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Phonologisches Arbeitsgedächtnis
ОглавлениеWiederum unabhängig von der Verarbeitung visuell-räumlicher Informationen werden sprachliche und akustische Informationen verarbeitet. Das hierfür zuständige Hilfssystem des Arbeitsgedächtnisses wird phonologisches Arbeitsgedächtnis genannt. Baddeley (1986) hat dieses System als eine »phonologische Schleife« bezeichnet. Ähnlich wie beim visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis besteht die Schleife aus zwei Komponenten, einem phonetischen Speicher (Phonological Store) und einem subvokalen Kontrollprozess (Subvocal Rehearsal).
Der phonetische Speicher kann klangliche und sprachliche Informationsmerkmale für etwa eineinhalb bis zwei Sekunden repräsentieren. Die entscheidende Kapazitätsdimension ist weniger die Anzahl verarbeiteter Informationen – wie in Anlehnung an Millers (1956) Ausführungen zur »magischen Sieben« lange Zeit angenommen wurde –, als vielmehr die Zeitdauer, für die eine gespeicherte Information verfügbar ist. Man kann sich den phonetischen Speicher wie eine Tonbandendlosschleife mit sehr kurzer Aufnahmekapazität vorstellen. Die Schleife ist im aufmerksamen Zustand permanent auf Empfang geschaltet. Informationen, die nicht in weiterführende Verarbeitungsprozesse eingebunden sind, werden allerdings nach etwa zwei Sekunden wieder »überschrieben« und damit dem Zugriff für weiterführende Verarbeitungen entzogen. Für viele Sätze unserer gesprochenen Sprache ist dies ein sehr knappes Zeitfenster – umso problematischer, wenn es nicht effizient genutzt wird. Um vor allem beim Hören längerer Sätze am Ende eines Satzes noch zu wissen, wovon am Anfang des Satzes die Rede war, müssen wir wichtige Informationen länger verfügbar halten als nur für zwei Sekunden.
Dies leistet der subvokale Kontrollprozess. Durch eine Art »inneres Sprechen« bzw. »inneres Wiederholen« wird die Repräsentation im phonetischen Speicher immer wieder neu aufgefrischt, so dass wichtige Informationen durchaus über einen längeren Zeitraum für die weitere Verarbeitung präsent bleiben. Als Beleg dafür, dass es sich bei diesem Kontrollprozess um ein »inneres Sprechen« handelt, gilt das Phänomen des Wortlängeneffektes: Die Leistung bei der oben beschriebenen einfachen Gedächtnisspannen-Aufgabe fällt bei der Darbietung von Sequenzen kurzer Wörter besser aus als bei Sequenzen langer Wörter.