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Tamales für die Maya in Yucatán
Оглавление73 Jahre alt ist Rodrigo. Er ist ein Chiclero, ein Nachfahre der Maya, die Chicle (Kautschuk) vom Sapote (Breiapfelbaum) in den Wäldern des südlichen Mexikos einsammeln. Wie ein Affe klettert er nur mithilfe eines um die Hüfte geschlungenen Seils Richtung Baumkrone, im Mund hat er dabei seine Machete.
Hütte der Maya im Dschungel Yucatáns
Mit dieser schlägt er Rillen in den Baum, von denen der Kautschuk abläuft und in einem Eimer am Boden aufgefangen wird. Beeindruckend, wie der alte Mann sein Handwerk ausführt. Ich scheitere bei der Nachahmung bereits am ersten Meter des Baumes. Ich bin in Chunuhub im Herzen der Yucatán-Halbinsel im Süden Mexikos. Hier leben die Menschen noch wie vor Tausenden von Jahren. Eine Woche lang werde ich hier bei den Maya im Dorf wohnen, ihre Traditionen und Bräuche kennenlernen und bei der anfallenden Arbeit mithelfen.
Im Garten des Dorfs hebe ich zusammen mit zwei Männern ein circa zwei mal zwei Meter großes Loch aus. Mit Holz und Steinen gefüllt wird es uns später als Erdofen dienen. Meine Gastgeberin Margerita, eine weitere Frau und zwei französische Gäste bereiten in der Zeit die Füllung und den Teig für die Tamales zu. Tamales sind ein traditionelles mexikanisches Gericht, das in dieser Form schon seit über 5000 Jahren zubereitet wird. Nach der schweißtreibenden Gartenarbeit formen wir Teig aus Masa (Mais). Gefüllt wird der Teig mit Cochinita Pibil, einer Zubereitung aus Schweinefleisch mit einer speziellen Gewürzmischung, genannt Recado Rojo. Diese Gewürzmischung besteht vor allem aus Achiote (einer roten Frucht von der Yucatán-Halbinsel), Oregano, Gewürznelken, Kümmel, Pfeffer, Knoblauch und Salz. Anschließend wird das Ganze in Bananenblätter eingewickelt und mit Bändern aus Pflanzenfasern wie ein Paket verschnürt.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind wir nach den 50 Tamales, die wir für die ganze Dorfgemeinschaft herstellen, zu wahren Profis mutiert. Der Kampf um Mexikos Next Top-Tamales ist eröffnet und wir ernten ein dickes Lob der Frauen für unsere Kreationen. In unserem zuvor gebuddelten Loch hat die Glut mittlerweile Betriebstemperatur. Wir verfrachten die Tamales in unseren Naturofen. Erde drauf – geschafft! Einige Stunden später wird der Erdofen wieder geöffnet und ein herrlicher Duft strömt aus dem Boden. Das halbe Dorf hat sich mittlerweile rund um den Platz versammelt, der Hunger ist förmlich spürbar. Es wird aber auch getuschelt, ob die Gringos überhaupt in der Lage sind, anständige Tamales herzustellen. Wir verteilen die Mahlzeit an die Dorfbewohner, die uns die Pakete nur so aus den Händen reißen. Und das Feedback lässt nicht lange auf sich warten – es schmeckt sehr lecker, Daumen gehen nach oben und wir dürfen gern wiederkommen, um noch mehr Tamales zu machen. Ein großes Kompliment! Vielen Dank oder wie man in der Maya-Sprache Ch’ol sagt: dios bo’ot!
Chilis auf einem Marktstand