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3. Würde als Erhabenheit
ОглавлениеWenn Mengzi die Würde des Menschen als eine Erhabenheit bezeichnet, kommt auch die ursprüngliche aristokratische Färbung des Begriffs wieder zur Erscheinung. Die aristokratische Würde besteht nur in Beziehung zu anderen Menschen, denen sie fehlt. Auch die Würde des Menschen tritt im Vergleich hervor, nämlich als eine Erhabenheit über Naturwesen, Tiere und leblose Dinge. Das Bewusstsein dieser Erhabenheit motiviert den Menschen dazu, seine Moralfähigkeit zu realisieren, indem er entsprechend handelt und sich so zu einer moralischen Person entwickelt. Von der Erhabenheit geht also eine spezifische ethische Motivation aus, die sich von der Motivation durch Gesetze und moralische Normen grundlegend unterscheidet. Während Gesetze und Normen aufgrund der abschreckenden Kraft der (juridischen oder sozialen) Sanktionsdrohung motivieren, motivieren Werte wie Menschenwürde durch ihre Attraktionskraft. Mit Blick auf die Erhabenheit ähnelt Mengzis Lehre von der menschlichen Natur dem Konzept des Edlen bei Konfuzius. Der Titel des Edlen, ursprünglich ein männlicher aristokratischer Titel – Fürstensohn –, wird schon bei Konfuzius in eine Bezeichnung der moralischen Persönlichkeit umgewandelt. Er bezeichnet einerseits die Personen, die sich selbst vervollkommnen, andererseits das normative Selbstbild, das der Natur des Menschen entspricht. Die Würde des Menschen, d.h. das Menschsein selbst, zu realisieren, besteht darin, sich zu einem Edlen zu kultivieren.