Читать книгу Negomi - Iracema Engel - Страница 14
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Das warme Wasser strömte über meine Haut. Ich betrachtete meine kleinen Brüste, wahrscheinlich die kleinsten Brüste der Welt! Ich hatte mir immer richtige Brüste gewünscht, wohlgeformt, prall, nicht zu groß, aber eben auch nicht so klein wie meine. Als junges Mädchen war ich ganz vorfreudig gewesen, ich war mir sicher, ähnlich große Brüste wie meine Mutter zu bekommen; auch alle meine Tanten hatten große Brüste. Doch ich bekam Brüste, die sich kaum merklich von meinem Oberkörper abhoben: sie waren klein, kümmerlich und flach. Ich war schwer enttäuscht und fühlte mich von der Natur ungerecht behandelt. Ich war überzeugt, dass kein Mann mich jemals schön finden könnte. Ich war nicht weiblich, ich war nicht sexy, ich war keine richtige Frau! Den anderen Mädchen quollen ihre prallen Brüste aus ihren Blusen. Sie konnten mit ihnen Männer scharf machen. Ich schnallte mir übergroße Push-Up-BHs um. Aber das war mir bald peinlich. Also nahm ich BHs in meiner Größe, allerdings immer noch Push-Up, damit wenigstens ein bisschen was zu sehen war. Irgendwann hatte ich angefangen, meine Brüste einfach zu ignorieren. – Jetzt stand ich unter der Dusche mit dem Auftrag, meinen Körper kennen und lieben zu lernen, und hier waren sie wieder: meine kleinen, traurigen Brüste! Ich strich über meine linke Brust, mein besonderes Sorgenkind, noch kleiner als meine rechte, ihre linke Hälfte leicht eingefallen und ihre Brustwarze mit dem traurigen Blick. Meine rechte Brust war, verglichen mit ihrer Schwester, mein Liebling, zwar auch klein, aber fest und wohlgeformt: eine richtige weibliche Brust im Kleinformat. Ich streichelte mein Sorgenkind: Ich werde versuchen, mich mit dir anzufreunden! Ich fuhr mit den Händen über meinen Brustkorb, zeichnete jede Rippe einzeln nach, folgte dem Fließen des warmen Wassers über meinen Bauch zu meinen Hüften, nach hinten über meine Pobacken, stellte meinen rechten Fuß an den Rand der Wanne und strich mit geschlossenen Augen langsam meinen Oberschenkel hinunter. Meine Hände erreichten meine Wade, mein Schienbein, meine Knöchel, sie fuhren weiter über meinen Fußrücken und machten bei meinen Zehenspitzen Halt. Ich stellte meinen Fuß wieder in der Wanne ab. Die linke Seite war dran. Genussvoll fuhr ich meinen Oberschenkel entlang nach unten. Mein Atem ging ruhig. Ich zog die Luft tief ein und atmete sanft wieder aus.