Читать книгу Picky Eaters - Tatje Bartig-Prang - Страница 33
»BLIND« UND »DOPPELBLIND«
Оглавление»Blind« heißt eine solche Studiengattung, weil die Forscher nicht wissen dürfen, zu welcher Gruppe welche Teilnehmer gehören, um nicht die Ergebnisse durch bewusste oder unbewusste Einflussnahme zu verfälschen. »Doppelblind« bedeutet, dass weder die Wissenschaftler, noch Eltern und Kinder wissen dürfen, zu welcher Gruppe sie gehören. So wird ausgeschlossen, dass sich die fehlernährten Kinder vielleicht nur deshalb schlecht fühlten, weil sie und ihre Familien das durch die Zuteilung zu Gruppe 1 schon erwarteten. Ein solcher Studienaufbau würde aus all diesen Gründen glücklicherweise von keiner Ethikkommission zugelassen werden. Aber woher wissen wir dann zum Beispiel sicher, dass Kinder durch eine zu hohe Energiezufuhr dick werden? Da gab es ja auch keine Doppelblindstudie, in der die einen Wasser und Möhrchen, die anderen Cola und Pommes frites bekommen haben: Glücklicherweise gibt es auch andere Wege, um sehr sichere wissenschaftliche Erkenntnisse zu erhalten. Zum Zusammenhang zwischen einer Gewichtszunahme und einer zu hohen Energiezufuhr gibt es so viele verschiedene große Studien, dass wir mit großer Sicherheit ausschließen können, dass allen derselbe Fehler im Studiendesign zugrunde liegt. Zusätzlich stehen uns Daten zur Verfügung, die im Feld – also in der echten Welt – überprüft wurden, etwa während Einsätzen von internationalen Hilfsorganisationen bei Hungersnöten.
Außerdem wissen wir aufgrund physikalischchemischer Gesetzmäßigkeiten, dass Energie weder spurlos verschwinden noch aus dem Nichts entstehen kann. Auch daraus können wir mit großer Gewissheit ableiten, dass zu viel Futtern dick macht.
Wenn wir allerdings spezielle Zusatzfaktoren mit einbeziehen, sieht die Sache schnell anders aus: Falls wir also die Idee überprüfen möchten, ob Fernsehen dick macht, könnten wir untergewichtige, normalgewichtige und übergewichtige Kinder nach ihrem Fernsehverhalten befragen und dann schauen, ob die Übergewichtigen mehr vor der Flimmerkiste sitzen als die anderen.
Dann haben wir ein Ergebnis, das wir aber nicht ohne Weiteres verwerten können, denn wir wissen immer noch nicht, ob wir nicht einem sogenannten Störfaktor aufgesessen sind. Eben weil wir die Kinder nicht zufällig in zwei Gruppen geteilt haben, von denen die eine ferngesehen hat und die andere draußen gespielt, können wir nicht wissen, ob in den Familien, die ihre Kinder jeden Tag vor dem Fernseher parken, gleichzeitig eher eine zu energiereiche Ernährungsweise gepflegt wird. Während dieser Störfaktor recht gut zu erkennen ist, gibt es viele andere, die sich deutlich besser verstecken.