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Expertiseforschung
ОглавлениеEine verbreitete Methode zur Analyse von Vorwissenseffekten beim Lernen und Behalten neuer Informationen ist der Vergleich von Experten und Novizen in einer definierten Wissensdomäne (gemeint sind natürlich »Wissensnovizen« in Bezug auf einen spezifischen Inhaltsbereich und nicht Mönche oder Nonnen in der klösterlichen Probezeit). Experten unterscheiden sich von Novizen in der Regel darin, dass sie auf dem Gebiet ihrer Expertise über ein umfangreiches und wohlgeordnetes Wissen sowie über reichhaltige Erfahrungen verfügen.
Zu den ältesten Belegen für Informationsverarbeitungsvorteile von Experten gehören Untersuchungen mit Schachspielern (Djakow, Petrowski & Rudik, 1927; de Groot, 1965; Gruber, 1994). Die Überlegenheit von Schachmeistern gegenüber weniger geübten Schachspielern und Anfängern bei der Rekonstruktion von nur kurz dargebotenen Schachkonstellationen aus dem Gedächtnis zeigt eindrucksvoll den Einfluss des Vorwissens auf das Behalten. Chase und Simon (1973) konnten zeigen, dass die Leistungsunterschiede zwischen Schachexperten und -novizen von der Bedeutungshaltigkeit der Schachkonstellation abhängig sind. Schachmeister, erfahrene Schachspieler und Spielanfänger (Novizen) unterscheiden sich in ihren Leistungen deutlich, wenn sie sinnvolle, d. h. tatsächlich mögliche Schachkonstellationen nach nur fünf Sekunden Darbietungszeit rekonstruieren sollen. Dagegen finden sich nur geringe oder gar keine Leistungsunterschiede für Konstellationen, in denen zwar die gleichen Positionen des Feldes belegt sind, jedoch mit Figuren, die den Feldern per Zufall zugeordnet werden.