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Vierundzwanzigster Januar

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Es war einmal vor langer, ganz langer Zeit in einem Königreich, das Schwarzland genannt wurde. Dieses Königreich wurde - wie es der Name vermuten lässt - von einem König regiert. Dieser König war nicht allein. Er hatte eine Königin. Mit dieser lebte er viele Jahre glücklich.

Als die Beiden ihr erstes Kind erwarteten, waren sie noch glücklicher. Als die Beiden erfuhren, dass sie eine Tochter bekommen sollten, freuten sie sich noch mehr. Beide wollten unbedingt eine Tochter und nun wurde ihr Wunsch erfüllt.

Als ihre Tochter zur Welt kam, mussten die beiden sich einen Namen ausdenken. Sie hatten sich schon im Vorfeld einige Gedanken gemacht. Sie führten eine Liste mit tausend weiblichen Vornamen. Sie ließen sich von ihren Bediensteten alle möglichen Namen bringen, die für ihre Tochter geeignet schienen. Von dieser Liste strichen sie dann mehr und mehr Namen. Es waren Namen, die ihnen nicht gefielen. Es waren Namen, die sie unpassend fanden. So schrumpfte die Liste von Tag zu Tag. Am Ende standen nur noch fünf Namen auf der Liste. Als die Königin ihre Tochter zum ersten Mal in den Armen hielt, sagte sie spontan, dass wäre Linda. Sie sah den König an und fragte, ob dies in Ordnung wäre. Der König bejahte und so hieß die Prinzessin aus dem Schwarzland seit diesem Tag Linda.

Linda war ein kluges und neugieriges Kind. Sie lernte frühzeitig zu stehen. Sie konnte schon sehr früh laufen. Früher als alle anderen, die in der gleichen Woche wie Linda geboren wurden. König und Königin waren stolz. Sehr stolz.

König und Königin nahmen Linda überall mit. Bei jeden königlichen Empfang war Linda dabei. Bei jedem Spaziergang im Schlossgarten oder einer Spazierfahrt durchs Königreich war Linda anwesend.

Linda sah sich alles neugierig an. Linda beobachtete die Menschen, die Könige und Untertanen bei einem Empfang. Sie fragte jeden, den sie sah, wer er oder sie war. Linda sah sich jedes Tier und jede Pflanze an. War das Tier groß oder klein? War die Blume bunt oder einfarbig? Linda sah sich alles genau an. Ihre Eltern mussten alles erklären. Warum war die Blume rot und der Stiel grün? Warum hatte das Tier graues Fell? Warum waren die Kühe mal weiß, mal schwarz, mal braun und mal gefleckt? Warum war ein Schwein rosa? Warum gab es im Sommer grüne Bäume und im Winter nicht? Warum hatten manche Bäume Nadeln und andere Blätter?

Linda wollte alles wissen. Eine Frage zweimal stellte sie aber nie. Sie merkte sich die Antworten, die sie bekam. Ihr erworbenes Wissen gab sie immer weiter. Sie hatte einige Freunde außerhalb des Schlosses, mit denen sie spielte und sprach. Sie hörten Linda aufmerksam zu.

Lindas Vater und ihre Mutter erlaubten es, dass sich Linda mit den Untertanen traf. In einigen Königreichen durfte eine Prinzessin oder ein Prinz nicht mit jedem reden oder spielen. Untertanen waren oft tabu. Ein Prinz durfte mit anderen Prinzen spielen. Eine Prinzessin durfte mit ihren Bediensteten spielen. Prinz und Prinzessin durften mit ihrem Spielzeug spielen. Kontakt mit den normalen Volk, mit den Untertanen, hatten die Prinzen und Prinzessinnen in anderen Königreichen aber nicht.

Bei Linda war dies nicht so. Doch als ihre Mutter krank wurde, begann sich vieles zu ändern. Lindas Mutter wurde schwer krank. So krank, dass ihr der Arzt nicht mehr helfen konnte. Lindas Mutter verstarb. Nun waren Linda und ihr Vater ganz allein. Doch dies sollte nicht lange so bleiben.

Eines Tages sollte es wieder eine Königin im Schwarzland geben. Es sollte eine Königin sein, die anders war. Eine Königin, die einen Plan hatte. Wie dieser Plan aussah, weiß aktuell aber keiner. Vielleicht wird die Zukunft es zeigen. Vielleicht auch nicht. Wir werden es sehen. Ganz bestimmt.

Erzählen-AG: 366 Kindergeschichten

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