Читать книгу Weisheit der Wechseljahre - Christiane Northrup - Страница 69
Erkennen Sie Ihre Gefühle, indem Sie sie niederschreiben
ОглавлениеEs gibt eine Schreibtechnik, die einer Frau wirksam dabei helfen kann, ihre Aufmerksamkeit für diese Gefühle, die ungebeten an die Oberfläche drängen, zu schärfen, sie zur Kenntnis zu nehmen, zu identifizieren, auszudrücken und schließlich aktiv freizusetzen. Es ist eine Fertigkeit, die eine gewisse Übung erfordert, doch die Belohnung folgt auf dem Fuß – und es klappt immer besser, wenn Ihre Fähigkeiten durch Training wachsen. Und so geht man dabei vor:
Verpflichten Sie sich, Ihren Körper zu ehren und zu respektieren, indem Sie bereitwillig aus den Emotionen lernen, die ihn erfüllen, selbst wenn das nur bedeutet, ihm Ihre liebevolle Aufmerksamkeit zu schenken. Mit anderen Worten, seien Sie bereit, für Ihren Körper und seine Emotionen da zu sein, genauso, wie Sie für ein Kind oder jemanden da wären, den Sie lieben. Wenn Sie sich zum Beispiel plötzlich von Kummer oder Wut übermannt fühlen, halten Sie inne, und identifizieren Sie dieses Gefühl, statt einfach darauf zu reagieren. Nehmen Sie es zur Kenntnis. Sagen Sie sich selbst: »Ich bin traurig« oder »Ich bin wütend«.
Schauen Sie sich Ihren Kummer an, ohne zu versuchen, ihn zu heilen. Das Wesen eines guten Zuhörers – ob gegenüber sich selbst oder einem guten Freund – besteht einfach darin, sich oder anderen zu erlauben, Gefühle frei und ehrlich auszudrücken. Im Laufe der Zeit kann Ihre fürsorgliche Konzentration Schmerz in Mitgefühl verwandeln. Geben Sie sich Mühe, Ihre Gefühle zu identifizieren und bei ihnen zu sein, statt zu versuchen, sie zu ändern, sie abzuschütteln oder sie im hintersten Winkel zu verstecken. Wenn es Ihnen schließlich gelungen ist, sich auf diese Gefühle zu konzentrieren, nehmen Sie sich die Zeit, sie niederzuschreiben.
Wenn ich starke Gefühle empfinde, die mich auf meinem Weg innehalten lassen, hilft es mir fast immer, über diese Erfahrung zu schreiben, sobald ich Gelegenheit dazu finde.1 Ich setze mich dann an meinen Schreibtisch, zünde eine Kerze an, lege eine CD mit Barockmusik auf, atme dreimal ein und aus und beginne zu schreiben, notiere meine Gedanken wie eine gute Sekretärin. Wenn ein bestimmter Gedanke mit einem gewissen »Summen« oder einer gewissen Energie einhergeht, dränge ich mich selbst, tiefer zu gehen, und frage mich, was ich mit »traurig«, »wütend«, »gereizt« usw. meine. Nach 10 oder 15 Minuten weiß ich meist genau, was mir das betreffende Gefühl sagen wollte und auf welchen alten, untauglichen Vorstellungen es beruhte. Und mehr als nur das – ich stelle fest, dass das Niederschreiben meine Energie auf einen ganz neuen Ort richtet. Dann bin ich in der Lage meine Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes zu richten.