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Russische Spionage und Aktionen der Destabilisierung
Hat sich Russland zum Nutzen von Donald Trump in die amerikanische Präsidentschaftswahl 2016 eingemischt (Russiagate)?
Die Einflusskampagne in den sozialen Netzwerken
ОглавлениеDie Nutzung der sozialen Netzwerke (besonders Facebook und Twitter), um die Wahl von Donald Trump zu begünstigen, wurde häufig von den Demokraten als Grund für Hillary Clintons Niederlage angeführt. Die »Experten« haben die in Sankt Petersburg ansässige Internet Research Agency (IRA) als den Schuldigen ausgemacht. Sie wird angeblich von Jewgeni Prigoschin, genannt »Koch des Kremls«, geleitet. In Wirklichkeit weiß man nichts Genaues. Im Jahr 2019 ist die IRA Thema einer Fernsehreportage auf France 24, welche eine russische Bedrohung für die Europawahlen aufzeigen soll. Die Reportage ist offensichtlich tendenziös und hält sich nicht an die Münchner Charta (eine Art hippokratischer Eid für Journalisten) …
Rufen wir uns in Erinnerung, dass die beiden Präsidentschaftskandidaten von 2016 zusammen 81 Millionen US-Dollar auf Facebook ausgegeben haben, die Ausgaben der Russen sollen weniger als 50 000 US-Dollar betragen.[199] Abgesehen davon, dass weder Google noch Facebook in der Lage waren, eine erwiesene Verbindung zwischen »Posts« (das heißt Internet-Beiträgen) und der russischen Regierung herzustellen, und dass einige dieser »Posts« für Obama warben, hat Facebook festgestellt, dass 10 Millionen Menschen mindestens eine von den Russen bezahlte Werbung gesehen haben, 44 Prozent von ihnen vor den Wahlen und 56 Prozent danach, während etwa 25 Prozent für private Profile bestimmt waren und nie von jemandem angeschaut wurden.[200]
In einem Bericht, der von dem Senate Select Committee on Intelligence (SSCI), einem Ausschuss des US-Senats, in Auftrag gegeben wurde, stellt die Firma New Knowledge fest, dass nur 11 Prozent der »Posts«, die der IRA zugeschrieben werden, einen politischen Inhalt besaßen. Die »Posts«, in denen Clinton oder Trump genannt wurden, machten nur 6 Prozent der Tweets, 18 Prozent der »Posts« bei Instagram und 7 Prozent der »Posts« auf Facebook aus.[201]
Abbildung 3 – »Posts« zu den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten 2016. Ihre geringe Anzahl scheint dafür zu sprechen, dass es sich nicht um eine politische, sondern um eine kommerzielle Aktion handelte. [Quelle: The Tactics & Tropes of the Internet Research Agency, University of Nebraska/US Senate Documents]
Folglich hatte die Aktion »der Russen« so gut wie keinen Einfluss auf die Wähler. Und zusätzlich waren etwaige Verbindungen zur russischen Regierung reine Spekulation. Tatsächlich stellen New Knowledge und der investigative Journalist Aaron Maté fest, dass die Strategie der IRA in Wirklichkeit eher an Internet-Marketing als an eine Einflussstrategie erinnert.[202] Es handelte sich um eine recht einfache Konstruktion, die mit »Anklick-Fallen« arbeitete, gedacht, um Geld zu verdienen, und nicht um eine aufwendige Propaganda-Operation. Was die »Hacker-Angriffe« angeht, auf die die offiziellen Anschuldigungen gegen Russland gründen, so ist die Firma Wordfence (sie hat die Daten des Ministeriums für Innere Sicherheit DHS und des FBI ausgewertet) zu dem Ergebnis gekommen:[203]
»Die von der DHS gelieferten IP-Adressen könnten von einem Staat wie Russland für einen Angriff genutzt worden sein. Aber sie scheinen keine Verbindung zu Russland zu haben. Die Adressen werden möglicherweise von einem großen Spektrum feindseliger Akteure genutzt, insbesondere die 15 Prozent, die TOR-Knoten sind.
Die Auswahl an Malware (das heißt. Schadsoftware) ist veraltet, wird vielfach verwendet und scheint ukrainisch zu sein. Es gibt keine sichtbare Verbindung zu den russischen Sicherheitsdiensten, und die Malware wäre für jede Internetseite ein Anzeichen der Kompromittierung.«
Als Krönung des Ganzen verkündet die New York Times im März 2020, dass das FBI alle Klagen gegen die russischen Hacker und die IRA zurücknimmt[204] … Also Pustekuchen: Die Anschuldigungen und Verschwörungen, die unsere »Experten« so sorgfältig herausgearbeitet haben, entpuppen sich als haltlos.
199
Josh Constine, »Trump and Clinton spent $81M on US election Facebook ads, Russian agency $46K«, TechCrunch, 11.2017
200
Daisuke Wakabayashi, »Google Finds Accounts Connected to Russia Bought Election Ads«, The New York Times, 9.10.2017
201
Renee DiResta et al., »The Tactics & Tropes of the Internet Research Agency«, University of Nebraska/US Senate Documents, 10.2019
202
Aaron Maté, »New Studies Show Pundits Are Wrong About Russian Social-Media Involvement in US Politics«, The Nation, 28.12.2018
203
Mark Maunder, »US Govt Data Shows Russia Used Outdated Ukrainian PHP Malware«, Worldfence, 30.12.2016
204
Katie Benner & Sharon LaFraniere, »Justice Dept. Moves to Drop Charges Against Russian Firms Filed by Mueller«, The New York Times, 16.3.2020 (aktualisiert am 7.5.2020)