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Kapitel 13

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Als Helmut die Stufen der Kellertreppe hinaufging, hörte er sein Telefon läuten. Er beeilte sich. Peter wollte gerade aufgeben, als sein Freund sich meldete.

„Helmut, endlich erreiche ich dich. Ich habe es schon den ganzen Abend versucht.“

„Tut mir leid, ich war ein bisschen spazieren. Ist etwas Besonderes oder wolltest du dich nur so melden?“ Peschke klang reserviert.

„Kann ich bei dir vorbeikommen? Ich bin überfallen worden. Meine Stirn ist aufgeplatzt und muss genäht werden. Du weißt ja, wie die Nähte eines Pathologen aussehen. Wir nehmen immer Stopfgarn. Kannst du das für mich erledigen?“

„Ach du meine Güte! Ich komme sofort bei dir vorbei.“

Der Dorfarzt griff nach seiner Tasche, flitzte die Treppe herunter und sprang in seinen roten VW-Polo. Er brauchte nur 10 Minuten bis zum Haus seines Freundes. Als Döring ihm die Tür öffnete, immer noch ein dickes Stück Mull an die Stirn pressend, war nicht zu übersehen, dass er zu viel getrunken hatte.

„Man Kollege, was machst du für Sachen. Lass mich mal sehen.“ Der Arzt sah sich die Wunde an und bereitete sich darauf vor diese zu vernähen.

„Also für die Betäubung hast du ja schon gesorgt, hast ein bisschen getankt, oder? Mehr kann ich dir nicht mehr geben, dann kippst du mir hier vor die Füße. Und wenn ich dich auf dem Fußboden versorgen muss, habe ich es morgen im Rücken.“

„Du kennst das ja. Der Patient hat, wenn es schmerzen könnte, immer eine Hand an den Eiern des Arztes. Nach dem Motto – wir wollen uns doch beide nicht wehtun.“

„Untersteh dich, sonst verpasse ich dir eine grobe Sektionsnaht.“

„Danke nein, dann beiße ich doch wohl lieber die Zähne zusammen.“

Helmut begann, die Wunde zu vernähen. Sein Patient verzog das Gesicht und gab zischende Laute von sich, versuchte aber sich zusammenzureißen. Nach sechs Stichen war alles vorbei. Die Platzwunde wurde gesäubert und verbunden.

Helmut wollte wissen, was geschehen war und Peter berichtete über das Erlebte. Sein Freund hörte aufmerksam zu und unterbrach ihn ab und an mit einem: „Das gibt es doch nicht“, oder „Und das hier in Werlow.“

„Du musst das bei der Polizei melden. Gerd wird schon herausfinden, wer das getan hat. Geh' nur nicht zu Werner, den setzt niemand in Bewegung.“

Die beiden Männer einigten sich darauf, dass Peter gleich am nächsten Morgen bei Finke vorbeischauen würde.

„Helmut, ich habe dich mehrfach versucht anzurufen. Jürgen meinte, er hätte dich seit drei Tagen nicht gesehen. Ist alles o.k.? Du warst so reserviert.“

Peschke schaute betrübt. Er war nicht sicher, ob er erzählen sollte, was passiert war. Niemand in Werlow wusste von seinem Sohn Paul. War es richtig die Situation zu ändern? Wenn sich das herumsprach. Würden die Einwohner einem Arzt vertrauen, der einen kriminellen Ableger hat? Aber es war Zeit mit jemandem zu reden und so vertraute er ihm alles an. Von Renate und wie die beiden sich ein Kind wünschten. Wie viel Freude der kleine Paul ihnen bereitet hatte und wie viel Ärger der Große verursachte. Er erzählte von Renates Krankheit und ihrem Tod, vom Neuanfang in Werlow und auch von der Angst, dass Paul jetzt alles zerstört. Peter hörte aufmerksam zu, ohne ihn zu unterbrechen. An diesem Abend hatten die Männer begonnen, sich zu vertrauen. Aus einer Bekanntschaft war Freundschaft entstanden. Als Helmut mit seiner Lebensgeschichte zu Ende war, sah er seinen Bekannten fragend an.

„Kannst du verstehen, dass ich keine Lust hatte, jemanden zu sehen? Und? Was soll ich deiner Meinung nach tun?“

„Es ist zu früh ihn zu treffen, solange die Vorstellung allein Unbehagen bei dir auslöst.“

Peter riet ihm einen Brief zu schreiben in dem Helmut klarstellt, wie schwer die Zeit für ihn war und das er nicht die Kraft hätte alles noch einmal zu durchleben. Wenn Paul aber vorhätte, sein Leben zu ändern, er sich über einen Neuanfang mit seinem Sohn freuen würde.

Helmut war erleichtert. Das war die Lösung. Wenn Paul das nicht verstünde, wäre es sinnlos zu versuchen einen Kontakt aufzubauen. Die beiden plauderten noch Stunden, bis Helmut sich auf den Heimweg machte.

Aus dem Schlaf gerissen

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