Читать книгу Das dreizehnte Sternbild - Ein Norwegen-Krimi - Unni Lindell - Страница 13
ОглавлениеEr fuhr aus dem Schlaf hoch, weil sein rechter Arm weh tat Auch in dieser Nacht, wie schon in der letzten, war er mit dem Kind im Arm eingeschlafen. Einen Moment lang starrte er resigniert das schlafende Kindergesicht an, dann warf er einen Blick auf die Digitaluhr der Stereoanlage. Himmel, er war im Sessel eingeschlafen. Inzwischen war Freitag, er mußte bald los. Und das am besten mit klarem Kopf und jeder Menge Energie. Er stand auf, trug das Kind ins Schlafzimmer und legte es in sein Bettchen. Sigrid atmete unter der rosa Decke des Doppelbettes regelmäßig. Cato rieb sich mit der warmen Hand das Gesicht und schlich ins Gästezimmer. Es war leer. Für einen Moment hatte er diese Nacht mit der letzten verwechselt. Hatte vergessen, daß er am Donnerstagmorgen um sieben Uhr die Jungen zur Bahn gefahren hatte. Der Zug nach Spikkestad fuhr um siebzehn nach. Die Jungen gingen vom Bahnhof Asker direkt zur Schule. Wie ein Eisenklumpen lag ihm das im Bauch, was Gard über seine Konfirmation gesagt hatte. Er hatte es gesagt, als sie sich kurz vor dem Osloer Hauptbahnhof zum Aussteigen bereit machten. »Ich geh’ nicht mehr zum Konfirmationsunterricht.« Seine Stimme hatte dabei vor einer Art trotzigem Kummer gebebt. Als habe er seinen Vater damit treffen wollen. Cato Isaksen kam es so vor, als sei nur das die Absicht seines Sohnes gewesen. Aber das war vielleicht nicht richtig von ihm. Als er gefragt hatte, warum, hatte Gard aus dem Autofenster gestarrt und gesagt, er könne den Gedanken an das Fest nicht ertragen.
Im Wohnzimmer war das »Buch der Fragen« auf den Teppich gerutscht und spreizte jetzt seine weißen Seiten. Cato Isaksen hatte ein ambivalentes Verhältnis zu diesem Buch. Wütend hob er es hoch und stellte es zurück ins Bücherregal. Er ging zum Kühlschrank und trank Milch aus dem Karton, dann zog er sich aus und legte sich leise neben Sigrid. Als er die Augen schloß, merkte er, daß er Hunger hatte, und gleichzeitig mußte er an den trockenen Geschmack des scheußlichen Biskuitkuchens denken, den Bergliot Behrens ihm zwei Tage zuvor serviert hatte. Er sah ihre dünnen Hände vor sich, und plötzlich durchlief ihn ein kalter Schauer. Was hatte sie da noch gesagt? Etwas darüber, daß auch sie, also die Frau des Toten, jetzt tot sein könnte. Wie hatte sie das eigentlich gemeint?
Er wußte, daß er schlafen mußte, aber die Gedanken wirbelten ihm durch den Kopf. Die Gedanken redeten. Er registrierte sie ganz deutlich. Stimmen, Lügen, Zug, Windeln, Pastor, Kuchen, Bücher, Trauer und Morgen.