrierte in meinem Becken und steckte mich an, mein Bauch und meine Rippen zuckten, unsere Becken schlugen gegeneinander, mir kullerten Tränen die Wangen hinunter. Ich fühlte mich schwer wie ein Felsen und leicht wie eine Feder.
»Negomi! Das ist Wahnsinn, so stark! So habe ich das noch nie erlebt!«, er keuchte und stöhnte und strahlte mich an.
Ich streckte meine Arme aus, »Lass’ dich fallen!«
»Aber ich bin doch viel zu schwer!«
»Komm her!«
»Okay!«, er ließ sich auf mich niedersinken. Seine Haut war heiß, er atmete schnell, seine Rippen drückten gegen meine Rippen, sein Bauch gegen meinen Bauch, sein Schweiß mischte sich mit meinem Schweiß. Ich nahm sein Gesicht in meine Hände und knutschte es von oben bis unten und rundherum ab. Er lachte und kicherte und rollte sich neben mich.
»Du bist wunderschön, Negomi!«, er nahm meine Unterlippe sanft zwischen seine Lippen. Ich blieb starr. Er zog sich zurück: »Alles in Ordnung?«
Ich zuckte mit den Schultern.
»Was ist denn?«
»Nichts!«
»Ist es, weil ich gesagt habe, dass ich dich wunderschön finde?«
Ich schwieg.
»Kränkt dich das?«
Ich sagte immer noch nichts.
»Findest du dich nicht wunderschön?«
Tränen quollen aus meinen Augen.
»Negomi!«, Felix drückte mich an seine Brust.
Ich schluchzte.
»Negomi! Herzelein! Ist gut, ist gut!«, er wiegte mich in seinen Armen und hielt mich fest, »Hat dir das noch nie jemand gesagt?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Das kann nicht sein! Ich liebe deinen Körper! Deine kleinen Brüste, die zarten, empfindsamen Kirschen!«, er küsste meine Nippel, »Ich liebe deinen Po«, er streichelte meine Pobacken, »der ist so wohlgeformt und rund und fest«, »Und dein Venushügel! Den habe ich gleich bei unserem ersten Kuss gespürt, als du dich an mich gedrückt hast. Oh, Mann, oh, Mann, der hat mich ganz schwindlig gemacht: so schön gewölbt, er passt genau in meine Hand«, er legte sie auf meinen Venushügel und lächelte selig, »Und ich liebe deine langen schlanken Beine«, er streichelte sie, »Und deinen Hals!«, er küsste ihn, »Und deine Nase, ich liebe diese leichte Biegung, so edel«, er fuhr mit dem Finger über meinen Nasenrücken, »Ich liebe deine hohe kluge Stirn. Ich liebe deine Lippen, die sind so weich und rosig und schön geschwungen«, er knabberte an ihnen, ich musste lachen, »Da: die Grübchen! Es ist so schön, wenn du lachst!«, es schüttelte mich vor Lachen, »Und am allermeisten liebe ich deine Kulleraugen, die schönsten und größten Kulleraugen der Welt, durch die schaue ich direkt in deine Seele.«
Ich trocknete mir die Tränen.
»Du hast einen wunderschönen Körper, er ist so wohlgeformt, ganz harmonisch, zart und kraftvoll, wie bei einer Tänzerin. Und was noch hinzukommt, und das haut mich ja völlig um: er schmiegt sich so schön an meinen Körper, da passt einfach alles zusammen, jede Grube, jede Wölbung, als wären wir füreinander gemacht: Passstücke!«
Ich umarmte ihn fest, »Ich will jetzt ein Eis essen gehen!«
»Ein Eis? Bei dem Sauwetter? Gefällt mir! Komm’, zieh’ dich an!«
»Gibt es denn einen Eissalon, der Anfang Oktober noch geöffnet hat?«
»Die Tuchlauben!«
»Juhu!«, ich sprang von der Matratze und suchte mir was zum Anziehen.
Felix' Handy läutete, »Das ist mein Vermieter, da muss ich rangehen, entschuldige. – Hallo, Paul! Und, schon einen Kurschatten aufgerissen?«, er lachte, »Aber es geht dir gut? – Das freut mich! – Ja, hier ist alles in bester Ordnung. Meine Liebste ist da, und wir erwarten in der nächsten halben Stunde die Partygesellschaft«, er lachte abermals, »Nein, keine Sorge: hier kommt niemand unerlaubt rein oder raus. – Die Briefe hast du bekommen? – Gut! – Dann genieße deine letzte Woche! – Ja, mach’ ich! Byby, Tschau!«, er grinste mich an: »Schöne Grüße unbekannter Weise! Er ist schon gespannt, dich kennenzulernen.«
»Danke! – Paul ist aber schon lange auf Kur.«
»Vor einem Monat hat er mich darum gebeten, auf die Wohnung zu schauen. Das war ein echter Vertrauensvorschuss: ich bin ja erst im Mai hier eingezogen. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Er ist gemütlich drauf, ein netter Typ. Ich glaube, er treibt sich gerne in Kneipen rum und trinkt öfters einen über den Durst, wahrscheinlich macht er die Kur, um ein bisschen runterzukommen.«
»Glaubst du, es ist okay für ihn, wenn ich immer hier bin?«
»Sobald er zurück ist, werde ich ihm sagen, dass ich will, dass du jederzeit und so lange, du es möchtest, hier sein kannst. Ich bin mir sicher, dass er damit einverstanden sein wird. Ich glaube, Paul ist froh, wenn er Mitbewohner hat, die mit dem Zustand der Wohnung klarkommen und ihn so lassen wie er ist. Ihm geht es nur darum, dass er hier wohnen bleiben kann.«
»Gehört ihm die Bude?«
»Nein, er ist Hauptmieter. Und da er sich die Wohnung nicht mehr alleine leisten kann, nimmt er sich ‚Mitbewohner‘.«
»Warum zieht er nicht in eine Wohnung, die er bezahlen kann?«
»Er ist hier aufgewachsen, hier haben schon seine Großeltern gewohnt. Das ist die größte Wohnung im Haus, zweihundertfünfzig Quadratmeter – die war mal sehr teuer eingerichtet. Paul hat mir erzählt, dass er vor ein paar Jahren mit Renovierungsarbeiten begonnen hat, aber dann ist ihm das Geld ausgegangen. Jetzt ist sie total heruntergekommen. Als ich dieses Zimmer zum ersten Mal betreten habe, hat es ausgesehen, wie eine Gerümpelkammer. Paul hat gesagt, ich kann Möbel, die ich nicht brauche, rausstellen und mir aus den anderen Zimmern Teile nehmen, die mir gefallen. Ich war gleich einverstanden mit den Verhältnissen hier. Paul ist keiner, der einem etwas vorschreibt oder einen kontrolliert. Ich habe vorher in einer hundertfünfzig Quadratmeter Wohnung gewohnt: voll möbliert, sehr schöne Einrichtung. Aber ich musste mich reduzieren. Hier habe ich ein Zimmer und teile mir Bad, Klo und Küche mit Paul. Dafür ist meine Miete um zwei Drittel geringer, und ich kann zur Ruhe kommen und meine Kräfte sammeln. Ich habe ja nicht im Entferntesten damit gerechnet, in dieser Situation auf die Liebe meines Lebens zu treffen. Ich würde dir am liebsten einen Palast zu Füßen legen, statt dir diese Höhle zuzumuten. «
In der einen Zimmerecke standen eine alte Standuhr, die wohl vor Urzeiten aufgehört hatte, zu schlagen, sowie eine elektrische und eine akustische Gitarre, beide blankpoliert in ihren Ständern. In der anderen Ecke, neben der hohen Doppeltür eine Kleiderstange mit Felix' Jacketts, Jacken und Mänteln, darunter seine Stiefeletten, fein säuberlich nebeneinandergestellt auf dem staubigen Parkettboden. An der einen Wand stapelten sich auf einer schweren Holzkommode, die keine zehn Pferde vom Fleck bekommen hätten, Bücher und Gitarren-Zeitschriften. Daneben häuften sich Decken und Polstern auf der aufblasbaren Matratze. An der Wand gegenüber stand das alte Ledersofa mit der Schirmlampe, dem Couchtisch und dem groben Holzstuhl. Zwischen den beiden Fenstern ein windschiefes Schränkchen, auf dem ein großer Flachbildfernseher thronte und drohte, bei der kleinsten Erschütterung, runterzukippen.
»Mir gefällt es hier und ich bin glücklich, solange ich bei dir bin.«
»Das ist wie im Märchen, nur dass ich dir nicht auf einmal offenbaren werde, dass ich in Wahrheit ein steinreicher Prinz bin.«
»Wir leben von Luft und Liebe!«
»Ich bin zwar bis über beide Ohren verschuldet, aber mit dir bin ich steinreich!«
Hand in Hand liefen wir die Straße hinauf, ein kalter Wind wehte uns dicke Regenschwaden entgegen, wir zogen die Köpfe ein und lachten. Halb erfroren und durchnässt stolperten wir in den Eissalon. Außer uns waren keine Gäste da. Hinter der blank geputzten Scheibe der Theke lachten uns die bunten Eissorten aus großen Wannen an. Wir hängten unsere nassen Jacken an die Garderobe und setzten uns ans Fenster. Die Eismamselle trat hinter die Theke, schaute zu uns herüber und schmunzelte, »Brauchen Sie einen Föhn?«
»Eine Trockenhaube tut’s auch!«, sagte Felix.
»Sie sind also die ganz hart gesottenen Eisliebhaber«, sie kam zu unserem Tisch, »Was darf ich Ihnen bringen?«
Ich schlug die Karte auf: »Einmal Haselnuss, Erdbeere, Vanille, Zitrone, Mango, Pistazie, Maroni und Tiramisu.«
Felix machte große Augen.
»Und für Sie?«
»Ich nehme das Gleiche.«
»Nein! Du musst andere Sorten nehmen. Sonst kann ich nicht bei dir kosten.«
»Aber mir schmecken die auch so gut! Okay: statt Zitrone nehme ich Himbeere und statt Tiramisu Stracciatella.«
Die Mamselle lächelte und ging nach hinten.
»Felix, warum hast du so viele Schulden?«
»Das waren meine Theaterproduktionen in den Achtzigern und Neunzigern. Ich habe Kredite aufgenommen, um genau das Theater auf die Bühne bringen zu können, das ich mir vorstellte. Ich habe sehr großen Wert gelegt auf das Bühnenbild, habe teuerste Materialen verwendet und mit sehr guten Schauspielern und Musikern zusammengearbeitet. Für mich hat es sich ausgezahlt!«
Die Mamselle servierte uns Eisschalen und Waffeln. Wir küssten uns und löffelten drauf los.
»Du bereust es also nicht?«
»Niemals! Jetzt werden meine Gehälter zwar auf ein Minimum gepfändet, aber ich komme schon klar.«
»Wie lange hängst du da noch drin?«
»Mein ganzes Leben! Hundertfünfzigtausend Euro. Zurzeit verdiene ich wenig, und auch wenn es wieder mehr wird, reicht das nie, um da rauszukommen.«
Ich fütterte ihn mit einem Löffel Zitroneneis, »Vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit.«
»Im Lotto gewinnen! Das wäre das Erste, was ich machen würde: zu meinen Gläubigern gehen, ihnen das Geld auf den Tisch legen und mit den übrigen Millionen mein Leben genießen: mit dir!«
»Das ist nicht sehr wahrscheinlich.«
Er hielt mir einen Löffel Stracciatella hin. Ich schnappte zu, zerbiss die kleinen Schokosplitter und ließ das Vanilleeis auf meiner Zunge zergehen.
»Die meisten Gewinner sagen, dass sie nie im Leben daran geglaubt haben. Aber es gibt sie immer, man muss nur spielen.«
Ich steckte Felix einen Löffel Tiramisu-Eis in den Mund, »Ich will nicht meine Hoffnungen in einen Lottogewinn setzen, der nie kommt. Ich lebe lieber mit dem, was da ist, und mache das Beste daraus.«
Felix ließ mich von seiner Himbeere kosten, »Warum nicht hin und wieder ein paar Euro ausgeben für einen Tipp?«
Ich leckte mir die Lippen, »Meistens bleibt es nicht bei dem einen Los ab und an: es werden immer mehr, und ehe man es sich versieht, hat man über die Jahre Hunderte, vielleicht sogar Tausende Euro versenkt, von denen man sich etwas Schönes hätte kaufen können.«
»Aber die Vorstellung ist schon toll, das kannst du nicht leugnen!«
»Ich habe mir das noch nie vorgestellt.«
»Ich schon! Was würde ich tun, wie würde ich leben wollen, wenn mir finanziell keine Grenzen gesetzt wären? Mit dieser Frage schule ich meinen Geschmack und bilde mein Bewusstsein: Ich interessiere mich in allem nur für das Beste und Schönste. Wenn du Qualität liebst, richtest du dein Leben danach. Du kannst dir vielleicht nur wenig leisten, aber was du dir kaufst, suchst du nach den höchsten Ansprüchen aus.«
Wir standen nackt im Badezimmer vor dem Waschbecken und putzten Zähne. Unsere Blicke trafen sich über den Spiegel. Felix fing an, ganz groß zu putzen. Er riss die Augen auf, kniff sie zusammen, verzog die Lippen. Ich fletschte die Zähne, schrubbte hektisch über meine Zahnreihen, machte meinen Mund ganz rund, das Putzgeräusch tönte wie durch einen Trichter. Felix fuhr mit der Zahnbürste nach unten und ging in die Knie, fuhr hoch und richtete sich auf. Ich machte es ihm nach. Unsere Münder waren voll eingeschäumt. Wir kicherten und prusteten und spuckten die Zahnpasta ins Waschbecken. Ich hielt mir den Bauch vor Lachen, Felix hatte Tränen in den Augen. Er warf seine Zahnbürste beiseite und nahm mein Gesicht in seine Hände. Ich ließ meine Zahnbürste fallen und legte meine Hände an seine Wangen. Wir hielten Inne und guckten uns an, dann saugten wir uns mit den Lippen aneinander fest und lutschen und schmatzten Menthol und Speichel, unsere Zungen umschlangen einander. Ich fasste Felix in den Schritt und massierte seinen Penis, er stöhnte auf, fuhr mit der Hand zwischen meine Beine und stieß mit den Fingern in meine Vagina: mein Körper ging in Flammen auf, mein Kopf platzte, mir schwanden die Sinne. Felix ließ von mir ab, stieg in die Wanne und drehte das Wasser auf. »Komm, es ist schon warm!« Er verteilte Duschgel auf seinen Händen und rieb mich damit ein, massierte meine Brüste, streichelte und kniff meine Nippel. »Fester! Fester!« Sein Penis war halb steif, er rieb ihn an meinen Schamlippen, ich spürte, wie er hart wurde. Ich setzte mich an den Rand der Wanne, spreizte die Beine, Felix kniete sich vor mich hin, seine Zunge spielte mit meinem Kitzler, stieß tief in meine Vagina. »Fick mich!« Wir sanken nieder, ich setzte mich auf ihn, spürte seinen Penis tief in mir, ritt auf ihm und ließ mich von den dumpfen heißen Stichen treiben. Felix stöhnte und schrie auf, er drückte sein Becken von unten gegen meines, sein Penis durchbohrte mich! Unsere Schreie hallten zwischen den Fliesenwänden wider. Wir lagen keuchend in der Wanne. Das Wasser floss zusammen mit unserem Schweiß und dem Sperma, schäumte das Duschgel auf und spülte alles hinunter. Ich drückte den Stöpsel und legte mich zwischen Felix’ Beine. Das Wasser stieg in der Wanne und bedeckte unsere Körper mit seiner wohligen Wärme.