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6. Würde im Kontext des moralischen Perfektionismus

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Achtung hat im Konfuzianismus eine negative und eine positive Seite. Im negativen Sinne besteht sie in der Rücksicht darauf, dass das Menschsein meines Gegenübers nicht verleugnet werden darf; ihre positive Bedeutung kommt in der Förderung des Menschen als eines moralisch perfektionierbaren Wesens zum Ausdruck. Es ist Pflicht, Menschen bei ihrer moralischen Kultivierung zu fördern, vorausgesetzt, sie sind selbst dazu bereit (LY.7.29). Das bedeutet einen Umgang, der die Selbstachtung des Gegenübers fördert, welche für die Perfektionierung unabdingbar ist: „Wenn man das Volk mittels administrativer Maßnahmen leitet, mittels Körperstrafen ausrichtet, da wird es sich dem entziehen und wird schamlos. Leitet man es aber mit Tugend und richtet es aus mittels der Sittlichkeit (dann wird es Schamgefühl entwickeln und dem Herrscher zulaufen).“ (LY.2.3)43 Hier ist vom Schamgefühl, wie gesagt, nicht im Sinne einer Sorge um den guten Ruf die Rede. Es geht um die Selbstachtung, die zwar natürlich angelegt ist, aber sich nur durch Kultivierung entwickelt. So kann das Schamgefühl im Rahmen eines bestimmten Umgangs verschwinden, aber umgekehrt auch befördert werden. Scham im Sinne Mengzis entzieht sich dem Kohlberg-Modell einer entweder konventionellen oder postkonventionellen, prinzipienorientierten Moral. Denn im Gegensatz zur bloß konventionellen Moral kann es nicht durch äußeren Druck, sondern nur durch das eigene Streben nach Kultivierung entwickelt werden. Diese Bestrebung ist jedoch nicht mit einer rein rationalen, prinzipienorientierten Überlegung zu verwechseln, sondern bedarf sowohl einer emotionalen Grundlage als auch eines sozialen Anstoßes.

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