Читать книгу Stojan räumt auf - Norbert Möllers - Страница 22
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„Hast du etwas herausgefunden?“ Stojan war neugierig. „Du wolltest über eventuelle Vorgänger recherchieren. Falls es zu unserem Giovanni welche gibt.“ Stojan war obendrein ungeduldig. Aber Jankowski hatte es ihm angeboten.
„Macht mir nichts aus, kann ich von zu Hause aus regeln. Ich muss nur ein paar Suchmaschinen mit den richtigen Daten füttern, den Rest erledigen die dann selbst“, hatte er gesagt. Folglich war sein Telefonat keinesfalls unverschämt.
„Ich weiß nicht, kann sein. Vier vergleichbare Raubüberfälle auf Lagerhallen hat es in den Jahren zuvor gegeben. 2012 in der Nähe von Weimar, 2013 in Georgsmarienhütte und Rinteln, Anfang 2014 in Gießen. Anfang 2016 gab es einen etwas anders gelagerten Fall in Bad Hersfeld. Da ist zwar ebenfalls eine Halle geleert worden, aber am nächsten Tag stand der gestohlene Kleinlaster samt den geraubten Fernsehern und Hi-Fi-Geräten noch brav auf dem Gelände. Da ist etwas schiefgelaufen. Täter wurden keine gefasst. In den anderen Fällen gab es keine Festnahmen und nur kurze Überprüfungen von einschlägig vorbestraften Herrschaften. Ich habe ein paar Ausdrucke hier, oder soll ich dir den Krempel in eine Mail packen?“ In der Leitung raschelte es.
Stojan überlegte. Zögerte.
„Pass auf!“, machte Jankowski weiter. „Die Überfälle zwischen 2012 und 2014 weisen Ähnlichkeiten auf: Bei allen handelte es sich um Lagerhallen auf weitläufigen Gewerbegebieten, alle fanden mit großer Wahrscheinlichkeit im Dunklen statt. Immer ging es um Elektronikteile, immer waren Autobahnauffahrten nicht weit weg. Bei den ersten vier Fällen gab es kaum verwertbare Spuren. Aber man war sicher, dass es sich wenigstens um drei Täter gehandelt hatte. Sowohl der jeweilige Zeitpunkt als auch die Durchführung ließ auf exakte Planung und professionelle Abwicklung schließen.
Demgegenüber ist in Bödefeld doch einiges danebengegangen. Hier war der Weg zur Autobahn deutlich länger. Bödefeld war die einzige Halle mit einem Wachmann. Nur in Bödefeld wurde geschossen, nur hier gab es Personenschaden. Und nur hier gab es eine Verhaftung und eine Verurteilung.“
Stojan schaltete sich ein. „Wir wissen ja gar nicht, wohin die Ware damals gekarrt wurde. Ich habe die Akte noch nicht ganz durch. Vielleicht hatten die es nicht weit, brauchten keine langen Wege bis zu ihrem Umladeplatz. Giovanni kam aus der Gegend. Und, seien wir ehrlich, Giovanni Amuso war nicht der Hellste unter der Sonne. Man hat damals wenig Zeit verschwendet, ihn mit anderen Straftaten in Verbindung zu bringen. Wenn ich mich recht erinnere. Vielleicht waren er und seine Komplizen Nachahmungstäter, mag sein. Es muss ihnen gelungen sein, einen sicheren Unterstand in der Nähe des Tatorts zu erreichen. Sobald es hell wurde, ist die Umgebung von Meschede im Umkreis von fünfzig Kilometern abgesucht worden nach verdächtigen Schuppen, Garagen, Hallen. Ohne Ergebnis. Die Ringfahndung blieb erfolglos. Bis die ersten Straßenkontrollen installiert waren, ist Zeit vergangen.
Die nächste Autobahnauffahrt liegt vom Tatort zwanzig Kilometer entfernt. Es gab keine brauchbaren Zeugenaussagen. Die Ermittlungsbehörden sind zunächst davon ausgegangen, dass eine professionelle Hehlerbande mit besserer Logistik übernommen hat. Dagegen spricht, dass man den Transporter nicht vernichtet hatte. Auf einmal ging es um Raubmord, eine neue Qualität. Da würde man doch versuchen, sämtliche Spuren so gründlich wie möglich zu vernichten.“
„Sehe ich genauso.“
„Wenn Giovanni und seine, ich nenne sie jetzt mal so, Freunde, nichts mit den anderen Fällen zu tun hatten, warum gab es aber danach keine vergleichbaren Fälle mehr?“, beharrte Stojan auf seiner Idee.
„Zufall? Der Tote? Da schreckt die ganze Szene zusammen“, warf Jankowski ein. „Hat Angst, dass man ihnen einen Mord in die Schuhe schiebt. Ich weiß es nicht. Oder eine Bande aus dem befreundeten Ausland? Die weitergezogen ist?“
„Wieso befreundet?“ Das verstand Stojan jetzt nicht.
„Meinetwegen nicht befreundet. Aus Nordkorea, einverstanden? Mit denen sind wir nicht befreundet, oder?“ Stojan entrang sich ein Seufzen. Mehr Beifall hatte er für Jankowskis Ausritt nicht übrig. „Danke, im Moment, glaube ich nicht, aber man weiß ja nie. Du denkst an die üblichen Verdächtigen: Rumänen, Albaner, Russen und so weiter? Eventuell im Auftrag für irgendwelche Mittelsmänner?“
Stojan machte eine Pause. Ließ Jankowski aber nicht dazwischen. „Kann was dran sein. Aber warum hat das Giovanni nicht gesagt? Es hätte andere Schuldige gegeben, auf die er wenigstens die tödlichen Schüsse hätte abladen können.“
Die nächste Pause nutzte Jankowski. „Ich geh´ übermorgen angeln, mein freier Tag. Hast du Lust? Wir können dann gerne über den Fall plaudern.“
Jankowskis Einschub wurde verstanden. Im Moment gab es bei ihm nicht mehr zu holen. „Danke, lass mal, ich habe einiges zu tun, die Akte, du weißt. Aber gerne demnächst mal wieder. Petri Heil!“
Es war schon erstaunlich, wie seine Leute immer noch zu ihm standen, dachte er und stellte sein Telefon in die Station. Er durfte nur nicht das Gefühl erwecken, er nutze sie aus für seine Spinnereien. Er hatte Respekt vor ihrer Arbeit, auch wenn es ihm manchmal schwerfiel, ihre Prioritäten zu akzeptieren. Aber Sonja und Jankowski waren im Gegensatz zu ihm ja keine Hobbyermittler, sondern der jeweils aktuellen Verbrechensaufklärung verpflichtet. Und wenn ihr Vorgesetzter und jetziger Dienststellenleiter erfuhr, dass sie sich auf Geheiß seines Vorgängers um alte Fälle kümmerten, konnte das Ärger nach sich ziehen. Da traf es sich ausgezeichnet, dass ihr neuer Chef nicht von dem Ehrgeiz zerfressen war, alles mitzubekommen.
Stojan durfte nicht vergessen, gelegentlich mal beiläufig zu erwähnen, dass er diesen Tim Soundso mit herangezogen hatte. Nicht, um die Kollegen zu übergehen, sondern um sie nicht über Gebühr zu beanspruchen. Diese Personenermittlungen konnten äußerst mühselig sein. Nicht, dass nachher jemand von den beiden gekränkt war. Notfalls schob er die Versicherung vor.