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2.6.2 Therapeuten können Sprache nicht vermeiden

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Symbolische Beziehungen bestehen überall und sind für den Menschen von zentraler Bedeutung. Therapeuten können auch dann das Thema Sprache und Kognitionnicht vermeiden, wenn Sprache kein Schwerpunkt der verwendeten Behandlungsmethode ist. Es gibt Psychotherapiemethoden, die anstreben, Emotionen und Erfahrungen jenseits von Sprache zu erreichen. Die Relational Frame Theory erklärt, warum das möglicherweise eine gute Idee ist. Aber der Ansatz ist nicht deshalb gut, weil er Sprache und Kognition vermeidet, denn symbolische Beziehungen sind nicht nur »Worte« – es sind Beziehungen, die tief verflochten mit allem sind, was für Menschen bedeutungsvoll ist: Bilder, Erinnerungen und Körperwahrnehmung. Das Bewusstsein selbst beinhaltet symbolische Beziehungen. Symbolische Beziehungen bauen auf einer großen Zahl körperlicher und behavioraler Funktionen auf. Gleichzeitig ist der Mensch nicht nur durch symbolisches Handeln oder Exekutivfunktionen definiert. Dennoch können keine Therapiemethode und kein Versuch, menschliches Verhalten zu verändern, ohne eine gute Theorie über die Herstellung symbolischer Beziehungen erfolgreich sein.

Symbolisches Verhalten ist zunächst aus dem Kontingenzlernen hervorgegangen. Trotzdem nimmt es einen starken Einfluss auf alle Formen von Lernen. Symbolische Beziehungen können darüber entscheiden, was als Konsequenz, was als diskriminativer oder unbedingter Stimulus wirkt. Lassen Sie uns nochmals auf eines unserer Beispiele zurückkommen. Eine Person lernt, dass P > Q > R ist. Nun erhält die Person jedes Mal, wenn Q erscheint, einen unangenehmen elektrischen Reiz. Was wird wohl geschehen, wenn P erscheint? Wir kennen die Antwort: Die Person wird stärker reagieren, wenn P erscheint, als wenn Q erscheint, obwohl bei P niemals ein unangenehmer Reiz vorhanden war (Dougher et al., 2007). Diese Ergebnisse machen deutlich, dass kein noch so umfassendes Wissen über verhaltenswissenschaftliche Prinzipien ausreicht, um die menschlichen psychischen Funktionen zu verstehen, wenn symbolische Beziehungen nicht berücksichtigt werden. Das, was Menschen erlebt haben, ist wichtig – gleichzeitig können Therapeutinnen menschliches Verhalten nicht ausreichend verstehen, wenn sie nur die 520 Millionen Jahre alten Prozesse (operante oder klassische Konditionierung) oder solche, die noch älter sind (Habituation) berücksichtigen. Probleme bei Patienten beinhalten typischerweise eine Interaktion von symbolischem Verhalten und anderen erlernten und ungelernten Prozessen. Psychologische Diagnostik und Psychotherapie müssen also diese Wechselwirkungen berücksichtigen und konstruktiv in den therapeutischen Prozess einbeziehen.

Sprache als psychotherapeutische Intervention

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