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Kapitel 8

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Neugierig, ob das Internet Informationen über den Pharmabetrieb bot, verlegte Peter sein Frühstück an den Computer. Er nahm sich einen Pott Kaffee, belegte sich zwei Brötchen mit Käse und ging ins Obergeschoss. Im rechten, kleineren Schlafzimmer hatte er sich ein Büro eingerichtet. Sein alter Computer würde zwar einem Fachmann nur Mitleidstränen in die Augen treiben aber als Surfbrett fürs Internet reichte er. Google beantwortete seine Frage gleich mit der offiziellen Homepage. Alles über die Firma, Adresse, Produkte und vor allem Vor- und Zuname des Besitzers.

So Kollege, da bist du ja. Mal sehen, ob du dem World wide web bekannt bist.“

Es gab reichlich Treffer bei der Suchmaschine. Mitteilung über Auszeichnungen, Teilnahme an Wohltätigkeitsveranstaltungen mit großzügigen Spenden. Peter überflog an die 20 Berichte über den Firmengründer. Dann sprang ihm ein Bericht einer Hamburger Tageszeitung förmlich ins Auge.

Umweltskandal bei Elbe-Pharma

Ein Umweltskandal erschüttert die Hamburger. In der Elbe wurde die Einleitung teils hoch giftiger Stoffe festgestellt. Die Gifte wurden vermutlich von dem Pharmaunternehmen Elbe-Pharma eingeleitet. Die Behörden teilten mit, dass für Natur und Umwelt ein teils erheblicher Schaden entstanden sei, dessen Ausmaß zu diesem Zeitpunkt nur schwer einzuschätzen sei. Die Führungsetage, bestehend aus Günther Radner, Manfred Knöckel und Helmut Voß schweigt zu diesem Thema.

„Aha, du bist also keine Jungfrau auf dem Gebiet der Umweltsünden mehr. Aber dir werde ich schon einen Keuschheitsgürtel verpassen und den Schlüssel weg werfen.“ Peter kniff seine Augen zusammen. Sein Gesicht schrie Rache für das Verbrechen an seinem See. Er teilte Ernst die Neuigkeiten mit.

„Dann hast du wohl wieder den richtigen Riecher gehabt. Du musst aber vorsichtig sein. Wenn du dem Voß einen Bullenring durch die Nase ziehst, erwarte nicht, dass er dich bittet, spazieren geführt zu werden.“

Ernst machte sich Sorgen. Der Chemiker kannte seinen Freund. Immer bohren, bis der Knoten platzt. Aber in diesem Fall stand die Behörde nicht auf seiner Seite. Er ermittelte als Privatmann.

„Du hast recht. Morgen gehe ich zur Polizei.“

Mit seinem alten, bereits etwas klapprigen Drahtesel fuhr er den kleinen Waldweg entlang, der hinter seinem Haus vorbeiführte. Froh darüber mit seinen Recherchen ein Stück weiter gekommen zu sein, radelte der den holperigen, schmalen Pfad entlang und lauschte dem Zwitschern der Vögel. In der Nähe hämmerte ein Specht energisch an einen Baumstamm. Döring dachte sofort an einen Film von David Attenborough, der in der Dokumentation einen Specht ausgetrickst hatte. Peter hielt an, suchte sich zwei Stöcke und hämmerte mit ihnen an den Stamm einer Buche. Sofort antwortete der Specht mit seinen Klopfzeichen. Das Spiel wiederholte er einige Male. Der Vogel hielt ihn für einen Rivalen. Lachend setzte er seinen Weg zur Gaststätte fort.

„Hallo Jürgen. Hast du einen guten Rotwein für mich?“

„Ich habe nur Dornfelder. Hier trinkt sonst kaum jemand Wein. Wenn du aber eine Lieblingssorte hast, stell ich mich gerne darauf ein.“ Jürgen war ein sehr stiller aber zuvorkommender Wirt.

„Das ist aber nett. Den probiere ich. Wer weiß, vielleicht wird das mein neuer Lieblingswein.“

Das Lokal war zu diesem Zeitpunkt kaum besucht. Ein Mitarbeiter der Firma, wie Jürgen berichtete, saß seit 16 Uhr vor dem Spielautomaten. Der Wirt nahm sich ein Glas Cola und setzte sich zu Peter an den Tisch. Die beiden hatten zum ersten Mal Zeit sich ganz in Ruhe zu unterhalten.

„Du bist hier aufgewachsen, oder? Hattest du jemals Lust hier wegzugehen. Raus in die weite Welt?“, fragte Peter seinen Tischpartner.

„Als ich klein war. Ich habe meiner Mutter immer versprochen, dass ich ein berühmter Arzt werde und für sie dann ein Heilmittel gegen ihre Arthrose entdecke. Kinderkram. Die Realität sieht dann anders aus.“

„Warum Kinderkram. Du hast das beste Heilmittel entdeckt. Fürsorge. Viele hätten ihre alte Mutter in ein Heim abgeschoben und höchstens zum Geburtstag und zu Weihnachten besucht. Ich kann nur meinen Hut vor dir ziehen. Du hast dein Leben ganz deiner Mutter gewidmet. Helmut sagte mir, dass dein Vater schon früh gestorben sei.“

„Zu spät. Der Dreckskerl hat uns viel zu lange tyrannisiert. Mutti und ich sind alleine viel besser dran.“

Jürgens Augen waren hasserfüllt. Peter beschloss, ihn nicht weiter nach ihm zu fragen.

„Es gibt aber auch gute Schmerzmittel in der Natur. Mutti und ich haben ein Gewächshaus mit Kräutern. Wenn sie ihre Teemischungen regelmäßig trinkt, fühlt sie sich auch besser. Als ich klein war, haben wir immer zusammen 'drin gearbeitet. Jetzt sitzt sie im Rollstuhl, aber immer wenn ich hingehe, nehme ich sie mit. Wir besprechen dann, was zu tun ist.“

„Ich interessiere mich auch für Heilkräuter. Zeigst du mir es mal?“

Die beiden plauderten noch eine Weile, bis er sich auf den Heimweg machte.

Aus dem Schlaf gerissen

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