Читать книгу Wildwest Großband September 2018: Sammelband 8 Western - Pete Hackett - Страница 42

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Jim wartete einige Minuten, dann kroch er unter dem Vorbau entlang, bis er endete. Er schickte seinen Blick in die Runde. Von McKenzie und seinen Kumpanen war nichts zu sehen. Aber sie lauerten. Darüber war sich Jim im Klaren. Er witterte und lauschte. Und immer wieder kehrte sein Blick zu der reglosen Gestalt am Straßenrand zurück, neben der eine Winchester im Staub lag.

20 Schritte etwa. Und jeder Schritt konnte der letzte sein. Doch ein Gewehr hätte seine Chance, gegen die Übermacht der Banditen bestehen zu können, um ein Vielfaches vergrößert.

Jim überwand sich. Er setzte alles auf eine Karte, rollte sich unter dem Vorbau hervor und schnellte in die Höhe. In Zickzack-Linie hetzte er schräg über die Straße. Vages Licht fiel auf den Toten und das Gewehr. Mit kraftvollen Sätzen überwand Jim Yard um Yard. Aus der Dunkelheit blitzte es ihm grell entgegen. Aus einer Gasse züngelte Mündungsfeuer, auch aus dem Schlagschatten eines Hauses, an der Ecke des Hotels ...

Jim jagte Schuss um Schuss aus dem Colt. Er schickte seine Kugeln in die Richtung der Mündungslichter, dann schlug der Hammer klickend auf eine leere Hülse und Jim stieß den wertlosen Sechsschüsser ins Holster.

Noch drei Schritte. Er stieß sich ab, segelte durch die Luft und prallte schwer auf die Seite. Seine Hände verkrallten sich um das Gewehr. Er warf sich herum. Neben ihm pflügte Blei den Boden. Eine Ladung Sand wurde über ihn geworfen. Jim riss am Ladebügel, sein Oberkörper ruckte hoch, er jagte seine Schüsse in die Dunkelheit hinein, die immer wieder von den Mündungsblitzen der Waffen seiner Gegner gelichtet wurde.

Dann sprang er auf und verschwand in der Finsternis zwischen zwei Häusern.

Das Hämmern der Waffen auf der Main Street brach ab.

Die Passage endete bei einem Zaun. Jim flankte darüber hinweg. Er lud mit fliegenden Fingern den Colt nach, dann schlich er hinter den Häusern entlang. Der Lärm, der aus den Saloons und anderen Vergnügungsetablissements sickerte und die Stadt durchdrang, hielt trotz der Schießerei mit unverminderter Lautstärke an.

Jim pirschte zwischen zwei Gebäuden wieder zur Main Street zurück.

Etwa 30 Yards die Fahrbahn hinunter lief einer seiner Gegner aus einer Häuserlücke. Jim feuerte. Der Bandit schoss zurück, ohne anzuhalten. Auch auf der anderen Straßenseite zeigte sich einer der Kerle mit der Winchester im Hüftanschlag.

Jim feuerte rasend schnell. Abdrücken, repetieren, wieder durchziehen ... Es war ein einziger, fließender Bewegungsablauf seiner rechten Hand.

Der Bandit erreichte jedoch unangefochten die Deckung eines Gebäudes und verschwand.

Jenen Burschen, der aus der Gasse gerannt war, schien die Erde geschluckt zu haben.

Jim spurtete los. Er überquerte die Straße und verschwand in einer Lücke zwischen zwei Häuern. Einige Kugeln fauchten hinter ihm her, ein Querschläger heulte grässlich.

Jim rannte bis zum Ende der Gasse, drängte sich hart an einen Schuppen und wartete geduckt. Schon bogen zwei der Kerle in die Gasse ein. Sie sahen den Schemen beim Schuppen, sprangen auseinander und begannen zu feuern. Jim war rechts abgekniet und schoss zurück. Über ihm zerfetzte das Blei die Bretter, aus denen die Wand gefügt war.

Die beiden Banditen zogen sich blitzartig zurück.

Jim federte hoch, erreichte mit drei geschmeidigen Sprüngen die Ecke und verschwand um sie, als es bei den beiden Kerlen wieder zu krachen anfing.

Jim Hannagan war hinter einen windschiefen Schuppen gelaufen und verharrte in geduckter Haltung. Seine Augen waren unablässig in Bewegung. Jeder seiner Sinne war aktiviert, jede Faser seines Körpers zum Zerreißen angespannt.

Um ihn herum lauerten sie wie hungrige Wölfe. Sie forderten nichts heraus, denn ihnen war klar geworden, dass sie ihn nicht auf die leichte Schulter nehmen durften.

Jim zog sich, als es in seiner Umgebung ruhig blieb, zurück. An den Schuppen schloss sich ein kleiner Corral an, dessen Schmalseite an einen Hof anschloss, der zur Main Street hin von einem Wohngebäude begrenzt wurde.

Geschützt von einigen Sträuchern, die hier wuchsen, lief Jim an dem Corral entlang. Dann bog er wieder zur Hauptstraße ein, ehe er aber von der Dunkelheit aufgesaugt wurde, schaute er hinter sich.

Er konnte einen Schemen bei dem Schuppen ausmachen. Jim drückte sich ab, flog durch die Luft, hörte das Peitschen des Schusses und sah die Mündungsblume bei dem Schützen auseinanderplatzen.

Jim kam mit beiden Beinen gleichzeitig auf, suchte festen Stand und feuerte.

Sofort stellte sich der Bandit beim Schuppen auf das veränderte Ziel ein. Jim spürte den Gluthauch der Kugel und drückte ab. Das Geschoss fuhr aus dem Lauf, der Mündungsblitz schleuderte einen Lichtreflex in die Finsternis. Der Gegner krümmte sich nach vorn, verlor sein Gewehr, verkrampfte die Hände vor der Brust und brach nach zwei taumelnden Schritten zusammen.

Da aber kam der andere um den Schuppen herum, schoss und sprang sofort wieder zurück. Jims Blei fetzte lediglich einen Span aus der Bretterwand und pfiff ins Leere.

Gleitend schob sich Jim weiter. Er ließ den Schuppen nicht aus den Augen. Nach seinem letzten Schuss hatte er sofort wieder durchgeladen. Dort, wo sein Gegner eben verschwunden war, erklang es: "Der Skunk hat Frazer erwischt. Schätzungsweise will er zur Main Street. Postiert euch. Ich bleibe hier und verlege ihm den Rückweg."

Hastige Schritte waren zu vernehmen.

Jim schmiegte sich an der Ecke hart an die raue Wand des Hauses. Der Bursche, der hinter dem Schuppen war, gab einen Schnappschuss ab. Das Projektil hämmerte Putz von der Hauswand. Eine Staubwolke schwebte zu Boden. Jim sicherte hinter sich und schob sich an der Wand entlang in Richtung Main Street.

Er erreichte sie und spähte sie hinauf und hinunter. Irgendwo erklang es wild: "Wo ist der Bastard? Er kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben."

Dann sah er einen Schemen, der sich aus der Dunkelheit einer Gasse löste. Geduckt blieb er am Fahrbahnrand stehen. Jim hob das Gewehr und zielte. Doch ehe er den Finger krümmte, trat der Bandit zurück und wurde wieder eins mit der Finsternis.

Jim wartete. Plötzlich sah er schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite eine gekrümmte Gestalt um die Ecke eines Hauses gleiten. Der Bandit schlich an der Front des Hauses entlang.

Dann war er auf einer Höhe mit Jim. Die Distanz zwischen ihnen betrug etwa zehn Schritte.

"Hier, Bandit!", rief Jim.

Der Bursche wirbelte halb herum. Als es bei Jim aufglühte, warf er sich zur Seite. Sofort drückte er ab. Jim hörte dicht über seinem Kopf das Zirpen der Kugel. Noch einmal schmetterte sein Gewehr ...

Und dann rannte Jim wieder hinter den Häusern entlang.

Auf der Main Street rührte sich nichts mehr.

Zwei der Banditen kamen vorsichtig aus der Dunkelheit zwischen zwei Gebäuden, darauf eingestellt, blitzartig zu reagieren. Kein Schuss fiel. Sie begannen zu laufen. Ihre Schatten huschten vor ihnen her. Als sie eine stockfinstere Gassenmündung passierten, tönte Jims klirrendes Organ:

"Ich bin hier!"

Sie sprangen auseinander, rissen die Gewehre an die Hüfte. Ein greller Mündungsblitz zerschnitt in der Gasse die Nacht. Der peitschende Schuss sprengte die Stille. Die Wucht des Treffers riss einen der Kerle um.

Der andere feuerte auf den verglühenden Feuerstrahl. Dann stieß er sich ab und floh in den Schlagschatten. Der Schussdonner verhallte. In der Gasse, in der sich Jim verschanzt hatte, knirschte Staub unter schleichenden Schritten ...

Jim lauerte im tintigen Schatten unter einem Vorbau. Eine schattenhafte Gestalt schob sich drei Häuser weiter um eine Ecke. Licht von der Main Street fiel jetzt auf den Burschen. Deutlich konnte Jim den Banditen ausmachen. Er hielt das Gewehr mit beiden Händen. Geduckt trat er auf die Straße.

Auf dem Bohlengehsteig dröhnten harte Stiefelsohlen. Schon bald war das Poltern über Jim auf dem Vorbau. Staub rieselte durch die Ritzen zwischen den Bohlen auf ihn herunter.

Jim schaute hinüber zur anderen Straßenseite. Der andere Bandit war schon ein Stück weiter. Jim kroch unter dem Vorbau hervor, wuchs in die Höhe und hatte das Gewehr im Hüftanschlag.

"Heh, Bandit!"

Jims Stimme holte den Kerl auf dem Vorbau ein.

Er kreiselte herum, ging in die Hocke und schlug das Gewehr an. Jim drückte ohne mit der Wimper zu zucken ab. Ihre Schüsse dröhnten fast gleichzeitig, aber der Bandit feuerte viel zu überstürzt und blindlings ...

Jims Geschoss schleuderte ihn gegen die Hauswand, an der er langsam zu Boden rutschte. Sein Gewehr polterte auf die Vorbaubohlen.

Der Bursche am jenseitigen Straßenrand schoss auf Jim. Dieser aber hatte sich auf die Knie geworfen. Die Kugel pfiff über ihn hinweg. Jim erwiderte das Feuer und jagte sofort eine zweite Kugel aus dem Lauf. Der Bandit zog sich schießend zurück. Die Dunkelheit in einer Passage nahm ihn auf.

Jim verschwand zwischen den Häusern.

Auf dem Vorbau lag Wade Benbow. Jim hatte ihm eine Kugel in die Brust geschossen. Aber Benbow lebte. Er wimmerte. Mit jedem Herzschlag wurde ein Strahl Blut aus der Wunde gedrückt. Mit zerrissener Stimme, die vom Schmerz und von der Todesangst verzerrt war, begann Benbow um Hilfe zu rufen.

Jim hörte es. Und ihm fiel auf, dass in der Stadt Ruhe eingekehrt war. Deutlich hallten die Hilferufe durch die Gassen und Straßen. Das Johlen und Grölen in den Saloons war verstummt. Es gab kein Geschrei mehr, keine Musik, kein Gelächter. Es war, als hielte Salmon den Atem an.

Jim pirschte durch die Stadt. Eine grimmige Genugtuung hatte ihn erfasst. Er hatte die Zahl seiner Gegner deutlich reduziert.

Wildwest Großband September 2018: Sammelband 8 Western

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