Читать книгу Marshals und Coltkiller: Wichita Western Sammelband 9 Romane - Pete Hackett - Страница 32
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ОглавлениеSie befanden sich mitten auf dem Gebiet der H.D. Ranch. Die Ebene, über die sie ritten, war weitläufig und mit hüfthohem Gras bewachsen. Der Regen hatte dem ganzen Land eine kräftige, grüne Farbe verliehen, wenn auch die Sonne schon wieder dabei war, alles auszutrocknen. Weit vor ihnen im Osten buckelten Berge, ebenso im Norden und im Süden.
Jim Hooker ritt eine Pferdelänge vor dem Sheriff, der zwei gesattelte Pferde an der Longe führte. Hookers Hände waren gefesselt, was ihn aber nicht hinderte, die Zügel zu führen. Das Gesicht Hookers war eine Physiognomie der ohnmächtigen Wut. Plötzlich zügelte er sein Pferd, und als Jesse Quincanon auf einer Höhe mit ihm angekommen war, knirschte er: „Willst du mir nicht endlich diese verdammten Armbänder abnehmen? Ich bin nicht dein Gefangener!“
„Reite weiter, Jim. Die Handschellen nehme ich dir ab, sobald wir in Dalhart vor meinem Office aus dem Sattel steigen. Dann kannst du als freier Mann zum Mustang Creek reiten und sicherlich wirst du nicht verrückt genug sein, dich erneut auf den Weg nach Westen zu machen, um Whiteman zu jagen. Du wirst dir nämlich selbst sagen müssen, dass sich in Yates seine Spur in nichts auflöst. Und irgendwann wirst du deinen Hass begraben, und mit ihm deinen Rachedurst. Und die Vernunft wird dir sagen, dass es gut war, dass du gehindert wurdest, vielleicht sogar zum Mörder zu werden.“
„Du hättest Prediger werden sollen, Jesse!“, blaffte Jim Hooker zornig. „Ich habe nichts getan, was es rechtfertigt, dass du mich wie einen Verbrecher zurück nach Texas schleppst. Also nimm mir die Stahlspangen ab und …“
„Es ist nur zu deinem Besten, glaube es mir. Und nun reite weiter!“
Hookers Kiefer mahlten, das Funkeln seiner Augen verriet seinen Gemütszustand. Doch ein Blick in Quincanons verschlossenes Gesicht sagte ihm, dass der Sheriff nicht zu erweichen sein würde. „Hüh!“ Hooker ruckte geradezu aggressiv im Sattel und hämmerte dem Pferd die Sporen in die Weichen. Prustend setzte sich das Tier in Bewegung.
Sie ließen die Pferde im Schritt gehen. Immer wieder ritten sie an großen Rinderherden vorüber. Reiter der H.D. Ranch schienen sie noch nicht ausgemacht zu haben. Das aber sollte sich etwa eine halbe Stunde später ändern. Es waren vier Reiter, die sich ihnen von Norden her näherten. Minuten später versperrten sie ihnen den Weg und einer stieß hervor: „Auf den Weiden Dwayne Hardings haben Fremde nichts verloren. Habt ihr denn keine Augen im Kopf? Wenn doch, wieso zieht ihr trotz der unmissverständlichen Hinweise an den Weidegrenzen über Harding-Land?“
„Ich bin Sheriff des Dallam County, Texas“, versetzte Jesse Quincanon, „und ich bringe diesen Mann zurück nach Dalhart.“
„Was hat er ausgefressen?“
„Er war im Begriff, eine große Dummheit zu begehen“, versetzte Quincanon. „Ich habe ihn davor bewahrt. – Es wäre ein unverhältnismäßig weiter Umweg, um das Land Hardings herumzureiten …“
„Drüber hinwegzureiten ist Landfriedensbruch!“, unterbrach der Weidereiter Quincanon.
„Ich fürchte, es genügt nicht, einfach ein Schild aufzustellen, um jemand daran zu hindern, freies Weideland zu betreten. Ich gehe davon aus, dass es sich um Regierungsland handelt, dass Dwayne Harding lediglich in Anspruch nimmt. Aber selbst wenn er das Land erworben hat, kann er niemand verbieten, darüber hinwegzureiten. Also seid vernünftig, Leute, gebt den Weg frei und lasst uns ziehen. Wir richten keinen Schaden an.“
„Es geht ums Prinzip, Hombre.“
Jetzt mischte sich Hooker ein, indem er sagte: „Ich hatte auf dem Weg nach Westen schon einmal das Vergnügen mit einigen eurer Kameraden. Sie folgten einem Hurensohn, der einen von euch aus dem Sattel geschossen hat und zwei weiteren übel mitspielte. Sie haben am Ute Creek seine Fährte verloren und sind umgekehrt. Auch ich war hinter dem Bastard her, stellte ihn sogar in Yates, doch er erschoss einen Dritten meiner Männer und entkam.“
„Ja, darüber hat man uns berichtet. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ihr euch unerlaubt auf Harding-Land herumtreibt.“ Der Sprecher löste seinen Blick von Hooker und konzentrierte sich wieder auf Quincanon. „Dass du angeblich drüben in Texas Sheriff bist, spielt ebenfalls keine Rolle. Denn wir befinden uns in New Mexiko, und hier ist dein Stern einen Dreck wert.“
„Wie soll es nun weitergehen?“, fragte Quincanon. „Erwartet ihr nun, dass wir umkehren? Oder wollt ihr uns an Ort und Stelle erschießen?“
„Ja, ihr kehrt um, und wir werden euch bis zur Weidegrenze begleiten. Und sollten wir euch später noch einmal auf H. D. Weide aufgabeln, wird es ziemlich rau für euch. Verstanden?“
„Ich höre auf diesem Ohr schlecht!“, stieß Quincanon hervor und plötzlich lag in seiner Faust der Colt. Blitzschnell und glatt hatte er ihn gezogen. Es knackte trocken, als er den Hahn spannte und sich die Trommel um eine Kammer weiterdrehte. Die Hände der Weidereiter fuhren zu Revolvern, als aber Quincanon die Mündung seiner Waffe über sie hinwegpendeln ließ, hielten sie inne.
„Haltet eure Hände lieber still, Freunde!“, klirrte Quincanons Stimme. „Andernfalls schieße ich dir die Ohren ab, mein Freund.“ Er hielt jetzt das Eisen auf den Sprecher des Quartetts gerichtet. „Und das ist keine leere Drohung. Jetzt wendet eure Pferde und zieht Leine. Ich habe nichts übrig für Leute, die mir ihren Willen aufzwingen wollen.“
Unverrückbar und voll tödlicher Bedrohung war der Sechsschüsser auf den Weidereiter gerichtet. Der Bursche spürte, wie heißer Zorn in ihn hineinkroch, in die Höhe stieg und sein Denken und Fühlen zu beherrschen begann. Er setzte, als die Wut ihn übermannte, alles auf eine Karte und drosch seinem Pferd die Sporen in die Seiten. Gleichzeitig riss er den Colt aus dem Holster.
Das Tier unter ihm sprang erschreckt aus dem Stand vorwärts. Die Absicht des Cowboys war, Quincanons Pferd zu rammen und Quincanon aus dem Sattel zu werfen. Der Weidereiter verschwendete keinen einzigen Gedanken daran, dass seine Aktion selbstmörderisch war, denn sein Verstand wurde vom Jähzorn ausgeschaltet.
Aber er war an den Falschen geraten, denn Quincanon handelte gedankenschnell. Als das Pferd des aggressiven Burschen wie von einem Katapult geschleudert heranflog, war er schon nicht mehr im Sattel. Er brachte sich mit einem Hechtsprung in Sicherheit, rollte über die Schulter ab und kam augenblicklich wieder hoch.
Wie eine Naturgewalt prallte der schwere Braune gegen sein Pferd und es ging gequält aufwiehernd zu Boden, keilte voll Panik mit den Hufen um sich, kam vorne hoch und warf den Kopf in den Nacken.
Der Cowboy fluchte lästerlich. Breitbeinig stand Quincanon einige Schritte von dem sich am Boden windenden Pferd entfernt. Der Weidereiter schlug den Colt auf ihn an, doch da stieß schon eine handlange Mündungsflamme aus dem Lauf von Quincanons Eisen. Die Kugel pflügte vor den Hufen des Braunen in den Boden, ließ Erdreich und Gras spritzen. Die Detonation schlug auseinander und entsetzte das Cowboypferd noch mehr. Es stieg auf die Hinterhand. Unwillkürlich griff der Reiter nach dem Sattelhorn und er ließ den Revolver einfach fallen. Noch einmal feuerte Quincanon und das Tier schnellte nach vorn. Der Cowboy verlor das Gleichgewicht, flog rücklings vom Pferd und landete krachend am Boden. Erstickend japste er nach Luft, die ihm beim Aufprall aus den Lungen gedrückt worden war, und sein Gesicht verfärbte sich dunkel.
Die anderen drei Weidereiter waren wie gelähmt. Sie mussten das, was sich ihnen eben innerhalb weniger Sekunden geboten hatte, erst verstandesmäßig verarbeiten. Als sie aber begriffen und reagieren wollten, sprang sie Quincanons eisige und schneidende Stimme an:
„Der nächste, der es versucht, hat mein Blei in der Figur! - Abschnallen, Leute. Meine Geduld mit euch Narren ist zu Ende. Abschnallen und runter von den Pferden. Ein kleiner Spaziergang wird eure erhitzten Gemüter sicherlich etwas abkühlen.“
Der Cowboy am Boden stemmte seinen Oberkörper mit den Ellenbogen hoch und hustete und keuchte. Schließlich füllten sich mit einem befreienden Atemzug seine Lungen wieder mit frischem Sauerstoff. Aus blutunterlaufenen Augen starrte er Quincanon an - aus Augen, in denen mörderischer Hass glomm.
Wie hineingeschmiedet lag in Quincanons Faust der Sechsschüsser.
„Tut war er sagt!“, keuchte der Bursche am Boden rasselnd. „Er ist ein verdammter Schießhund. Das ist mir jetzt klar. Aber noch ist nicht aller Tage Abend“, drohte er. „Man begegnet sich immer zweimal im Leben.“
Quincanon zeigte sich unbeeindruckt. Er wartete, bis die Gurte mit den Colts und die Gewehre im Gras lagen und die drei Cowboys abgesessen waren. Ihre Mienen waren Spiegelbild ihrer Empfindungen. Zwei von ihnen halfen ihrem Kameraden auf die Beine. Quincanon holte seinen Stetson, der beim Sprung vom Pferd davongeflogen war, und stülpte ihn sich auf den Kopf. Sein Pferd hatte sich erhoben, stand mit zitternden Flanken und rollenden Augen da und schielte fast tückisch in die Runde.
„Haut ab, ihr Dummköpfe“, grollte Quincanon. „Und nehmt meinen Rat mit auf den Weg: seht euch die Leute, denen ihr auf die Zehen treten wollt, das nächste Mal besser an. Nicht jeder ist so nachsichtig wie ich.“
Sie antworteten nichts mehr. Aber in den Augen eines jeden war ein stummes Versprechen zu lesen, lag die düstere Prophezeiung, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Sie wandten sich um und stapften davon. Quincanon ahnte, dass sie hinter dem nächsten Hügel warteten, bis er diesen Platz verlassen hatte, um sich ihre Waffen und Pferde zu holen. Er würde also öfter einmal hinter sich blicken müssen auf seinem Weg nach Dalhart.
Als sie über dem Scheitelpunkt einer Anhöhe verschwunden waren, kletterte er aufs Pferd, nahm die Zügel der beiden anderen Tiere wieder und sie setzten ihren Weg fort.
„Du bist eine verdammt harte Nummer, Quincanon“, sagte Jim Hooker beeindruckt. „Wer hätte das von dir gedacht.“
Quincanon gab keine Antwort.