Читать книгу Pädagogische Psychologie - Marcus Hasselhorn - Страница 93

Metakognitive Strategien

Оглавление

Je höher die Ansprüche und Anforderungen des Lernens ausfallen und je anspruchsvoller die damit verbundenen Lernziele sind, desto schneller stößt die Nutzung der beschriebenen kognitiven Strategien an ihre Grenzen. Der flexible, kritische und reflektierte Umgang mit kognitiven Strategien gewinnt mit zunehmender Komplexität der Lernanforderung an Bedeutung. Als Schlüssel eines kritisch-reflektierten Lernens gelten übergeordnete Strategien der Planung, Überwachung, Bewertung und der darauf basierenden Regulation des eigenen Lernprozesses. Diese werden als metakognitive Strategien bezeichnet, da sie auf die Steuerung und Kontrolle der kognitiven Strategien ausgerichtet sind (Brown, 1978; Borkowski & Turner, 1990; Kap. 6.4). Kritisch-reflexivem Lernen liegt ein Wechselspiel metakognitiver Prozesse zugrunde, das sich je nach Phase des Lernprozesses, in dem sich die lernende Person gerade befindet, unterschiedlich ausgestaltet.

Die Planung steht am Beginn einer Aufgabe, ist also essentiell für die frühen Phasen eines Lernprozesses. Dazu gehört zum einen die Feststellung, welches Ziel überhaupt angestrebt wird, und zum anderen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Karl Christof Klauer (2000) hat eine hilfreiche Unterscheidung für die Zielfestlegung vorgeschlagen, indem er zwischen den eigentlichen Planungszielen (primäre Ziele) und den sogenannten Effizienzzielen des Lernens (sekundäre Ziele) differenziert. Effizient ist, wer mit den vorhandenen Ressourcen so schonend wie möglich umgeht, indem er Pläne verfolgt, die möglichst viele primäre Ziele auf einmal fördern. So könnte ein primäres Ziel z. B. darin bestehen, einen Text über den Niedergang der Weimarer Republik für eine angekündigte Klausur im Fach Geschichte durchzuarbeiten, während ein assoziiertes sekundäres Ziel sein mag, dafür nicht mehr als drei Stunden Arbeitszeit investieren zu müssen und (dennoch) eine gute Benotung zu erhalten. Günstig ist es, seine Ziele möglichst konkret zu fassen, also Kriterien für die Zielerreichung bzw. für deren relativen Ausprägungsgrad festzulegen. So macht es einen Unterschied, ob ein Leseziel schon als erreicht gilt, wenn alle Seiten gelesen wurden oder erst dann, wenn man die Inhalte eines Textes mit eigenen Worten wiedergeben kann.

Ebenso gehört zur Planung eine Vorstellung darüber, wie das gesetzte Ziel erreicht werden kann. Dazu bedarf es einer Auswahl von Strategien und der Festlegung einer bestimmten Reihenfolge des strategischen Vorgehens (»Erst werde ich den Text überfliegen, dann werde ich ihn abschnittsweise lesen und mir Notizen machen, anschließend …«). Genauso müssen die eigenen Ressourcen eingeschätzt und geplant werden. Eine lernende Person kann sich z. B. überlegen, wie viel Zeit ihr zur Verfügung steht oder wie lange ihre Konzentration erfahrungsgemäß reicht. Beim Planen geht es also darum, sowohl das Ziel als auch die Aufgabenanforderungen zu antizipieren und dementsprechend einen Handlungsplan zu entwerfen.

Überwachung bezieht sich nicht nur auf die Feststellung von Ist-Soll-Diskrepanzen, sondern auch auf die Korrektur einer Aufgabenbearbeitung bzw. auf das kritische Begleiten des eigenen Bearbeitungsfortschritts. Hacker (1998) sieht eine wesentliche Funktion der Überwachung darin, Informationen über den bereits erreichten Lernstand bzw. das erreichte Verständnisniveau zu sammeln. Dazu gehört auch, die zu bearbeitende Aufgabe in ihrer Zielvorgabe genau zu identifizieren, die Weiterentwicklung bei der Aufgabenlösung zu beobachten und vorherzusagen, welches Ergebnis wohl erzielt werden wird, wenn der Arbeitsprozess so wie bisher fortschreitet. Durch die Überwachung angeregt, werden Prozesse der Regulation ausgelöst, die das Verstehen und Behalten steuern. Im Ergebnis tragen diese Regulationsprozesse dazu bei, die Ressourcen für eine Aufgabenbearbeitung klarer zu definieren, eine konkrete Abfolge von Schritten für die Bearbeitung festzulegen und die Intensität und Geschwindigkeit des strategischen Vorgehens genauer zu bestimmen (Hacker, 1998). Es leuchtet ein, dass die Handlungsüberwachung und die Handlungssteuerung sehr eng zusammenhängen und auch voneinander abhängig sind. Nur wem beim Lesen überhaupt auffällt, dass die eigenen Gedanken ständig vom Text abschweifen, kann sich bewusst vornehmen, konzentrierter zu arbeiten, oder aber dazu entschließen, eine Aufgabenbearbeitung abzubrechen bzw. auf später zu verschieben.

Die Bewertung erfolgt nach Beendigung einer Lernaufgabe. In enger Bezugnahme auf den vorangegangenen Planungsprozess wird nun beurteilt, ob die Ergebnisse mit den gesetzten Zielen übereinstimmen. Gleichzeitig ist auch von Relevanz, ob der Lernprozess so wie vorgestellt abgelaufen ist. Waren die vorher ausgewählten Strategien wirklich hilfreich gewesen oder zeigte es sich schon während der Aufgabenbearbeitung, dass einige Strategien nicht zum erwünschten Effekt führten? Konnte der selbst gesetzte Zeitplan eingehalten werden, oder war die eingeplante Zeit gar zu großzügig bemessen? Schraw und Moshman (1995) haben darauf hingewiesen, dass die Reflexion solcher Fragen auch Auswirkungen auf die Art der Bearbeitung zukünftiger Aufgaben hat. So trägt auch das Bewerten zu einer ständigen Verbesserung und Verfeinerung des Lernprozesses und zur strategischen Expertise bei.

Pädagogische Psychologie

Подняться наверх