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2. Würde als Moralfähigkeit (cai)

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Unter der naturgegebenen Moralfähigkeit des Menschen ist bei Mengzi die Fähigkeit zu verstehen, die vier Tugenden Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Sittlichkeit und Weisheit zu entwickeln und zu einem Edlen oder sogar zu einem sittlich Vollkommenen oder Weisen zu werden: „Menschlichkeit, Rechtschaffenheit, Sittlichkeit und Weisheit wurzeln im Herzen [des Menschen]“ (Mengzi.7A.21). Alles andere, „genügende Nahrung, warme Bekleidung, bequeme Sesshaftigkeit“ (Mengzi.3A.4), so Mengzi, teilt der Mensch mit den Naturwesen. Die den Menschen auszeichnende Moralfähigkeit stellt einen Wert an sich dar, wie in der oben angeführten Stelle deutlich wird, wo Mengzi die Würde des Menschen im Sinne der Ränge des Himmels von den menschlichen Rängen abgrenzt, die Würde im Sinne von Sozialstatus bezeichnen (s.o.). Nützlichkeit wird hier also ganz explizit von der moralischen Vervollkommnung unterschieden und ihr untergeordnet.

Durchaus umstritten ist auch die Frage, ob sich der Mensch seine Würde erst durch die bewusste Realisierung dieser Fähigkeit zur moralischen Perfektionierung erwirbt, oder sich schon durch sein Potenzial hierzu von Tieren und leblosen Dingen unterscheidet. Gegen die erste Deutung spricht, dass Mengzi schon die den Menschen vom Tier unterscheidende Fähigkeit als gut bezeichnet, ohne Bezug auf ihre Funktionalität. Das wirft die Frage auf, warum er diese Verbindung von Beschreibung (geringer Unterschied) und Wertung (gut) gar nicht für begründungsbedürftig hält. Schließlich folgt aus dem bloßen Anderssein als die Tiere noch nicht, dass diese Andersheit auch einen besonderen Wert darstellt. (Vgl. Mengzi.6A.1, 4, 5, 6)

Mengzi scheint davon auszugehen, dass der Wert der Moralfähigkeit intuitiv einsehbar ist, indem er sie einem anderen Verständnis des Guten gegenüberstellt, nämlich dem Nutzwert, der sich nach dem Richtmaß der Tauglichkeit für das leibliche Leben bemisst: „Wollte man (…) behaupten, der Mensch liebe nichts mehr als sein Leben, warum ist ihm dann nicht jedes Mittel recht, es zu bewahren? Und wollte man behaupten, dem Menschen sei nichts mehr zuwider als der Tod, warum ist ihm dann nicht jedes Mittel recht, [diesem] Übel auszuweichen? (…) Deshalb gibt es unter den Dingen, die man begehrt, Begehrenswerteres als das Leben, und unter den Dingen, die einem zuwider sind, Ärgeres als den Tod.“ (Mengzi.6A.10)32 Der Wert der moralischen Dimension wird nicht argumentativ aus der kosmologischen Unterscheidung von Mensch und Tier hergeleitet, sondern ist nach Mengzi offenbar intuitiv erkennbar, zumindest wenn man sich auf ein Gedankenexperiment einlässt, in dem sich der innere Wert als etwas Erhabenes gegenüber dem evidenten Wert des Lebens profiliert.

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