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Julia: Die wahre Berufung finden
ОглавлениеFür viele Frauen liegt der Schlüssel zu ihrer neuen Nische darin, die Interessen zu identifizieren, die sie stets hatten, aber niemals ganztägig verfolgt haben. Nach mehr als 30 Jahren im Geschäftsleben entschied sich Julia mit 54 Jahren, sich aus ihrem Beruf zurückzuziehen. Im Rückblick auf die vielen Jahre, in denen sie sich ehrenamtlich um ältere Menschen gekümmert hatte, stellte sie fest, dass diese Tätigkeit ein Traum war, den sie weiterverfolgen wollte. Statt sich mit ihrem Alter zu entschuldigen, absolvierte sie ein anspruchsvolles akademisches Programm, um sich auf ihre neue Arbeit vorzubereiten. Sie schrieb:
»Ich entschied mich, meine Stellung als Unternehmensberaterin aufzugeben und meinen Beruf zu wechseln. Ich verließ meinen alten Beruf mit einer klaren Vision: Mein Lebenswerk der Selbsterleuchtung, der kreativen Entwicklung und der Freude zu widmen, ein älterer Mensch zu sein und älteren Menschen dabei zu helfen, ihr physisches, mentales und spirituelles Wachstum zu verstärken. Ich knüpfte Kontakte zu Leitern von Tagesstätten und Programmmanagern, während ich weiterhin als ehrenamtliche Helferin warme Mahlzeiten zu betagten Leuten brachte, die an ihre Wohnung gefesselt waren. Im vergangenen Juni schloss ich die erforderlichen Kurse und medizinischen Praktika für meinen Master in gerontologischer Psychologie ab. Ich habe gelernt, dass ein Individuum nur durch den Prozess des Übergangs, mit weit geöffnetem Herzen und offenen Augen, erfolgreich wachsen kann, auch wenn dies manchmal außerordentlich schmerzlich sein mag. Nun fühle ich die Begeisterung und das Flattern im Bauch, das es mit sich bringt, meine Pläne in die Tat umzusetzen – tatsächlich zu tun, was ich studiert und worüber ich immer geredet habe! Meine Tochter sagt: ›Mama, wer wird dich in deinem Alter noch einstellen?‹ Mein Mann wünscht mir Erfolg. Ich weiß, dass ich unbegrenzte innere Ressourcen habe und dass ich mich wie neugeboren fühlen werde, wenn ich in diese neue Phase meines Lebens eintrete.«
Viele Frauen in der Lebensmitte entdecken, dass sie selbst zu einem neuen Menschen werden, wenn sie eine neue Lebensrichtung finden, und dadurch auch neue Freunde anziehen. Eine Patientin drückte das so aus: »Ich wurde interessanter. Ich hatte auf einer persönlichen Ebene mehr zu bieten – ich konnte über mehr reden als über Kinder und Fußballtraining und den beruflichen Erfolg meines Mannes. Dieses neue Ich ist jemand, den ich wirklich mag!«