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Selektive Aufmerksamkeit

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Der Engländer Donald Broadbent hat sich bereits früh mit der Frage beschäftigt, wie unser Informationsverarbeitungssystem die ständige Überflutung durch sensorisch registrierte Informationsmerkmale bewältigt. Dabei inspirierte ihn eine Aufmerksamkeitsleistung der für die Radarüberwachung von Flugzeugen zuständigen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Diesen gelang es nämlich, mit verschiedenen Piloten gleichzeitig zu kommunizieren, obgleich deren Stimmen nur über einen einzigen Lautsprecher zu hören waren. Auf der Basis zahlreicher Experimente formulierte Broadbent (1958) die sogenannte Filtertheorie der Aufmerksamkeit, die von einer grundsätzlich beschränkten Informationsverarbeitungskapazität des Menschen ausgeht. Danach reguliert die Aufmerksamkeit den Informationsfluss von den sensorischen Registern zum Arbeitsgedächtnis. Die Aufmerksamkeit bzw. die Aufmerksamkeitszuwendung hat die Funktion eines Filters und wirkt wie ein früher Engpass oder Flaschenhals, der dafür verantwortlich ist, dass nur einige wenige Informationen im kognitiven System weitergeleitet werden.

Broadbents Filtertheorie der Aufmerksamkeit besagt nun, dass die Auswahl der weiter zu verarbeitenden Informationen bereits sehr früh im Prozess der Informationsverarbeitung stattfindet. Die Frage, wann genau die Selektion aufgrund von Informationsmerkmalen geschieht und welche ihrer Bestandteile in welchem Umfang »voranalysiert« werden, hat zu zahlreichen experimentellen Analysen und theoretischen Auseinandersetzungen geführt (Lamy, Leber & Egeth, 2012; Yantis, 2000). Dabei hat sich herausgestellt, dass es wohl unterschiedliche Filter gibt, die für den Flaschenhalseffekt verantwortlich sind. Ihre Funktionsweise wird sowohl von den Reizmerkmalen selbst (Bottom-up) als auch von den Zielen und dem Vorwissen der die Informationen verarbeitenden Person (Top-down) beeinflusst.

Eine hilfreiche Klassifikation der für die Aufmerksamkeitszuwendung beim absichtlichen Lernen relevanten Prozesse stammt von Neisser (1967). In seiner Zwei-Prozess-Theorie der selektiven Aufmerksamkeit unterscheidet Neisser zwischen einem Diskriminationsprozess, in dessen Verlauf die in den sensorischen Registern festgehaltenen Informationsmerkmale danach beurteilt werden, ob sie relevant sind oder nicht, und einem Prozess der Zuweisung der vorhandenen (und begrenzten) Aufmerksamkeitskapazität auf die als relevant erkannten Informationsmerkmale (Fokussierung). Die Effizienz beider Prozesse hinterlässt deutliche Spuren schon bei einfachen Lernanforderungen, wie am Beispiel des Cocktailparty-Phänomens und seiner Wirkungen deutlich wird.

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