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Erstes bis viertes Bändchen
X.
Olympia von Clèves

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Mademoiselle Olympia von Clèves, die man bei der Schauspielertruppe kurz Olympia nannte, diese schöne Person, welche wir schon zweimal haben erscheinen sehen, das erste Mal aus der Straße, im Gefolge der Procession von Herodes und Marianna, das zweite Mal aus der Treppe des Foyer, und die jedes Mal einen so lebhaften Eindruck auf Banniére hervorgebracht hatte, Olympia von Clèves war ein Fräulein von Stande, das«in Liebhaber, ein Musketier, im Jahre 1720, als Olympia kaum sechzehn Jahre alt war, aus dem Kloster entführt hatte.

Dieser Musketier, nachdem er seiner Geliebten beinahe ein Jahr treu geblieben war, was fast unerhört in den Annalen der Compagnie, halte sie an einem schönen Morgen verlassen, und man hatte ihn nicht wieder gesehen.

Nun allein, verlassen, ohne Zukunft, verkaufte Olympia, welche es nicht wagte, zu ihrer Familie zurückzukehren, und ohne Mitgift nicht wieder ins Kloster gehen wollte, die wenigen Juwelen, die ihr blieben, und. debütierte, nachdem sie ein Jahr studiert hatte, auf einer Provinzbühne.

Sie war so schön, daß sie ausgepfiffen wurde.

Olympia begriff, daß, wenn die Natur so viel für eine Frau gethan halte, ihrerseits die Kunst auch viel für sie tun müsse. Sie fing an zu arbeiten, diesmal mit Ernst, und nach Verlauf eines Jahres wechselte sie das Theater und brachte es dahin, daß man ihr wegen ihres Talentes applaudierte, nachdem man sie wegen ihrer Schönheit ausgepfiffen hatte.

Allmählich und von Truppe zu Truppe, stieg Olympia bis zu den Theatern der großen Städte empor, und, ein lebendiges Problem für die Verliebten wie für die Weidmänner, genoss sie einen doppelten Ruf als gute Schauspielerin und als vernünftige Frau.

Nicht als ob Olympia von einem tugendhaften Naturell gewesen wäre, sondern nach einem Mann hatte sie alle Männer hassen gelernt; und da die Wunden in den zärtlichen Herzen tiefer sind, so lebte eine Wunde noch blutend nach fünf Jahren im Herzen der schönen Verlassenen.

Abbés, Offiziere, Geldmänner, Schauspieler, Schönlinge, Alles behandelte Olympia drei Jahre lang mit derselben Gleichgültigkeit.

Endlich eines Tags, oder vielmehr eines Abends, es war in Marseille, sah Olympia in den Kulissen einen Mann von großer Schönheit und besonders von großer Distinktion: er war in die Uniform der schottischen Gendarmen gekleidet und trug die Auszeichnung eines Kapitäns.

Olympia hatte eine kleine Rolle gespielt, in der man ihr viel Beifall gespendet, und bei ihrem Abgang von der Szene hatten sie viele Menschen umringt.

Wenigstens zwanzig Edelleute, und zwar von den Höchstgestellten, näherten sich ihr, um ihr zu sagen:

»Mademoiselle, ich finde Sie reizend.«

Oder:

»Mademoiselle, Sie sind anbetungswürdig.«

Der Kavalier allein, von dem wir gesprochen, trat auf sie zu und sprach ehrerbietig vor aller Welt:

»Madame, ich liebe Sie.«

Dann, ohne etwas Anderes beizufügen, verbeugte er sich, machte drei Schritte rückwärts und war wieder mit der Menge der Bewunderer von Olympia vermengt.

Diese so seltsam hingeworfene Erklärung beunruhigte Olympia zuerst durch ihre Bizarrerie, sodann durch die Wirkung, die sie auf die Anwesenden hervorgebracht hatte.

Olympia fragte die Leute, die sie umgaben, nach dem Namen des fremden Liebesritters.

Man antwortete ihr, es sei Louis Alexandré, Graf von Mailly, Herr von Rubempré Rieux, Avecourt, Bohard, Coudray und anderen Orten, Kapitän-Lieutenant der Compagnie der schottischen Gendarmen.

»Ah!« machte sie.

Und das war Alles.

Dann begab sie sich allein, wie gewöhnlich, nach Hause.

Sie hatte damals ein Engagement von achttausend Livres jährlich.

Ferner hatte sie von einem alten Verwandten, der trotz ihrer Entweichung mit dem Musketier und ihres Eintritts beim Theater ihr Freund geblieben war, ungefähr dreißigtausend Livres bekommen, von denen sie sechstausend jährlich ausgab, was ihr, mit ihrem Gehalte, fünf Jahre zu vierzehntausend Livres, in Erwartung von Besserem, versprach.

Sie empfing daher zuweilen bei sich und zwar auf eine sehr liebenswürdige Art. Die Gesellschaften, die sie gab, hatten sogar allmählich eine gewisse Berühmtheit in der ganzen Provinz erlangt; es war auch die erste Sorge jedes Mannes nach der Mode, sich bei Fräulein Olympia vorstellen zu lassen. Nicht ein Schmachtender fehlte.

Allerdings waren alle Galanterien, die man der schönen Gebieterin des Hauses sagen konnte, rein verloren: Jedermann wurde gut aufgenommen, aber Niemand begünstigt.

Und was noch viel außerordentlicher: Niemand rühmte sich, begünstigt worden zu sein.

Als Olympia nach Hause kam, dachte sie unwillkürlich an Herrn von Mailly.

»Er wird den gewöhnlichen Weg gehen,« sagte sie. »Ich werde ihn an meinem ersten Empfangstage, das heißt, am ersten Tage, wo ich nicht zu spielen habe, bei mir sehen.«

Sie täuschte sich.

Der Graf, der keine Vorstellung versäumte, wenn Olympia spielte, kam nach jeder Vorstellung herbei, um die schöne Künstlerin zu begrüßen.

Doch dies, ohne ein einziges Wort zu sagen, ohne einen einzigen Schritt zu tun.

Dieses Benehmen setzte Olympia sehr in Erstaunen; sie konnte nicht bezweifeln, daß der Graf ernstlich in sie verliebt war. Die Liebe scheint deutlich für die Frau in jeder Bewegung des wahrhaft verliebten Mannes durch.

Sollte er schüchtern sein, dieser Kapitän der schottischen Gendarmen? Das war nicht wahrscheinlich.

Warum, nachdem er sich so entschieden erklärt hatte, wartete er denn?

Auf was wartete er?

»Bildet er sich etwa ein,« dachte Olympia, weil ich eine Frau vom Theater sei, werde ich ihn für einen so hohen Herrn halten, daß ich ihm von selbst Erklärung durch Erklärung erwidere?«

Sie wartete, bis sich der Graf weiter wagen würde. Der Graf machte nicht einen Schritt mehr.

Olympia faßte den Entschluss, ihm den Rücken zuzuwenden, wenn er am Abend käme, um sie zu begrüßen.

Der Entschluss war heroisch, gefährlich vielleicht. Herr von Mailly, damals ein Mann von drei und dreißig Jahren, gut gestellt bei Hofe, ein guter Edelmann durch sich selbst, vollkommen befreundet, einen Rang in der Welt, einen Grad in der Armee einnehmend, war von Männern und Frauen vortrefflich ausgenommen. Die Beleidigung einer Schauspielerin konnte nicht nur ihn selbst verletzen und empören, sondern auch viele Leute um ihn her verletzen und empören.

Aber es war eine Unerschrockene, diese Olympia. Sie ließ Herrn von Mailly aus sich zugehen und schaute ihm wohl ins Gesicht; dann, nachdem er sie nach seiner Gewohnheit gegrüßt hatte, drehte sie ihm den Rücken zu, ohne seinen Bückling zu erwidern.

Der Graf fühlte den Schlag, errötete sehr, richtete sich aus und ging weg, ohne daß er die Aufregung zu bemerken schien, welche der zurückstoßende Empfang von Olympia in der Gruppe, ihrer Hofmacher hervorgebracht hatte.

Am andern Tag erschien Herr von Mailly abermals. Viele Leute hatten schon am Abend vorher Olympia aus die Gefahr aufmerksam gemacht, der sie sich durch ihre Ungezogenheit aussetze.

Aber die Eigensinnige nahm so wenig hieraus Rücksicht, daß sie nun, als Herr von Mailly wiederkam, sogar zurückwich, ehe er gegrüßt hatte.

Der Graf ließ sich nicht aus der Fassung bringen.

Er ging im Gegenteil gerade aus sie zu und sagte mit kurzem, aber artigem Tone:

»Guten Abend, mein Fräulein.«

Und er stellte sich so, daß sie nicht entfliehen konnte.

Jeder schaute dieser Szene mit einer leicht begreiflichen Neugierde zu.

Olympia erwiderte nichts.

»Ich habe die Ehre gehabt, Ihnen einen guten Abend zu wünschen, mein Fräulein,« sagte Mailly.

»Und Sie haben Unrecht gehabt, da Sie erraten mussten, ich würde Ihnen nicht antworten,« erwiderte sie laut,

»Wären Sie eine gewöhnliche Schauspielerin gewesen,« fuhr Herr von Mailly mit der äußersten Artigkeit fort, »und Sie hätten mir den Schimpf angethan, den ich erleide, so würde ich ein Wort an den Gouverneur dieser Stadt schreiben, daß er Sie für Ihre Ungezogenheit bestrafen ließe, da Sie aber nicht einfach eine Schauspielerin sind, so entschuldige ich Sie.«

»Wenn ich aber nicht einfach eine Schauspielerin bin, was bin ich denn?« fragte Olympia, ihre großen Augen erstaunt aus den Grafen heftend.

»Ich glaube nicht, daß dies der Ort ist, es Ihnen zu sagen, mein Fräulein,« erwiderte Herr von Mailly, der fortwährend die ausgezeichnete Höflichkeit behauptete, aus welcher er sich bei diesem Vorfalle seine Verteidigungswaffe gemacht hatte. »Die Geheimnisse des Adels wirft man nicht so in den Wind der Kulissen.«

Olympia hatte zuviel gehört, um nicht zu wollen, daß ihr Herr von Mailly mehr sage. Sie ging entschlossen in eine Ecke des Theaters und winkte ihm, ihr zu folgen.

Er gehorchte.

»Sprechen Sie nun,« sagt« sie.

»Mein Fräulein,« versetzte Herr von Mailly, »Sie sind von Stande.«

»Ich?« erwiderte Olympia erstaunt.

»Ich weiß es, und daher die Achtung, die ich Ihnen immer bezeigt habe, selbst als Sie mich beleidigten, ohne Ursache beleidigten; ich kenne Ihr ganzes Leben, und nichts wird machen, daß ich mein Benehmen gegen Sie bereue, nicht einmal Ihre Strenge.«

«Aber, mein Herr. . .« sagte Olympia ganz bewegt.

»Sie beißen Olympia von Clèves,« fuhr Herr von Mailly unstörbar fort. »Sie sind in einem Kloster in der Rue de Vaugirard erzogen worden. Meine Schwester war mit Ihnen in diesem Kloster. Sie haben es vor drei und einem halben Jahre verlassen, und ich weiß, aus welche Art Sie es verlassen haben.?

Olympia erbleichte. Nur, da sie noch ihre Schminke hatte, wurden bloß ihre Lippen weiß.

»Mein Herr,« erwiderte Olympia, »also trieben Sie neulich Ihr Spiel mit mir, als Sie mir sagten. . .«

Olympia hielt inne.

»Als ich Ihnen sagte, ich liebe Sie,« fuhr Herr von Mailly fort. »Nun, mein Fräulein, ich trieb nicht mein Spiel mit Ihnen, ich sagte Ihnen im Gegenteil die volle Wahrheit.«

Olympia entschlüpfte eine Gebärde des Zweifels.

»Erlauben Sie mir, über eine stumme Leidenschaft, – Herr von Mailly machte eine Bewegung, – oder über eine Leidenschaft, welche nur einmal spricht, zu lachen,« fuhr Olympia fort.

»Mein Fräulein, ich bemerke wohl, Sie haben mich nicht verstanden,« erwiderte Herr von Mailly. »Ich habe Sie gesehen und ich kannte Sie; ich kannte Sie und ich habe Sie geliebt, ich habe Sie geliebt und ich habe es Ihnen gesagt, ich habe es Ihnen gesagt und ich habe es Ihnen bewiesen.«

»Bewiesen!« rief Olympia, die endlich ihren Gegner bei einer Blöße zu packen glaubte. »Bewiesen! Sie haben mir bewiesen, daß Sie mich lieben, Sie!«

»Allerdings. Wenn man eine Schauspielerin liebt, so sagt man zu ihr: »»Sie gefallen mir sehr, Olympia, und, bei meiner Treue, ich werde Sie lieben, wenn Sie wollen.«« Wendet man sich aber an ein Mädchen von Stand,« an Fräulein von Clèves, so spricht man einfach:

»»Mein Fräulein, ich liebe Sie.««

Und wenn man dies gesagt hat, da man ohne Zweifel genug gethan hat,« erwiderte Olympia verächtlich lachend, »so erwartet man, daß dieses Mädchen von Stande einem seine Antwort bringt!«

»Man erwartet nicht das, was Sie sagen, mein Fräulein, sondern man erwartet, daß eine Frau, welche dadurch, daß sie von einem Manne verlassen worden ist, gelitten hat, die nie einen Zweiten hat anhören wollen, weil sie die Männer hasst, man erwartet, sage ich, daß diese Frau, verwandelt, entwaffnet durch die Achtung und das Benehmen eines, wackeren Mannes, allmählich den Hass verjagt, um auf die Liebe zu hören. Das ist es, was man erwartet, mein Fräulein.«

»Mir scheint,« entgegnete Olympia zitternd, »mir scheint, es wäre dann besser gewesen, nichts zu dieser Frau zu sagen.«

»Warum denn, mein Fräulein? Die Huldigung eines Edelmanns kann nicht unangenehm sein, und zeugt vor Allem von seiner Höflichkeit; sodann ist sie ein Vorbehalt für die besseren Tage, und endlich bezeichnet sie, daß die Frau, welche der Gegenstand derselben war, eine schlechtere Wahl treffen könnte. Dies ist es, was ich Ihnen Alles zu beweisen suchte, – zu glücklich, wenn es mir gelungen ist.«

Während dieser, durch eine seltene Distinktion der Stimme und der Gebärde erhöhten. Rede hatte Olympia ihr Herz von einer sanften und belebenden Wärme sich anschwellen gefühlt.

Sie senkte einige Secunden die Augen und schlug sie dann zärtlich wieder aus.

Der Graf hatte nicht nötig, daß sie sprach.

»Bin ich verstanden?« sagte er.

»Fragen sie mich das in acht Tagen,« antwortete sie, »und wenn ich daran gewöhnt sein werde, fragen Sie mich, ob Sie geliebt seien.«

Und indem sie so sprach, hob sie die Hand bis zu den Lippen des Grafen empor, der vor Freude bebte, und verschwand.

Der Graf, statt ihr zu folgen, verbeugte sich ehrerbietig und kehrte zu den Offizieren zurück, die ihn über die Erklärung befragten.

»Sie ist stürmisch gewesen?« sagte der Eine.

»Hagel?« fragte der Andere.

»Donner oder Regen?« sprach ein Dritter.

»Meine Herren,« antwortete der Gras von Mailly, »Mademoiselle Olympia ist in der Tat ein anbetungswürdiges Frauenzimmer.«

Und er verließ sie nach diesen Worten.

Sie schauten ihm mit Erstaunen nach, als er sich entfernte, doch einige Tage sollten genügen, um ihnen das Geheimnis zu erklären.

Olympia von Clèves

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