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Beispiel: Die Schlüsselwortmethode
ОглавлениеBei der Schlüsselwortmethode geht es darum, das Erlernen der Verknüpfung zwischen einer Fremdsprachenvokabel und ihrer muttersprachlichen Bedeutung zu erleichtern. Sie besteht aus zwei »Brücken«, einer akustischen und einer bildlichen.
Angenommen, es soll die englische Vokabel »Bean« (Bohne) gelernt werden. Der erste Schritt bei der Schlüsselwortmethode besteht nun darin, ein sogenanntes Schlüsselwort zu finden, d. h. ein Wort der Muttersprache, das eine hohe Klangähnlichkeit mit der englischen Vokabel aufweist. Für »Bean« ließe sich z. B. das klangähnliche deutsche Wort »Biene« hierfür auswählen. Ist ein solches Schlüsselwort als akustische Brücke zwischen englischer Vokabel und deutscher Bedeutung gefunden, dann wird im zweiten Schritt eine bildhafte Vorstellung zwischen Schlüsselwort und der Wortbedeutung (der Sematik) des Fremdwortes hergestellt. In unserem Falle kann man sich das Bild einer Biene ausmalen, die vergnüglich auf einer Bohne sitzt. Das ist die bildliche Brücke.
In der Prüfsituation »Was heißt ›Bean‹?« wird über die Klangassoziation zur Biene das Vorstellungsbild einer Biene und damit die bildliche Brücke aktualisiert und genau das, was an dem Bild »merkwürdig« ist – also, dass die Biene auf einer Bohne sitzt – ist die gesuchte Übersetzung. Die Behaltenserleichterung ergibt sich daraus, dass die imaginale, die bildhafte Repräsentation der auf einer Bohne sitzenden Biene, zur verbalen hinzukommt.
Die strukturierenden Strategien (Mayer, 2003a) zielen auf die internen Verknüpfungen und Strukturen des Lernmaterials. Dabei geht es darum, aus der Vielzahl von Informationen die relevanten herauszusuchen und in einer verstehens- und behaltensförderlichen Weise aufeinander zu beziehen. Strukturierungsstrategien dienen der Reduktion der zu lernenden Inhalte auf das Wesentliche und führen dadurch zu einer besseren Organisation der Lerninhalte. Durch derartige Strategien werden die oft unverbundenen oder nur schwach strukturierten Informationsfluten bei komplexen Lernanforderungen zu größeren Sinneinheiten zusammengefasst und gruppiert, was ihre Bearbeitung angesichts der nur begrenzt verfügbaren Arbeitsgedächtniskapazität erheblich erleichtert.
Eine in der Grundlagenforschung häufig untersuchte Strukturierungsstrategie ist das Kategorisieren von Informationen nach semantischen Merkmalen (Hasselhorn, 1996). Aus angewandter Perspektive sind die besonders beim Textlernen erfolgreichen Strategien der Konstruktion mentaler Modelle bzw. netzartig geordneter Wissensstrukturen (Mapping) oder des Anfertigens zusammenfassender Exzerpte (Outlining) zu erwähnen. Bei diesen Strategien geht es darum, die Informationen eines gelesenen Textes (oder eines gehörten Vortrages) in Form von Flussdiagrammen oder anderer Skizzen in ihren hierarchischen, zeitlichen und/oder funktionalen Beziehungen darzustellen.