Читать книгу Sechsmal Mord für den Strand: Sechs Kriminalromane - Pete Hackett - Страница 38

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Mike Sutters Wohnung lag in der 45th Road im Stadtteil Queens, der New Yorker Schlafstadt.

Der Besuch eines Tatorts ist immer eine traurige Sache. In diesem Fall traf das das ganz besonders zu.

Ich wandte den Blick von Mike Sutters Leiche ab und sah Milos Gesicht. Es war bleich.

Die Kollegen der Scientific Research Division, dem zentralen Erkennungsdienst der New Yorker Polizei, der sowohl von uns als auch von allen Revieren des New Yorker Police Departments angefordert werden konnte, waren bereits bei der Arbeit.

Ein Gerichtsmediziner namens Cochrane war auch schon da.

"Wenn ich die Kerle erwische, die dafür verantwortlich sind!", hörte ich Agent Clive Caravaggio wutentbrannt hervorpressen. Er hatte die Hände zu Fäusten geballt. Sein Gesicht war dunkelrot angelaufen, und er blickte in Richtung Fenster.

Ich ließ den Blick etwas durch die Wohnung schweifen.

In den Regalen gab es kaum persönliche Dinge von Mike. Irgendwie verwunderte mich das. Als ob er hier zu Besuch gewesen wäre. Langsam durchquerte ich das Wohnzimmer. Ich versuchte dabei, den Spurensicherern das Handwerk nicht schwerer zu machen, als es ohnehin schon war.

Ich warf einen Blick ins Schlafzimmer.

Auf dem Bett saß eine Frau.

"Miss Janice Morgan?", fragte ich.

Sie sah mich an. Dann nickte sie. Ich zeigte ihr meinen Ausweis. "Ich bin Special Agent Trevellian. Nennen Sie mich Jesse."

"Mike hat mir von Ihnen erzählt, Jesse", sagte sie.

"Und er mir von Ihnen, Janice."

Ein mattes Lächeln glitt über ihr verheultes Gesicht. Die Augen waren rotgeweint. Sie erhob sich. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und bewegte sich auf mich zu. Sie trug ein knappes Sweat-Shirt und eine Jeans. Ihr Gesicht war blass.

Der Schrecken war deutlich in ihre Zügen abzulesen.

"Ich weiß, dass es hart für Sie ist, jetzt über das Geschehene zu reden", begann ich.

Sie schluckte.

"Es war furchtbar..." flüsterte sie. Mit einer fahrigen Geste wischte sie sich die Haare aus dem Gesicht.

"Beschreiben Sie, was geschehen ist... Jede Einzelheit kann wichtig sein. Und je schneller wir dem auf den Fersen sind, der Mike diese Briefbombe geschickt hat, desto größer die Chance, ihn auch auch zu kriegen."

"Natürlich."

Janice musste sich sichtlich zuammenreißen.

Sie atmete tief durch.

Ich berührte sie leicht an der Schulter und hob die Augenbrauen.

"Ich war im Bad", sagte sie. "Es klingelte. Mike ging an die Tür. Ich hörte, dass er mit jemandem redete."

"Mit wem?"

"Ich nehme an, dass es der Postbote war. Aber ich konnte nicht verstehen, was gesagt wurde, weil ich die Dusche schon angestellt hatte. Und dann... "Sie schluchzte auf. "Ein Knall. Es war so..." Sie stockte. "Grauenvoll", flüsterte sie dann.

"Seit wann lebten Sie und Mike zusammen?"

"Seit drei Jahren."

"Hat er mit ihnen über dienstliche Dinge geredet?"

"Nein, niemals."

"Wissen Sie von irgendwelchen Feinden, die seinen Tod wollten?"

Sie sah mich erstaunt an. "Das fragen Sie mich, Jesse? Ein G-man macht sich ja wohl nicht überall beliebt..."

Ich nickte.

"Das stimmt natürlich. Aber es muss für diese Tat ja nicht zwangsläufig ein Motiv geben, das aus dem dienstlichen Bereich kommt."

Sie seufzte. "Ich verstehe", sagte sie. "Zuerst müssen Sie in alle Richtungen ermitteln."

"Sie sagen es, Janice."

Sie trat näher an mich heran. Der Tonfall, in dem sie dann zu mir sprach, war dunkel und sehr leise. Es klang beinahe vertraulich. "Sie versprechen mir, dass Sie den Kerl kriegen, ja, Jesse?"

"Ja", sagte ich. "Mike hat mir das Leben gerettet. Ich bin ihm etwas schuldig."

Jeder Mord war ein furchtbares Verbrechen.

Aber wenn es einen Kollegen traf, dann ging das besonders nahe.

Sechsmal Mord für den Strand: Sechs Kriminalromane

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