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1. Würde als Differenz zwischen Menschen und Tieren

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Der Begriff der Würde, der in der konfuzianischen Formel vom Menschen angelegt ist, dem von allen Dingen zwischen Himmel und Erde allein eine Würde zukomme, verweist auf die Besonderheit des Menschen im Hinblick auf seine Koexistenz mit anderen Naturwesen. Interessanterweise dient der Bezug zu den anderen Naturwesen hier aber nicht dazu, das Verhältnis zwischen Mensch und Tier zu bestimmen, etwa in dem biblischen Sinne, dass dem Menschen die Herrschaft über die Naturwesen zukomme. Die Behauptung, er allein habe Würde, charakterisiert vielmehr die Beziehung des Menschen zu sich selbst: Der Wunsch nach Würde scheint als eine Ambition angesehen zu werden, die alle Menschen teilen. Diese Würde legt ihm eine Pflicht auf, nämlich anders als ein Tier zu handeln. Sie ist also ein Auftrag und begründet das menschliche Selbstverhältnis. Daraus leitet sich jedoch nicht umgekehrt die Erlaubnis oder Aufforderung her, Tiere als etwas ganz anderes, Verfügbares, als eine gefühllose Sache zu behandeln.31 Mengzi bezeichnet den Unterschied zwischen Menschen und Tieren ausdrücklich als etwas „Geringes“, das den meisten Menschen gar nicht bewusst sei:

Das, was den Menschen von Tieren unterscheidet, ist gering. Die meisten Menschen ignorieren [es], die Edlen bewahren [es]. (Mengzi.4B.19)

Der „geringe“ Unterschied zwischen Menschen und Tieren liegt nach Mengzi in der naturgegebenen Moralfähigkeit des Menschen. Wie gesagt, folgt daraus nicht, dass es moralisch irrelevant wäre, wie Tiere und andere Lebewesen behandelt werden: „Der Edle (…) liebt seine Familie und ist daher menschlich zum Menschen. Er ist menschlich zum Menschen und daher freundlich zu den Kreaturen.“ (Mengzi.7A.45)

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