Читать книгу 1000/24: Christoph Strasser und die Jagd nach dem perfekten Tag - Christoph Strasser - Страница 33
»Sorry Jungs…«
ОглавлениеAuch wenn hier beim RAN nun 98 Prozent reichen: Die Höhenmeter nehmen kein Ende; er wundert sich, dass das auf dem Papier unspektakuläre Streckenprofil, in die Realität übersetzt, das hergibt. Eine kleine Lücke in der Planung, die ohne Konsequenzen bleibt – diesmal. Er denkt nicht daran, wie schwer es Florian fallen wird, diesen Abschnitt zu bewältigen. Im Ziel ja, dann werden sie wieder dieselben sein, werden ihre Geschichten austauschen, als wären sie ein und dasselbe Rennen gefahren und nicht zwei gänzlich unterschiedliche.
Wenn so etwas erlaubt wäre, in Zeiten von Corona, würde Christoph dann einfach in der Menge der Feiernden untergehen und nur bei der Siegerehrung, mit seinem leicht beschämten Gesichtsausdruck, so als sei es seine Schuld und nicht sein Verdienst, kurz wieder im Mittelpunkt stehen. Florian würde ihn beklatschen, sich, ausnahmsweise als Konkurrent, ehrlich freuen und, noch wichtiger, schon das nächste Bier bereithalten, vielleicht auch etwas Härteres, und auch der erste, der zweite und jeder andere Verfolger wäre willkommen, mit anzustoßen. So würde es sein und so wird es wieder sein, denn so ist die Szene, auch wenn von Zeit zu Zeit einer hart daran arbeitet, das zu ändern. Wenn es nach Christoph Strasser geht, ist das Ziel gleichzeitig der Schlusspfiff des überlangen Egotrips, bei dessen Ertönen er am liebsten sagen würde: »Sorry Jungs, dass ich euch schon wieder geschlagen habe…!« Das sagt er natürlich nicht tatsächlich, ist hin und wieder aber knapp dran.
»Manchmal spüre ich beinahe das Bedürfnis, mich zu entschuldigen, wenn ich beispielsweise sehe, wie ein guter Kollege wie Patric Grüner beim RAA dreimal in Folge Zweiter hinter mir wird und bei der Siegerehrung dann so unglücklich neben mir steht. Er hat genauso hart gekämpft und im Rennen alles gegeben, trotzdem war er – wieder – nicht vor mir. Da bin ich ziemlich empathisch, aber andererseits denke ich auch immer an Jure Robič zurück, der zu Lebzeiten bis auf eine einzige Ausnahme beim RAAM 2009 jedes Rennen, bei dem er das Ziel erreichte, auch gewinnen konnte. Sich mit ihm zu messen, war auch für seine damaligen Konkurrenten eine geniale Erfahrung. Keiner war Jure böse, weil er nicht an ihm vorbeikam, es war vielmehr ein Ansporn, das eigene Training zu verbessern und an sich zu arbeiten, um sich ihm eines Tages wenigstens anzunähern. Insofern hoffe ich auch, dass ich durch meine Ergebnisse die anderen motivieren, den Sport insgesamt weiterbringen und Menschen dazu begeistern kann, sich einmal an einem Radrennen zu versuchen. Nicht andere Fahrer zu frustrieren, sondern zu zeigen, was möglich ist, ist mein Antrieb.«