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VII. Menschenwürde als ein leeres, verzichtbares Wort bzw. eine Illusion?
ОглавлениеDie extremste reduktionistische Meinung zur Menschenwürde führt eine skeptische Tradition gegenüber der Menschenwürde von Bentham über Schopenhauer bis zu Nietzsche fort.32 Nach B. F. Skinner gibt es keine mentalen Eigenschaften, sondern nur eine Würdigung durch andere.33 Wir würdigen Verhalten, in dem wir die Angemessenheit einer Verstärkung dieses Verhaltens zu schätzen wissen.
Verschiedentlich wird die Meinung geäußert, der Begriff der Menschenwürde gehe nicht über den Begriff der Autonomie hinaus und sei deshalb praktisch nutzlos.34 Die Menschenwürde bezieht sich aber nicht auf die Selbstbestimmung als solche, sondern wie erläutert auf die wesentliche Konkretisierung der Selbstbestimmung über die eigenen Belange, also das Verhältnis zwischen primären und sekundären bzw. höheren Belangen. Derartige Konkretisierungen abstrakterer Begriffe haben einen eigenständigen Inhalt und sind keinesfalls nutzlos: Obwohl der Begriff der Eiche den Begriff des Baums konkretisiert, hat er einen eigenen Bedeutungsgehalt. Wer etwa behauptet, dass sich alle Eichen für die Herstellung von Möbeln eignen, behauptet noch lange nicht, dass dies für alle Bäume zutrifft. Ähnliches gilt für die Menschenwürde: Wer die Selbstbestimmung über die eigenen Belange für unantastbar hält, der behauptet dies noch lange nicht für alle Formen der Selbstbestimmung.
Der Begriff der Autonomie umfasst darüber hinaus weder die wesentliche soziale Stellung eines Menschen, also die kleine Menschenwürde, noch deren unabänderliche Gleichheit, also die mittlere Menschenwürde, noch die ökonomischen bzw. materiellen Verwirklichungsbedingungen der Menschenwürde. Der Begriff der Menschenwürde hat folglich gegenüber demjenigen der Autonomie einen wesentlich eigenen Inhalt.