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Wechseljahre: Die Mutter aller Weckrufe

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Für viele Frauen können die Wechseljahre so etwas wie »PMS mal zehn« sein, wie eine Patientin ihre Empfindung beschrieb – und das gilt besonders für diejenigen Frauen, die aus dem einen oder anderen Grund den Alarmknopf abgestellt haben, statt auf ihre monatlichen bzw. jährlichen Weckrufe zu reagieren.

Damit sollen die direkten körperlichen Effekte der sich verändernden Hormonspiegel nicht in Abrede gestellt werden. Man kann sich jedoch ziemlich sicher sein, dass sich alle unangenehmen Symptome, die sich zu Zeiten hormoneller Veränderung zeigen, verstärken und länger andauern, wenn eine Frau eine schwere emotionale Last mit sich herumträgt. 2010 erschien in den Niederlanden eine Studie zu Frauen in den Wechseljahren. Sie besagte, dass je mehr Wut und Ärger die Frauen empfanden, desto mehr körperliche Beschwerden hatten sie während des Tages.3 (Dieser Effekt zeigte sich besonders bei Frauen mit Fibromyalgie.) Diese Symptome reflektieren die Weisheit des Körpers, der die Frau immer wieder dazu drängt, sich um die ungelösten Probleme in ihrem Leben zu kümmern. Während der reproduktiven Jahre einer Frau wird eine Art »Schuldenkonto« eingerichtet, auf dem sich bereits vorhandene und zukünftige Probleme anhäufen, und mit jedem Monat, der vergeht und in dem die Schuld nicht beglichen wird, werden Überziehungszinsen fällig.

Eine Frau, die bis zum Beginn ihrer Menopause im Mittel schätzungsweise rund 480 Menstruationsperioden und 40 Jahreszeitzyklen erlebt, erhält daher etwa 500 Fortschrittsberichte. Wie steht es um ihre körperliche Gesundheit und ihre Ernährung? Wie um ihre Gefühle? Was passiert in ihrer Beziehung und in ihrem Beruf? Es hat annähernd 500 Gelegenheiten gegeben, diese Probleme zu lösen ... oder sie unter den Teppich zu kehren. In den Wechseljahren eskaliert dieser Prozess. Das ernsthafte, geradeaus denkende innere Selbst, das jahrelang versucht hat, unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen, macht einen letzten hormonell übermittelten Versuch, uns dazu zu bringen, uns mit unseren über die Jahre angesammelten Bedürfnissen, Wünschen und Sehnsüchten zu befassen.

Das führt wahrscheinlich zu einer Phase starken emotionalen Aufruhrs, denn dann ringt jede Frau darum, sich ein neues Leben zu schaffen, eines, das zu ihrem sich entpuppenden Selbst passt. Äußerlich und innerlich ist diese Phase ein Spiegelbild der Pubertät, einer Zeit, als unser Körper und unser Gehirn ebenfalls bedeutende hormonelle Verlagerungen durchmachten, die uns die Kraft gaben, uns von unseren Familien zu lösen und die Person zu werden, die zu werden wir bestimmt waren. In den Wechseljahren nehmen wir den Faden da wieder auf, wo wir ihn in der Pubertät fallen gelassen haben. Es ist nun an der Zeit, das Werk zu vollenden.

Kaum überraschend hat die Forschung dokumentiert, dass Frauen, die unangenehme – oder sogar schwere – PMS-Symptome erleben, häufig auch ein turbulentes Klimakterium mit physischen und psychischen Symptomen haben, die zunehmend schwerer zu ignorieren sind.4

Wenn eine Frau in die zweite Hälfte ihres Lebens eintritt, bedeutet das für sie nicht nur ein Ringen mit ihrer eigenen Abneigung gegen Konflikte und Konfrontation, sondern auch mit der Sicht unserer Kultur, wie Frauen »sein sollten«. Die innere Weisheit des Körpers bekommt ihre letzte, beste Chance, die kulturell errichteten Barrieren zu durchbrechen, während sie Licht auf noch ungelöste Probleme im Leben einer Frau wirft. In dieser Situation ist es dann Sache jeder einzelnen Frau, der Weisheit ihres Körpers auf halbem Wege entgegenzukommen.

Weisheit der Wechseljahre

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