Читать книгу American Christmas - Petrina Engelke - Страница 23

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Die Mischung aus »friends« und »thanksgiving« sagt es bereits: Bei dieser Feier ersetzen Freund*innen die bucklige Verwandtschaft. Man trifft sich zu Friendsgiving um oder an Thanksgiving zu einem großen Mahl, zu dem jeder Gast eine Speise beisteuert – potluck heißt diese Art der Arbeitsteilung.

Viele der klassischen Beilagen für ein Thanksgiving-Dinner lassen sich gut vorab zubereiten, verpacken und mitbringen. Nur das Truthahnbraten fällt stets den Gastgeber*innen zu – ein kochend heißer, mehrere Kilogramm schwerer Vogel lässt sich eben nur schwerlich von Haus zu Haus verfrachten. Dieser Braten – oder seine Alternative – belegt dann aber auch den Ofen und die Küche. Deshalb gilt es als sehr unhöflich, zum Friendsgiving mit noch ungegarten Zutaten vor der Tür zu stehen.

Um zu vermeiden, dass drei von vier Gästen Mac and Cheese zubereiten, verschicken so manche Gastgeber*innen gleich mit der Einladung eine Liste. Dort tragen die Gäste die vorgesehenen Gerichte ein. Sie bringen oft auch zusätzliche Servierschüsseln, Geschirr, Stühle und Dekoration mit. Bei den Getränken stehen Wein und Bier im Vordergrund, seltener Cocktails. Viele finden es zudem wichtig, mindestens ein leckeres alkoholfreies Getränk einzuplanen – generell findet sich in den USA oft eine diskrete Rücksicht auf Schwangere und trockene Alkoholsüchtige.

Das alles klingt nach einem lang erprobten Brauch. Doch der Begriff Friendsgiving erscheint erst im Jahr 2007 in sozialen Netzwerken, erhält aber zunächst wenig Aufmerksamkeit. Der Wandel kommt mit einer auf Friendsgiving bezogenen Werbung für Baileys, einen irischen Sahnelikör, Ende 2011. Zur gleichen Zeit veranstalteten die Real Housewives of New Jersey in der gleichnamigen Kult-Reality-Show ein Friendsgiving. In den wenigen Jahren, die seither vergangen sind, hat sich das Konzept nicht nur durchgesetzt, sondern bereits gewandelt: von der Alternative zu Thanksgiving zum Extrafesttag. Viele feiern ihn am Wochenende vor Thanksgiving – mit der Option, gleich etwas für den Familienfeiertag mit vorzukochen. Für diejenigen, die zu Thanksgiving nicht zu ihrer Familie reisen können oder wollen, ist Friendsgiving eine Möglichkeit, trotzdem in schöner Runde zu feiern. Hinzu kommt, dass sich von Generation zu Generation das Einkommen verändert hat: Ein ausladendes Festessen können sich viele jüngere US-Bürger*innen nicht leisten, ein Potluck-Dinner dagegen verteilt die Last. Andere proben die Rolle als Gastgeber*in lieber erst mal mit nachsichtigen Gleichaltrigen, ehe sie sich Omas Urteil stellen. Das kann auch gründlich schiefgehen. Doch Geschichten von Truthähnen, die nach drei Football-Spielen noch roh sind, binden manche Freund*innen erst zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Die rettenden Kartoffelchips bleiben natürlich ihr Geheimnis.

American Christmas

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