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B7. Mitarbeiterin der Arbeiter-Zeitung

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Ein weiteres potenzielles Berufsfeld Veza Taubners ergibt sich aus Recherchen im Zusammenhang mit deren Preisgewinn bei der Arbeiter-Zeitung im Jahre 1933. In der Preisausschreibung zu diesem literarischen Wettbewerb erfährt man, dass dieser für die freien Mitarbeiter ausgeschrieben worden war, genauer für die in der heutigen Zeit vielfach in Not lebenden freien Mitarbeiter: „Die Arbeiter-Zeitung wünscht ihren Lesern einige angenehme Stunden zu bereiten, aber auch ihren in der heutigen Zeit vielfach in Not lebenden freien Mitarbeitern eine angenehme Aussicht zu eröffnen, indem sie ein Preisausschreiben für die beste Kurzgeschichte veranstaltet.“201

Für diese freie Mitarbeit bei der Arbeiter-Zeitung gibt es leider keine direkten Belege. Eventuell waren mit freier Mitarbeit Personen gemeint, die seit Längerem Erzählungen in der Arbeiter-Zeitung veröffentlichen konnten; das war mit der Erzählung Der Sieger und dem Novellenzyklus Geduld bringt Rosen im Sommer 1932 bei Veza Taubner der Fall. Es könnte hingegen auch ganz anders gewesen sein, schreibt doch Elias Canetti in einem Brief an Georges vom 1. März 1934: „Sie (Veza Canetti, Anm. va) war bereits im Januar, als Mit-Arbeiterin einer hiesigen Zeitung und jugoslawische Staatsbürgerin, von einer Abschiebung nach Jugoslawien bedroht.“ (BaG 18) Ob es sich dabei um die Arbeiter-Zeitung handelt, die allerdings erst am 12. Februar 1934 verboten wurde, oder eine andere Wiener Zeitung, ist nicht bekannt. Falls damit nicht die Arbeiter-Zeitung gemeint war202, müsste es eine Zeitung gewesen sein, die bereits im Januar verboten, vielleicht auch nur zensiert oder mit einem Kolportage-Verbot belegt worden war, wie dies bei der Arbeiter-Zeitung der Fall gewesen war.203 Damit wird zudem klar, dass nur eine kommunistische oder sozialistische Zeitung als Arbeitgeberin für Veza Canetti in Frage kommen kann. Mit „Mitarbeit“ könnte Elias Canetti ferner eine Tätigkeit zum Beispiel als Lektorin gemeint haben. Es ist davon auszugehen, dass Veza Canetti für die Arbeiter-Zeitung tätig war, über die Form dieser Mitarbeit hingegen kann spekuliert werden. Im Personenlexikon Österreich von 2001 wird sie beispielsweise als „Redakteurin der Arbeiter-Zeitung“ bezeichnet, leider ohne diese Behauptung mit einer Quelle zu belegen. Diese Unsicherheit muss vorläufig so stehen bleiben, wie eine intensive Recherche im Archiv der Arbeiter-Zeitung, das sich beim Verein für Geschichte der Arbeiterinnenbewegung (VGA) in Wien befindet, ergeben hat.204

Veza Canetti muss nach dem Verbot der Zeitung aber schon bald wieder gearbeitet haben, wie es Elias Canetti in den Unpublizierten Lebenserinnerungen gleichsam nebenbei erwähnt: „Sie hatte zehn Nächte ganz allein in einem Zimmer mit ihrer toten Mutter (…) Seit ein paar Wochen ist Veza halbwegs wieder auf dem Damm. Sie arbeitet wieder (…).“205

Sehr gut vorstellbar ist auch, dass Veza Taubner bereits vor ihrer Mitarbeit bei der Arbeiter-Zeitung bei einer anderen Wiener Zeitung gearbeitet hat. Da der literarische Einstand bei der Arbeiter-Zeitung mit der Erzählung Der Sieger vonstattenging und dabei ein despotischer Chef namens Siegfried Salzmann eine wichtige Rolle spielte, kommt eine Mitarbeit Veza Taubners bei der Zeitung Neue Freie Presse in Frage. Hat Veza Taubner doch mit der Wahl des Namens Siegfried Salzmann den Feuilletonredakteur der Neuen Freien Presse, nämlich Felix Salten, ins Spiel gebracht, der mit bürgerlichem Namen Siegmund/Zsiga Salzman hiess. Die Erzählung Der Sieger wäre dann eine Abrechnung mit ihrem ehemaligen Chef. Dazu mehr im Kapitel zu Felix Salten.

Veza Canetti zwischen Leben und Werk

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